Gegenstand, Umfang und Massstab der Normenkontrolle befugnis auch für diese Rechtsverordnungen zuzugestehen. Daran ver­ mag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der Begriff der Verord­ nung in der Verfassung nirgends zwingend festgelegt ist. Eine solche Erklärung reicht in diesem Zusammenhang nicht aus, denn gerade das Normenkontrollverfahren macht davon eine Ausnahme. Es kennt - wie soeben dargestellt - einen spezifischen Verordnungsbegriff, der auf die Regierung eingeengt und nach ihr benannt ist. Die nicht "wortgetreue"168 Praxis sollte vom Staatsgerichtshof aufge­ geben werden, auch wenn man aus Gründen einer umfassenden Recht- mässigkeitskontrolle dafür Verständnis aufbringen kann, dass Rechts­ verordnungen, unabhängig davon, ob sie von der Regierung erlassen worden sind oder nicht, Prüfungsgegenstand im Normenkontrollver­ fahren sein können. Voraussetzung dazu wäre aber eine Verfassungsän­ derung in der Weise, dass Art. 104 Abs. 2 den Begriff "Regierungsver­ ordnungen" fallen lässt. III. Verwaltungsverordnungen 1. Begriffliches Gegenstand der Verordnungsprüfung durch den Staatsgerichtshof kön­ nen auch Verwaltungsverordnungen sein, soweit sie die rechtliche Qualität einer Rechtsverordnung aufweisen.169 Auch hier macht der Staatsgerichtshof in seiner Praxis keinen Unterschied, ob sie die Regie­ rung oder eine andere Behörde erlassen hat. Auf die Bezeichnung - Verwaltungsverordnungen werden in Lehre und Rechtsprechung ge­ legentlich auch "Richtlinien" genannt - kommt es nicht an, sondern 168 Andreas Schurti, Das Verordnungsrecht der Regierung des Fürstentums Liechtenstein, S. 69, spricht davon, dass die Äusserungen des Staatsgerichtshofes, wonach Verordnun­ gen "generell-abstrakte Anordnungen der Regierung" seien und die Verordnungsge­ walt allein der Regierung zustehe, nicht "wortgetreu" verstanden werden dürften. 169 Vgl. auch vorne S. 248. Nach der ständigen Judikatur des österreichischen Verfassungs­ gerichtshofes sind Verwaltungsverordnungen Gegenstand der Normprüfung im Sinn des Artikels 139 B-VG. Dieser Ansicht widersprechen Walter/Mayer, Grundriss des österreichischen Bundesverfassungsrechts, S. 408/Anm. 1105, und Theo Ohlinger, Ver­ fassungsrecht, S. 400; Heinz Mayer, Das österreichische Bundes-Verfassungsrecht, S. 385. Sie weisen darauf hin, dass es sich bei den sogenannten "Verwaltungsverord- nungen" um generelle Weisungen im Sinne des Art. 20 Abs. 1 B-VG handelt. 252
        

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