Verordnungen nicht nur Verordnungen der Regierung, sondern auch Verordnungen anderer Staatsorgane der Normenkontrolle unterzieht. Diese Rechtspre­ chung ist allerdings widersprüchlich. Auf der einen Seite erklärt der Staatsgerichtshof, die "Ausübung der Verordnungsgewalt" stehe allein der Regierung zu131 und definiert die Verordnung im Sinn der liechten­ steinischen Verfassung als eine "generell abstrakte Anordnung der Re­ gierung".132 Auf der anderen Seite relativiert er wieder diese Aussage, in­ dem er zu verstehen gibt, der Begriff der Verordnung sei in der Verfas­ sung nirgends zwingend festgelegt, so dass sich Abweichungen von einem strengen Verordnungsbegriff hätten entwickeln können.133 Diese Feststellung trifft zu, auch wenn der Staatsgerichtshof damit in erster Linie die einzelnen Verordnungsarten im Auge hat und nach geeigneten Kriterien sucht, um sie (inhaltlich) gegeneinander abgrenzen und von­ einander unterscheiden zu können. Die Verfassung gebraucht den Verordnungsbegriff für Erlasse ver­ schiedener Staatsorgane, wobei die Terminologie uneinheitlich bezie­ hungsweise vielfältig ist, wie sich dies aus mehreren Bestimmungen der Verfassung ergibt. Es überrascht denn auch nicht, wenn die Verfassung in Hinsicht auf die Erzeugung mit verschiedenen Verordnungsbegriffen operiert.134 Sie stellt offensichtlich nicht auf die kompetenzrechtliche Seite der Verordnungsgebung ab. Das heisst, sie lässt es offen, von wem eine Verordnung beschlossen wird beziehungsweise auf welchem Weg sie zustande gekommen ist oder wer am Erlass beteiligt gewesen ist. Anders scheint dies bei der Normenkontrolle der Fall zu sein, da Art. 104 Abs. 2 der Verfassung die verordnungsgebende Gewalt allein bei der Regierung sieht, das heisst, von Verordnungen ausgeht, die die Regierung "zur Durchführung der Gesetze" (Art. 92 Abs. 1 LV) erlassen 131 StGH 1981/7, Urteil vom 28. August 1981, LES 1982, S. 59 (61), wo der Staatsgerichts- hof auf die Rechtsnatur von Art. 5 GVG, LGB1 1975 Nr. 5, zu sprechen kommt. Diese Bestimmung hatte vorgesehen, dass zur Erreichung einer gleichförmigen Praxis die Landesgrundverkehrskommission Richtlinien an die Gemeindegrundverkehrskommis- sionen zu erlassen hatte, wobei diese Richtlinien in das Landesgesetzblatt aufzunehmen waren. Der Staatsgerichtshof äusserte zu einer solchen Bestimmung Zweifel, da es sich offenbar nicht um die allein der Regierung zustehende Ausübung der Verordnungs­ gewalt handele, unverbindliche Empfehlungen einer Behörde aber wohl kaum in das Landesgesetzblatt gehörten. 132 StGH 1977/11, Entscheidung vom 25. April 1978 (nicht veröffentlicht), S. 8. 133 StGH 1978/12, Entscheidung vom 11. Dezember 1978 (nicht veröffentlicht), S. 8. 134 Vgl. etwa Art. 49 Abs. 1, 85 und 86 Abs. 2 der Verfassung; in diesem Sinn Andreas Schurti, Das Verordnungsrecht der Regierung des Fürstentums Liechtenstein, S. 43 f./ Anm. 1. 243
        

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