Gesetze Überprüfung von ausser Kraft getretenen Gesetzen nicht besteht, da ein "stichhaltiger Grund" dafür nicht ausfindig gemacht werden könne.89 Andererseits wird eine Reihe von Gründen genannt, die diese voneinan­ der abweichende Regelung verständlich machen sollen. Danach komme der Bestandeskraft bei Gesetzen wegen ihrer Höherrangigkeit im Stu­ fenbau der Rechtsordnung mehr Gewicht zu als bei Verordnungen oder sei ab dem Ausserkrafttreten eines Gesetzes die Bedeutung einer allfälli­ gen Verfassungswidrigkeit nicht mehr die gleiche wie vor diesem Zeit­ punkt. In bezug auf die Verordnungen wird festgehalten, dass das Ge­ setzgebungsverfahren für die Einhaltung der Verfassungsmässigkeit bes­ sere Kautelen biete als das Erzeugungsverfahren von Verordnungen für deren Gesetzmässigkeit. Schliesslich wird auch der Umstand geltend gemacht, dass in aller Regel für Gesetze eine längere Bestandesdauer angenommen werden könne als für Verordnungen.90 Nach Art. 18 Abs. 2 des noch nicht sanktionierten Staatsgerichtshof- Gesetzes hat der Staatsgerichtshof neu auch bei einem Gesetz oder bei einzelnen Teilen eines Gesetzes, die schon ausser Kraft getreten sind, die Verfassungswidrigkeit festzustellen. Damit soll die gleiche Regelung wie bei ausser Kraft getretenen Verordnungen gelten (Art. 20 Abs. 2). II. Andere Rechtsakte 1. Authentische Interpretation a) Begriff Die authentische Interpretation ist ein Akt der Gesetzgebung. Sie gehört nach Art. 65 Abs. 1 der Verfassung ausdrücklich zum Bereich der Ge­ setzgebung. Der Staatsgerichtshof stellt denn auch unter Bezugnahme 89 So Erwin Melichar, Die Verfassungsgerichtsbarkeit in Österreich, S. 466. Walter Antoni- olli, Probleme der Gesetzesprüfung, S. 228, weist darauf hin, dass auch ausser Kraft ge­ tretene Gesetze in vielen Fällen noch angewendet werden müssten, etwa bei Feststellun­ gen. Dem Verfassungsgerichtshof sei es aber verwehrt, ein solches Gesetz zu überprüfen. Er bezeichnet dies einen "unerträglichen Zustand" und meint, der Gerichtshof müsste die Kompetenz erhalten, auch auszusprechen, dass ein Gesetz verfassungswidrig gewesen sei. 90 Diese Zusammenstellung von Argumenten findet sich bei Herbert Haller, Die Prüfung von Gesetzen, S. 104. 229
        

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