Verfahrensanforderungen der Staatsgerichtshof jederzeit über die Verfassungs- und Gesetzmässig­ keit von Gesetzen und Verordnungen von Amts wegen erkennt, wenn er Bestimmungen in einem bestimmten Fall unmittelbar oder bei Vor- oder Zwischenfragen mittelbar anzuwenden hat, also im Zusammenhang mit einem auf Antrag eingeleiteten Normenkontrollverfahren beziehungs­ weise in einem Verfahren vor dem Staatsgerichtshof selbst,324 in dem er Gesetzesbestimmungen selbst anzuwenden hat.325 In diesem Sinn lässt sich auch der Staatsgerichtshof in StGH 1987/18326 vernehmen. Bestehen gegen Bestimmungen, die in einem Verfahren vor dem Staatsgerichtshof anzuwenden sind, verfassungsrechtliche Beden­ ken, die begründet sein müssen,327 sind sie gemäss Art. 24 Abs. 3 StGHG von Amts wegen in Prüfung zu ziehen.328 In StGH 1972/6 ist die Rede von einer ihm "obliegenden" amtswegigen Prüfung.329 Demzufolge kommt der Staatsgerichtshof in StGH 1993/18 und 19330 nicht umhin, aufgrund von Art. 24 Abs. 3 StGHG zu erwägen, ob Anlass für ein amtswegiges Verfahren zur Prüfung der Verfassungs- beziehungsweise Konventions­ entsprechung der anzuwendenden Bestimmungen des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen331 bestehe, auch wenn eine förm­ liche Anfechtung durch den Obersten Gerichtshof nicht erfolgt sei. 3« So in StGH 1982/65/V, Urteil vom 15. September 1983, LES 1/1984, S. 3 (4). 325 StGH 1981/17, Beschluss vom 10. Februar 1982, LES 1/1983, S. 3 (4), und StGH 1982/37, Urteil vom 1. Dezember 1982, LES 4/1983, S. 112 (113). Vgl. auch schon StGH 1970/2, Entscheidung vom 11. Januar 1971, ELG 1967 bis 1972, S. 256 (258); StGH 1975/7, Entscheidung vom 15. September 1975 (nicht veröffentlicht), S. 7. "<• StGH 1987/18, Urteil vom 2. Mai 1988, LES 4/1988, S. 131 (133). 327 Nach StGH 1993/18 und 19, Urteil vom 16. Dezember 1993, LES 2/1994, S. 54 (58), müssen die Bedenken allerdings "begründet" sein. Er spricht nämlich von "begründe­ ten Bedenken". In StGH 1988/16, Urteil vom 28. April 1989, LES 3/1989, S. 115 (117), und ähnlich auch in StGH 1988/18, Urteil vom 28. April 1989 (nicht veröffentlicht) führt der Staatsgerichtshof als Verwaltungsgerichtshof aus: "Da im verwaltungsgericht­ lichen Verfahren über das Gemeindebürgerrecht gemäss Art. 55 StGHG Verfassungs­ widrigkeit der entscheidungsrelevanten Bestimmung des Artikels 15 lit. b Gemeinde­ gesetz behauptet wird, ist als Vorfrage zu prüfen, ob gegen diese Bestimmung so be­ gründete Bedenken bestehen, dass das Verfahren zu unterbrechen und ein förmliches verfassungsgerichtliches Gesetzesprüfungsverfahren von Amts wegen gemäss Art. 24 Abs. 3 über die anzuwendende Bestimmung einzuleiten ist." Im Unterschied dazu spricht der Staatsgerichtshof in StGH 1993/6, Urteil vom 23. November 1993, LES 2/1994, S. 41 (45), und StGH 1993/15, Urteil vom 16. Dezember 1993, LES 2/1994, S. 52 (53), von "Gründen für die vermutete Verfassungswidrigkeit". 328 Vgl. etwa StGH 1990/10, Urteil vom 22. November 1990, LES 2/1991, S. 40 (42), und StGH 1990/17, Urteil vom 29. Oktober 1991, LES 1/1992, S. 12 (15). 325 StGH 1972/6, Entscheidung vom 26. März 1973, ELG 1973 bis 1978, S. 352 (354). 330 StGH 1993/18 und 19, Urteil vom 16. Dezember 1993, LES 2/1994, S. 54 (58). 331 Gesetz vom 11. November 1992 über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfegesetz), LGB1 1993 Nr. 68, LR 351. 206
        

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