Verfahrensanforderungen cb) Praxis des Staatsgerichtshofes Soweit ersichtlich problematisiert der Staatsgerichtsof das Thema der Aktivlegitimation beziehungsweise der Gerichtseigenschaft der Verwal­ tungsbeschwerdeinstanz erstmals in StGH 1970/4.227 
Er qualifiziert hier die Verwaltungsbeschwerdeinstanz als Gericht im Sinn von Art. 28 StGHG, wobei er auf die richterliche Unabhängigkeit und Unabsetz- barkeit ihrer Mitglieder abstellt (Art. 98 LV). In der Folge setzt der Staatsgerichtshof die Aktivlegitimation der Verwaltungsbeschwerde­ instanz kommentarlos voraus228 oder vermerkt, dass er in ständiger Rechtsprechung die Verwaltungsbeschwerdeinstanz als Gericht aner­ kenne, auch wenn sie in Art. 98 der Verfassung nicht ausdrücklich als solches bezeichnet sei.229 In StGH 1984/l230und 1984/1/V231 hält er die Verwaltungsbeschwerde­ instanz nicht für ein Gericht im Sinn der unter dem Titel der Rechtspfle­ ge aufgeführten Gerichtsbarkeit der Verfassung (Art. 99 bis 103). Er weist auf die verfassungsmässige Funktionszuordnung der Verwaltungsbe­ schwerdeinstanz zur Verwaltung hin und beurteilt sie demnach als ein mit der Garantie der richterlichen Unabhängigkeit ausgestattetes "Verwal­ tungsgericht". Er hebt sie damit von der Rechtspflege und den als Orga­ ne der Justiz benannten "Gerichte" ab. Der Staatsgerichtshof zitiert als Beleg für die Richtigkeit seiner Auffassung den Kommissionsbericht zum Gesetzesentwurf über den Staatsgerichtshof. Dort heisst es: "Die Verwal­ tungsbeschwerdeinstanz hat den Charakter eines besonderen Verwal­ tungsgerichtes. Da gemäss Art. 3 LVG die Mitglieder der Verwaltuhgsbe- schwerdeinstanz unabhängige Richter sind, ist die Verwaltungsbeschwer­ deinstanz als Verwaltungsgericht anzusehen."232 Obwohl der Staatsge­ richtshof die Gerichtseigenschaft der Verwaltungsbeschwerdeinstanz im Sinn der Verfassung in Abrede stellt, anerkennt er in "ständiger Recht­ 227 StGH 1970/4, Entscheidung vom 11. Januar 1971, ELG 1967 bis 1972, S. 263 (264). 228 Vgl. etwa StGH 1977/2, Entscheidung vom 24. Oktober 1977, LES 1981, S. 39 (40). 229 StGH 1980/7, Entscheidung vom 10. November 1980, LES 1982, S. 1 (3). Hier nimmt der Staatsgerichtshof auch Bezug auf Karlheinz Ritter, Die Ausgestaltung der Verwal­ tungsgerichtsbarkeit im Fürstentum Liechtenstein, S. 53 ff. (58). In StGH 1982/39, Beschluss von 1. Dezember 1982 (nicht veröffentlicht), S. 2 f., findet sich lediglich der Satz: "Die Verwaltungsbeschwerdeinstanz ist ein 'Gericht' im Sinne dieser Vorschrift (Art. 28 Abs. 2 StGHG) und insofern antragsberechtigt." 230 StGH 1984/1, Beschluss vom 30. April 1984, LES 2/1985, S. 35 (37). 231 StGH 1984/1/V, Beschluss vom 15. Oktober 1984, LES 2/1985, S. 37 (39). 232 So der Kommissions-Bericht zum Gesetzentwurf über den Staatsgerichtshof von Dr. Wilhelm Beck, S. 1. 180
        

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