Verfassungsgerichtsbarkeit und Verwaltungsgerichtsbarkeit fahren" vor dem Staatsgerichtshof zu eröffnen sei.76 Diese Auffassung vertritt der Staatsgerichtshof auch in seiner neueren Rechtsprechung, wenn er in StGH 1988/1677 und 1988/1878 sich dafür ausspricht, dass die Prüfung von Bestimmungen des Gemeindegesetzes79 beziehungsweise des Gesetzes über den Erwerb und Verlust des Landesbürgerrechtes80 auf ihre Verfassungskonformität als Vorfrage in einem "förmlichen ver­ fassungsgerichtlichen Gesetzesprüfungsverfahren" von Amts wegen ge­ mäss Art. 24 Abs. 3 StGHG einzuleiten sei. Diese Aussage steht im Ein­ klang mit der bisherigen Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes, wo­ nach mit dem Begehren auf Erkennung der Verfassungswidrigkeit einer Gesetzesbestimmung der Staatsgerichtshof nur als Verfassungsgerichts­ hof auf dem Wege der Verfassungsbeschwerde gemäss Art. 23 StGHG und nicht als Verwaltungsgerichtshof und Rechtsmittelinstanz gemäss Art. 55 StGHG mit einer Verwaltungsbeschwerde im Sinn von Art. 90 Abs. 6 LVG angerufen werden könne.81 3. Vorfrageweise Prüfung als Verwaltungsgerichtshof Problematisch wird es, wenn der Staatsgerichtshof die vorfrageweise Prüfung als Verwaltungsgerichtshof im verwaltungsgerichtlichen Ver­ fahren vornimmt und zum Ergebnis kommt, von einem amtswegigen förmlichen Gesetzesprüfungsverfahren abzusehen, wenn die "Vorfra­ 76 StGH 1977/5, Entscheidung vom 25. April 1978 (nicht veröffentlicht), S. 3 f., i. V. m. StGH 1977/11, Entscheidung vom 25. April 1978 (nicht veröffentlicht), S. 5 f. Im Ver­ fahren StGH 1977/5 wegen "Nichtgewährung verfassungsmässig gewährleisteter Rechte" stellte die Frage der Verfassungs- und Gesetzmässigkeit der Verordnung über die Güterzusammenlegung eine Vorfrage dar. Der Staatsgerichtshof verfügte deshalb in seiner Sitzung vom 24. Oktober 1977, das Verfahren zur Abklärung der Verfassungs­ mässigkeit der Verordnung über die Güterzusammenlegung zu unterbrechen und eröff­ nete ein neues Verfahren StGH 1977/11, in dem er aufgrund amtswegiger Prüfung die Verordnung über die Güterzusammenlegung als verfassungswidrig aufhob. 77 StGH 1988/16, Urteil vom 28. April 1989 als Verwaltungsgerichtshof, LES 3/1989, S. 115(117). 78 StGH 1988/18, Urteil vom 28. April 1989 als Verwaltungsgerichtshof (nicht veröffent­ licht), S. 9 ff.; vgl. auch StGH 1994/13, Urteil vom 22. Juni 1995 als Verfassungsge­ richtshof, LES 4/1995, S. 118 (121), wo der Staatsgerichtshof festhält, dass er als Verfas­ sungsgericht gesondert vom verwaltungsgerichtlichen Rechtsmittelverfahren über die Verfassungsmässigkeit von Gesetzen zu entscheiden habe. 79 Hier Art. 15 Bst. b des Gemeindegesetzes, LGB1 1960 Nr. 2. 80 LGB1 1960 Nr. 23 in der geltenden Fassung. 81 So ausdrücklich StGH 1980/6, Entscheidung vom 24. Oktober 1980 als Verwaltungsge­ richtshof, LES 1982, S. 1. 137
        

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