Einige historische Notizen 
zu den Anfängen der Vaduzer Ortskirchgemeinde 
A. Die alten kirchlichen Verhältnisse 
1) Mutterpfarrei Schaan - Eigenkirche St. Florin 
Vaduz gehörte kirchlich seit alters her zur Urpfarrei Schaan. Es finden sich in Vaduz vor dem 
19. Jahrhundert keine Spuren einer Sprengelbildung oder einer eigenen seelsorgerlichen 
Betreuung. 
Urkundlich wird St. Florin in Vaduz erstmals in einem um 1375 angelegten Güterverzeichnis 
des Domkapitels Chur erwähnt. Die Gründung der Kapelle ist jedoch viel früher im 10. Jahr- 
hundert als Eigenkirche eines Herrenhofes zu vermuten. Im 14. Jahrhundert ist St. Florin als 
reine Herrschaftskapelle für das gräfliche Haus und dessen Bedienstete belegt. Sie ist völlig 
unabhängig von den Pfarreien Schaan und Triesen. Der stark eigenkirchliche Charakter der 
Florinskapelle und der Befund der jüngsten archäologischen Untersuchungen bestärken die 
Annahme einer Gründung in frühmittelalterlicher Zeit. Die Kapelle ist bis ins 17. Jahrhundert 
Grablegestätte der Landesherren. 
2) Herrschaftliche Kaplaneipfrundstiftungen 
Im Spätmittelalter finden wir in der St. Florinskapelle drei Kaplaneien, Pfrundstiftungen der 
Landesherren. Das Stiftungsdatum der ersten Pfründe, der Kaplanei am St. Florinsaltar, ist 
nicht bekannt. Sie gehörte weder zur Pfarrei Schaan noch zur Pfarrei Triesen. Dies geht aus 
der Stiftungsurkunde für die zweite Kaplaneipfründe von 1395 klar hervor. 
Die Pfrundinhaber waren einfache Messpriester ohne Seelsorgspflichten. Sie hatten lediglich 
in der Kapelle für die Stifter und deren Bedienstete Gottesdienst zu halten. Es ist gut denk- 
bar, dass die Pfründe am St. Florinsaltar, auch obere Hofkaplanei genannt, im Zusammen- 
hang mit der Erbteilung im Hause Werdenberg-Sargans und der Entstehung der selbständi- 
gen Grafschaft Vaduz 1342 besser ausgestattet wurde. Vaduz erlangte damals als Sitz einer 
eigenen gräflichen Verwaltung größere Bedeutung. Der 1354 verstorbene Begründer der 
Vaduzer Linie der Grafen von Werdenberg wurde in der Florinskapelle begraben. 
Die zweite Kaplaneipfründe am Marienaltar wurde 1395 von Graf Heinrich von Werdenberg- 
Sargans zu Vaduz gestiftet. Wie es gemäß „alter Übung“ auch bei der St. Florinspfründe der 
Fall war, beanspruchte der Stifter für sich und seine Nachfolger das Recht, dem Dompropst 
von Chur einen geeigneten Priester zu präsentieren. Der Kaplan dieser Pfründe war ver- 
pflichtet, Gottesdienste für die Familie des Stifters und dessen Vorfahren und Nachkommen 
zu halten. In die geistlichen Opfer und Gaben für Gottesdienste hatte sich der Kaplan am 
Marienaltar mit dem Kaplan des ersten Altars zu teilen. 
Zur Ausstattung der zweiten Kaplaneipfründe gehörten neben verschiedenen Zehnt- und 
Zinseinkommen jährlich vier Saum (= ca. 820 Liter) Wein aus dem herrschaftlichen Bock- 
wingert in Vaduz. 
Die dritte Kaplaneipfründe am Katharinenaltar stifteten 1476 die Brüder Wolfhart VI., Sig- 
mund und Ulrich von Brandis. Das Einkommen dieser Pfründe, bestehend aus einem Drittel 
des Weinzehnts in Vaduz und verschiedenen Zinsen, wurde etwas hóher geschátzt als das 
der zweiten Kaplanei. Bis ins 17. Jahrhundert wirkten fortan drei Kaplàne nebeneinander an 
der Florinskapelle. 
Um die Jahrhundertmitte wurden die Pfründen der beiden Nebenaltàre zur unteren Hofka- 
planei zusammengelegt. Die Bezeichnung ,obere" und ,untere Hofkaplanei" bezieht sich ei- 
nerseits auf die Lage der Altàre in der Kapelle, andererseits auf die Lage der Pfrundhauser 
der beiden Kaplaneien. 
  
 
        

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