Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
25
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000082729/99/
Die Vorstellungen der Anrainer Die Vorstellungen der Anrainer: wirtschaftlicher Erfolg Das erkennbare Wohlstandsgefälle zwischen Liechtenstein und Vorarl­ berg, das sich bei den Bewegungen der Pendler und bei den auswärtigen Arbeitskräften mit auswirkt, macht sich auch im Image des Fürstentums bei den Österreichern im westlichsten Bundesland stark bemerkbar: Sie nehmen die wirtschaftlichen Erfolge Liechtensteins sehr genau zur Kenntnis. So erklären drei Viertel der Vorarlberger, die Liechtensteiner seien reiche Leute. 58 Prozent denken, dass Liechtenstein viel Industrie hat. Vor 19 Jahren machte gerade erst ein Viertel diese Beobachtung. Eine leistungsfähige Wirtschaft assoziieren heute sogar 85 Prozent mit dem Fürstentum. Die Möglichkeit zu seriösen Geldanlagen bei den liechtensteinischen Nachbarn sehen fast zwei Drittel (Tabelle 38). Dass dieser wirtschaftliche Erfolg nicht von selbst kommt, erkennen die Vorarlberger durchaus an: Drei Viertel von ihnen sehen die Liechten­ steiner heute als fleissiges und tüchtiges Volk. 1977 zollte noch kaum die Hälfte von ihnen den westlichen Nachbarn diesen Respekt. Dennoch bleibt die Beobachtung des fremden Wohlstands nicht ganz ohne eine Spur von Neid: 27 Prozent erklären, dass die Liechtensteiner "benei­ denswerte Menschen" seien. Auch wenn diese Aussage für viele bloss eine Floskel für angenehme Lebensumstände ist und nicht unbedingt eine Bekundung eigenen Neides, so muss man hier - angesichts der so­ zialen Unerwünschtheit des Eingeständnisses von Neid, das im Inter­ view meist nur über die unpersönliche Kategorie des "Beneidenswerten" erkennbar wird - doch ein Neid-Potential voraussetzen. Ein ebenso grosser Prozentsatz möglicher Neider findet sich auch in den deutschen Nachbargebieten: Dort nehmen die Befragten den wirt­ schaftlichen Aufschwung des Fürstentums und die Tüchtigkeit seiner Bewohner jedoch kaum zur Kenntnis. Nicht einmal ein Viertel der Deutschen im Bodensee-Umkreis denkt an eine leistungsfähige Wirt­ schaft, wenn es von Liechtenstein hört. Für die hier Lebenden hat der von fast 40 Prozent bemerkte Wohlstand der Liechtensteiner eher mit der Steuerflucht in das Fürstentum und mit den sogenannten Brief­ kastenfirmen zu tun. Den Schweizern zwischen Rorschach und Davos kommt es dagegen kaum in den Sinn, die Liechtensteiner zu beneiden. Deren Wohlstand wird - ganz anders als in Vorarlberg und als im etwa gleich grossen und gleich entfernten deutschen Untersuchungsgebiet - auch nur von einem 101
        

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