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ausgeteilt*’. Zeitlich etwas später setzten Grundentlastung und Bau- 
ernbefreiung ein°“. 
Mit der beträchtlichen Vergrôsserung des privat genutzten Landwirt- 
schaftsbodens und dem Wegfall der mannigfaltigen Feudallasten*°° war nun der 
Weg zu einer freien und ungehinderten intensiven Bodennutzung geôffnet. In 
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Landwirtschaft lediglich 
noch in ihrer Technik verbessert. Neue Erkenntnisse der Forschung hinsichtlich 
Pflanzenanbau, Sortenwahl, Düngung, Tierzucht usw. wurden übernommen, die 
ersten Landmaschinen eingesetzt und die Bodenmelioration weitergeführt*"°. 
3. Der Zollanschluss an Osterreich (1852) 
Ausser der Landwirtschaft boten andere Wirtschaftszweige nur geringe Ver- 
dienstmóglichkeiten??'. Industriebetriebe existierten keine. Handwerker und 
Gewerbsleute fanden im Inland bei der in bescheidenen Verháltnissen lebenden 
Bevölkerung kaum Abnehmer für ihre Produkte und Dienstleistungen??. Der 
Zugang zu den auslündischen Márkten war durch Zoll- und Handelsschranken 
verwehrt. Versuche der Obrigkeit, Handel und Gewerbe zu fórdern, mussten 
zwangsláufig scheitern, solange das Land zoll- und handelspolitisch isoliert 
war. Die Bildung von Gewerbe und Industrie, die für die wachsende Bevólke- 
rung so dringend benótigte Arbeitsplátze hátte bringen kónnen, war verunmóg- 
licht. Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert ist deshalb eine immer stárker 
werdende saisonmássige Auswanderung festzustellen??. 
Aus dieser schwierigen Lage gab es für das kleine Land nur einen Ausweg: 
Anschluss an einen grósseren Wirtschaftsraum. Eine Mitgliedschaft Liechten- 
steins im 1833 gegründeten deutschen Zollverein war nicht realisierbar, da 
Ósterreich ausserhalb dieser Zollvereinigung geblieben war?^. Eine Óffnung 
nach der Schweiz, wo mit der Bundesverfassung von 1848 ein einheitliches 
schweizerisches Zollgebiet geschaffen worden war??, wurde zu diesem Zeit- 
  
367 Vgl. A. OSPELT, Wirtschaftsgeschichte, S. 114 ff. 
368 Ebenda, S. 126 ff. 
39 GEIGER, S. 33 ff. 
370 A OSPELT, Wirtschaftsgeschichte, S. 158. 
371 Bbenda, S. 227. Vgl. auch J. BÜCHEL I, S. 237 ff. 
372 Landvogt JOSEPH SCHUPPLER sah darin den "Grund, dass die hierländigen Professionisten nur 
bei der oberflächlichen nothwendigsten Kenntnissen stehen bleiben, und sich keineswegs 
durch Wandern, oder Arbeiten in besseren Werkstätten zu ordentlichen Meistern qualifizie- 
ren. Sie sind im eigentlichen Sinne nur Pfuscher, und können blos wegen Mangel an Arbeit 
nicht einmahl Lehrjungen aufnehmen." (in: A. OSPELT, Landesbeschreibung Schuppler, S. 
239 f.). 
33 A. OSPELT, Wirtschaftsgeschichte, S. 48 f. 
374 Liechtenstein war nämlich durch Osterreich von den Zollvereinsstaaten geographisch abge- 
schnitten. 
375 Dazu His III, S. 590 f. 
 
        

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