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händerbewilligung hatte, jedoch nicht als Geschäftsführer einer juristischen 
Person tätig war, könne auch in Zukunft (ohne Treuhänderprüfung) nur als 
individueller Treuhänder tätig sein!®, Dies steht offensichtlich im Widerspruch 
mit den sonstigen Ausführungen des StGH, wonach die Zielsetzung der Treu- 
händerprüfung darin liege, möglicherweise unqualifizierte Personen von der 
Treuhändertätigkeit fernzuhalten und allfällige besitzstandswahrende Ausnah- 
meregelungen für alle Treuhänder des alten Rechts gleichermassen gelten soll- 
ten. Unvereinbar ist diese Differenzierung auch mit der wenige Jahre später ge- 
troffenen Entscheidung, wo der StGH den Ausschluss juristischer Personen vom 
Gewerbe der Dienst- und Stellenvermittler "als nicht erforderlich und damit 
unverhältnismässig" taxierte. Das Verbot sich als juristische Person zu organi- 
sieren, ist kaum geeignet, das Publikum vor unqualifizierten Treuhändern zu 
schützen. Zu diesem Zweck müsste vielmehr allen Treuhändern des alten 
Rechts untersagt werden, in irgendeiner Form eine Treuhändertätigkeit auszu- 
üben, so dass sie nur bei erfolgreicher Ablegung der Treuhänderprüfung ihre 
Tätigkeit fortsetzen könnten. Denn nur das bietet Gewähr für das Vorhanden- 
sein der notwendigen fachlichen Qualifikationen. Wird indes mit Rücksicht auf 
den Besitzstand der alteingesessenen Treuhänder davon abgesehen, so geht es 
nicht an, jene Treuhänder des alten Rechts von der Ausnahmeregelung auszu- 
nehmen, die bisher noch nicht bei einer juristischen Person tätig waren. Damit 
würde unmittelbaren Konkurrenten ein Konkurrenznachteil zugefügt, was für 
den konkreten Fall sachlich nicht zu rechtfertigende Verzerrungen im wirt- 
schaftlichen Wettbewerb zur Folge hátte!?. 
  
132 S. 43 E. 10 des Entscheids. 
133 Im Gesetz vom 9. Dezember 1992 über die Treuhänder (LGBI. 1993 Nr. 42, LR 173.320) 
wiederholte der Gesetzgeber den Fehler, den er rund 13 Jahre zuvor anlässlich der Einführung 
der Treuhänderprüfung gemacht hatte. Art. 54 des Gesetzes bestimmte, dass alle bisher er- 
teilten Bewilligungen aufrecht bleiben. Treuhänder ohne Treuhänderprüfung hatten demnach 
nur dann Anspruch auf Erteilung einer (neuen) Geschäftsführungsbewilligung, wenn sie die 
Treuhänderprüfung nachholten. Eine solche Benachteiligung einer bestimmten Gruppe von 
Treuhändern war sachlich nicht zu rechtfertigen. Die Bewilligung zur Ausübung des Treu- 
händerberufes schliesst die organisatorische Freiheit mit ein, so dass der einzelne frei darüber 
entscheiden kann, ob er seine Treuhändertätigkeit persönlich oder als Geschäftsführer einer 
juristischen Person ausüben möchte. Unverständlich erschien in diesem Zusammenhang auch 
Art. 56 des Gesetzes, wonach sämtliche Rechtsanwälte (diese benötigten bisher zur Erlangung 
der Treuhänderbewilligung nicht die Treuhänderprüfung) und Rechtsagenten im Gegensatz 
zu Treuhändern ohne Treuhänderprüfung weiterhin befugt sein sollten, die Tätigkeit eines 
verantwortlichen Geschäftsführers einer Treuhandgesellschaft auszuüben. Der Gesetzgeber 
hat zwischenzeitlich das Treuhändergesetz dahingehend abgeändert und ergänzt, dass nun 
auch natürliche Personen, die bei Inkrafttreten des Gesetzes im Besitz einer Treuhänderbe- 
willigung waren bzw. Geschäftsführer einer Treuhandgesellschaft waren und die Erfordernis- 
se gemäss dem Gesetz vom 29. April 1987, LGBI. 1987 Nr. 29, erfüllt haben, weiterhin be- 
fugt sein sollen, als verantwortliche Geschäftsführer in höchstens zwei juristischen Personen 
tätig zu sein (vgl. Gesetz vom 14. September 1994 betreffend die Abänderung des Gesetzes 
über die Treuhänder, LGBI. 1994 Nr. 66). 
 
        

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