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den vom Gesetz bestimmten Fällen und in der durch das Gesetz bestimmten Art 
und Weise weder jemand verhaftet noch in Haft behalten werden darf, und dass 
ungesetzlich oder erwiesenermassen unschuldig Verhaftete und unschuldig 
Verurteilte einen Anspruch auf volle vom Staat zu leistende, gerichtlich zu 
bestimmende Entschädigung haben. Entsprechend dieser Konkretisierungen 
wurde die persönliche Freiheit lange Zeit traditionell eng verstanden als Garan- 
tie der kórperlichen Unversehrtheit und der Bewegungsfreiheit?. Im Jahre 1977 
erstreckte der StGH den Schutzbereich der persónlichen Freiheit auch auf die 
psychische Freiheit, indem er mit wortloser Selbstversténdlichkeit erklérte, Art. 
32 Abs. 1 LV gewáhrleiste "zunáchst vor allem die persönliche Freiheit im 
Sinne der körperlichen Integrität, der Bewegungsfreiheit, gewisser minimaler 
rechtsstaatlicher Garantien und eines Anspruches auf Persónlichkeitsentfal- 
tung"^. Ob der Gerichtshof mit diesem dictum der schópferischen Rechtspre- 
chung des schweizerischen Bundesgerichts^! gefolgt ist, die persónliche Freiheit 
nun also auf alle Freiheiten bezieht, die elementare Erscheinungen der Persón- 
lichkeitsentfaltung des Menschen darstellen?, oder ob er die persónliche Frei- 
heit sogar in eine allgemeine Handlungsfreiheit uminterpretiert wissen will?, ist 
fraglich. Das historische Empfinden, das österreichische Vorbild*, die enge 
textliche Fassung und nicht zuletzt die Eigenart der Grundrechte als punktuelle 
Gewährleistungen der Freiheit besonders wichtiger oder gefährdeter Lebensbe- 
reiche sprechen eher für die erste Variante. 
Das Verhältnis zwischen der persönlichen Freiheit und der HGF ist weitge- 
hend ungeklärt. In der Schweiz wird die persönliche Freiheit als beschränkte 
Auffangfreiheit angesehen ^. Sie tritt zurück, wenn gleichzeitig ein anderes 
Freiheitsrecht anwendbar ist, weil dann der in Frage stehende Freiheitsgehalt 
thematisch durch das spezielle Freiheitsrecht abgedeckt wird. Raum für die 
effektive Anwendung der persónlichen Freiheit bleibt nur dort, wo elementare 
Erscheinungen der menschlichen Persónlichkeitsentfaltung thematisch von 
keinem anderen Freiheitsrecht erfasst werden. Damit erhält die persönliche 
  
39 Vgl. KIEBER, Grundrechte, S. 123: "Der Inhalt der Freiheit der Person ist der Schutz gegen 
willkürliche Verhaftung oder Fortsetzung einer verhängten Haft. Er bezieht sich also allein 
auf die körperliche Integrität". Ähnlich VEITER, S. 116. Vgl. auch MARIE-THERES FRICK, Per- 
sönlichkeitsrechte, Rechtsvergleichende Studie über den Stand des Persönlichkeitsschutzes in 
Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein, Wien (Diss. Innsbruck) 1991, S. 259 
f 
^9 E StGH 1977/2 vom 24.10.1977, in: LES 1981, S. 41; bestátigt in E StGH 1987/3 vom 
09.11.1987, in: LES 1988, S. 53 E. 10. 
^! Dazu vor allem J.P. MÜLLER, Grundrechte, S. 6 ff.; vgl. auch die Kritik bei HANS HUBER, Die 
persónliche Freiheit, in: SJZ 1973, S. 113 ff. 
#2 n diese Richtung HOFLING, Grundrechtsordnung, S. 110 ff.; G. BATLINER, Rechtsordnung, S. 
121 f. mit Fn. 59. 
5 So wie etwa Art. 2 Abs. 1 des deutschen Grundgesetzes durch das Bundesverfassungsgericht 
gedeutet wird; vgl. HESSE, Rz. 425 ff. 
^ — Art. 8 StGG. 
^5  HANGARTNER, Staatsrecht II, S. 68, 90 und 95 f.; ROHRER, S. 76 ff. 
 
        

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