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IV. Die Intensität 
Welche Wirkung die Grundrechte in der Privatrechtsordnung genau entfalten, 
ist nur schwer zu eruieren. Immerhin ist als Richtschnur allgemein anerkannt, 
dass die Ausstrahlungswirkung umso intensiver ist, je mehr es um den Schutz 
personaler Freiheit gegenüber wirtschaftlicher und sozialer Macht geht'?". An- 
haltspunkte sind sonach die Schwere der Grundrechtsbeeintráchtigung, die 
Personennáhe der betroffenen Grundrechtsposition sowie das Ausmass privater 
Machtausübung. 
JORG PAUL MULLER schligt vor, die verschiedenen Teilgehalte der Grund- 
rechte? für das Problem der Drittwirkung fruchtbar zu machen: Schwerge- 
wichtig sei das Problem der Drittwirkung im programmatischen Teilgehalt 
angesiedelt. Es gehe "um die noch weit offene Aufgabe der Grundrechtsver- 
wirklichung im gesamten gesellschaftlichen Raum". Die grundrechtskonforme 
Auslegung privatrechtlicher Gesetze entspreche weitgehend der flankierenden 
Funktion der Grundrechte. Eine anspruchsbegriindende Wirkung komme den 
Grundrechten im Privatrechtsverkehr nur in Ausnahmefällen zu'*°. In Anleh- 
nung an diese Differenzierung wäre es meines Erachtens sinnvoll, von pro- 
grammatischer (oder objektivrechtlicher) und anspruchsbegründender (oder 
subjektivrechtlicher) Drittwirkung zu sprechen. Diese Terminologie würde die 
Intensität der Drittwirkung jedenfalls besser beschreiben als das Begriffspaar 
Mittelbarkeit und Unmittelbarkeit. 
V. Art. 36 LV im besonderen 
Ob und inwieweit die HGF auf die Rechtsbeziehungen der Bürger untereinan- 
der anwendbar ist, ist durch Auslegung des Art. 36 LV festzustellen. 
1. Geschichtliches 
Die Erwerbsfreiheit nach $ 133 Abs. 1 der Frankfurter Reichsverfassung, wel- 
che auch im Fürstentum Liechtenstéin für kurze Zeit rechtliche Wirksamkeit 
erlangte'^, war nicht nur als Abwehrrecht gegenüber dem Staat gedacht, son- 
dern zielte auch auf eine weitgehende Beseitigung des Systems administrativer 
Konzessionierung'^'. Die so verstandene Erwerbsfreiheit hatte nicht bloss eine 
  
137 Stellvertretend RÜFNER, Grundrechtsadressaten, Rz. 78; SALADIN, S. 320; JARASS/PIEROTH, 
Rz. 22 ad Art. | Abs. 3; HESSE, Rz. 357. 
Dazu schon vorne $ 7 III 4. 
Vgl. J.P. MÜLLER, Elemente, S. 87. 
140 Siehe vorne $ 2 II 2b/c. 
141 Vgl J.D. KOHNE, S. 231 f. 
138 
139 
 
        

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