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verbessern???, Man kann sich im übrigen auch fragen, ob der "Landesangehóri- 
gen"-Vorbehalt nicht schlechterdings zum Wesen der Inlándergrundrechte ge- 
hórt. 
Um festzustellen, ob eine privatrechtliche juristische Person "inländisch" 
ist, werden in den einzelnen Staaten der Welt drei Theorien vertreten??. Nach 
der in Kontinentaleuropa dominierenden Sitztheorie ist massgebend, dass der 
effektive Hauptverwaltungssitz (nicht der in der Satzung genannte Sitz) im 
Inland liegt. Die Gründungstheorie stellt darauf ab, ob die juristische Person 
nach dem Recht des betreffenden Staates gegründet wurde. Nach der Kontroll- 
oder Einflusstheorie kommt es auf die Staatsangehörigkeit jener Personengrup- 
pen an, die den entscheidenden Einfluss auf die Geschäfte der juristischen Per- 
son besitzen. Das liechtensteinische internationale Privatrecht vertrat bis vor 
kurzem die Sitztheorie?? und neuerdings die Gründungs- bzw. Inkorporation- 
stheorie*#. 
Welche Theorie hinsichtlich der Frage der Grundrechtsberechtigung juristi- 
scher Personen heranzuziehen ist, kann nur durch Interpretation der Grund- 
rechte selbst entschieden werden**!. Für die Sitztheorie spricht insbesondere das 
Argument des gesteigerten Subjektionsverháltnisses??. Eine juristische Person, 
die ihr tatsáchliches Aktionszentrum im Fürstentum hat, ist voll der liechten- 
steinischen Rechtsordnung unterworfen und kann von der liechtensteinischen 
Staatsgewalt umfassend kontrolliert werden, selbst wenn sie die Tochtergesell- 
schaft eines ausländischen Konzerns ist. Die in Liechtenstein domizilierte juri- 
stische Person ist daher grundrechtlich schutzwürdig. Durch die Anknüpfung an 
den effektiven Verwaltungsmittelpunkt entsteht allerdings das "merkwürdige'?* 
Ergebnis, dass eine in Liechtenstein ansássige juristische Person, an der aus- 
schliesslich Auslànder beteiligt sind, die HGF anrufen kann, und dass umge- 
kehrt eine von Liechtensteinern beherrschte juristische Person mit Sitz im Aus- 
land dieses Recht nicht beanspruchen kann. In diesen Fällen ist ergänzend auf 
Überlegungen der Kontrolltheorie abzustellen. Das Kontrollprinzip "zerreist 
den Schleier der juristischen Person'?^, lásst hinter das juristische Gebilde 
blicken und führt so zu "gerechten"? Lösungen. Seiner allgemeinen Anerken- 
nung steht jedoch ein Manko an Rechtssicherheit und Praktikabilität entge- 
  
337 Für Deutschland: STERN, Staatsrecht III/1, S. 1136; PIEROTH/SCHUINK, Rz. 178. 
338 Vel. STERN, Staatsrecht III/1, S. 1138 f.; VERDROSS/SIMMA, 8 1204. 
339 Vgl. Art. 232 ff. altPGR (dazu: GUIDO MEIER, Grundstatut und Sonderanknüpfung im IPR 
des liechtensteinischen Gesellschaftsrechts, Basel/Stuttgart 1979, S. 65 ff.). 
340 Gesetz vom 30. Oktober 1996 über die Abänderung des Personen- und Gesellschaftsrechts, 
LGBI. 1997 Nr. 19. 
Ebenso BLECKMANN, S. 144. 
Dazu etwa RÜFNER, Grundrechtstráger, Rz. 60. 
BLECKMANN, S. 147. 
IGNAZ SEIDL-HOHENVELDERN, Vólkerrecht, 7. Auflage, Kóln 1992, Rz. 1346. 
3  Ebenda. 
341 
342 
343 
344 
 
        

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