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wirtschaftlich tätig sein will. Für den Arbeitnehmer bedeutet die HGF ins- 
besondere die freie Berufs- und ArbeitsplatzwahP*". 
4. Unmündige und Entmündigte 
Es ist unbestritten?$, dass die Grundrechtsfühigkeit, d.h. die Fähigkeit, Träger 
von Grundrechten zu sein, spátestens mit der Geburt beginnt??. Dies entspricht 
der Natur der Grundrechte als "angeborene" Rechte??. Demnach ist jedermann, 
auch der Unmündige und Entmündigte, im Prinzip grundrechtsfáhig. Zwar kann 
der Sáugling oder das Kleinkind die HGF nicht in der Weise wahrnehmen, dass 
das Kind selbst wirtschaftlich tátig wird, wohl aber in der Weise, dass auf sei- 
nem Namen ein Unternehmen geführt wird?!. 
Von der Innehabung oder Trägerschaft der Grundrechte ist die Fähigkeit zu 
unterscheiden, die Grundrechte selbständig (und damit unter Umständen auch 
gegen den Willen des gesetzlichen Vertreters) auszuüben. Nicht anders als bei 
privaten Rechten ist hierfür ein geistig-physisches Handlungs- und Erkenntnis- 
vermögen notwendig. Dieses Erfordernis "ist- nicht allein ein Gebot der 
menschlichen Natur, sondern auch der Rechtssicherheit und der Schutzver- 
pflichtung gegenüber dem Schwächeren"?”?, Da diese Problematik hauptsäch- 
lich bei Minderjährigen auftaucht, hat sich in der Praxis der Begriff der Grund- 
rechtsmündigkeit eingebürgert??. Nach KLAUS STERN ist dieser Begriff jedoch 
"missverstándlich"; von der Grundrechtsberechtigung sei sinnvollerweise "eine 
besondere Grundrechtswahrnehmungs- oder Grundrechtsausübungsfühigkeit 
abzuheben'?^, Wann der nótige Reifegrad gegeben ist, um Grundrechte selb- 
stándig wahrzunehmen, muss aus dem jeweiligen Grundrecht erschlossen wer- 
den. Eine Anknüpfung an die allgemeinen Regeln über die Gescháftsfihigkeit 
(Art. 10 ff. PGR) ist namentlich für die HGF angezeigt, zumal praktisch bei 
jeder Betätigung im Berufs- und Arbeitsleben Rechtsgeschäfte erforderlich 
sind. Dabei soll hier nicht einer Auslegung des Verfassungsrechts aus einfa- 
chem Recht das Wort geredet werden; im Vordergrund steht vielmehr die 
Überlegung, dass der Gesetzgeber in den Vorschriften über die Geschäftsfähig- 
  
267 Vgl. für die Schweiz: GYGI, S. 41; SALADIN, S. 278 und 408 f. 
268 Statt vieler BLECKMANN, S. 417; betreffend die schweizerische HGF: RHINOW, Art. 31, Rz. 
95 (mit weiteren Hinweisen). 
269 wel. auch die parallele Regelung im Privatrecht (Art. 9 PGR und $ 16 erster Satz ABGB). 
Zum Beginn und Ende der Grundrechtsfáhigkeit vgl. vor allem RÜFNER, Grundrechtstráger, 
Rz. 17 ff. 
HANGARTNER, Staatsrecht II, S. 36. 
271 ROFNER, Grundrechtstráger, Rz. 20. 
772. STERN, Staatsrecht III/1, S. 1068. 
Stellvertretend für viele HAFELIN/HALLER, Rz. 1120. 
Vgl. STERN, Staatsrecht III/1, S. 1065 f.
        

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