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2. Der Verfassungskontext 
Die prinzipielle Beschränkung der Grundrechtsträgerschaft auf Staatsangehöri- 
ge kommt im Gesamtkontext der Verfassung deutlich zum Ausdruck. Der Ver- 
fassungsgeber vermeidet Begriffe wie "Grundrechte" oder "Menschenrechte", 
spricht stattdessen von Landesangehörigenrechten, von staatsbürgerlichen 
Rechten und von verfassungsmässig gewährleisteten Rechten!”’. Eine Untertei- 
lung zwischen Menschen- und Bürgerrechten ist der liechtensteinischen Verfas- 
sung folglich fremd. 
Das IV. Hauptstück der Landesverfassung trägt die Überschrift "Von den 
allgemeinen Rechten und Pflichten der Landesangehórigen", bezeichnet also 
nur die Liechtensteiner als Grundrechtsträger. Ahnlich erklärt auch Art. 29 LV, 
dass die "staatsbürgerlichen Rechte" nach Massgabe der Verfassung nur den 
"Landesangehórigen" zustehen. Die einzelnen Grundrechtsbestimmungen ma- 
chen mehrheitlich keine Aussagen über den Berechtigtenkreis. Die Annahme, 
dass in diesen Fállen stillschweigend auf den Titel des IV. Hauptstückes und auf 
Art. 29 LV verwiesen ist, liegt nahe, umso mehr als die "Rechte der Ausländer" 
in Art. 31 Abs. 3 LV ausdrücklich geregelt werden"*. Weitere Belege für die 
nationale Ausrichtung des Grundrechtskatalogs finden sich in Art. 31 Abs. 1 LV 
(allgemeiner Gleichheitssatz) sowie in Art. 43 LV (Recht der Beschwerdefüh- 
rung), die als Berechtigten nur den "Landesangehórigen" nennen. Insgesamt 
kann festgehalten werden, dass der Grundrechtskatalog der liechtensteinischen 
Verfassung sich vorzugsweise auf das Verháltnis des Staates zu seinen Bürgern 
und damit auf die engere politische Gemeinschaft bezieht. 
Die liechtensteinische Staatsangehórigkeit und ihr Erwerb wird von der 
Verfassung nicht weiter geregelt. Massgebend ist insoweit das Bürgerrechtsge- 
setz (BüG)'?. Nach § 2 BiG ist das Gemeindebiirgerrecht notwendig mit dem 
Landesbürgerrecht verbunden. $ 4 BüG geht von einem modifizierten Abstam- 
mungsgrundsatz (ius sanguinis) aus: Das Landesbürgerrecht ist ehelich gebore- 
nen Kindern durch Geburt eigen, wenn der Vater oder die Mutter liechten- 
steinische Landesbürger sind. Unehelich geborenen Kindern ist das Landesbür- 
gerrecht durch Geburt eigen, wenn die Mutter liechtensteinische Landesbürge- 
rin ist. Ausländische uneheliche Kinder eines liechtensteinischen Vaters kónnen 
gemáss $ 5b BüG einen Antrag auf Aufnahme in das Landesbürgerrecht und in 
das Gemeindebürgerrecht ihres Vaters stellen. Weitere wichtige Erwerbsgründe 
  
7 Vgl. Überschrift zum IV. Hauptstück, Art. 29 und Art. 104 Abs. 1 der Verfassung. 
178 Vgl. auch Art. 28 Abs. 2 LV (Niederlassungsrechte der Ausländer). 
179 Gesetz vom 4. Januar 1934 über den Erwerb und Verlust des Landesbürgerrechtes in der 
Fassung des Gesetzes vom 2. November 1960, LGBl. 1960 Nr. 23, LR 151.0. 
 
        

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