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währt. Liechtenstein hat in seiner Verpflichtungsliste grundsätzlich den beste- 
henden Zugang zum Inlandmarkt gebunden, so dass in den meisten Fállen keine 
Rechtsanpassungen notwendig waren. Bei den um die Jahrtausendwende anste- 
henden Verhandlungen kónnte es für das Fürstentum Liechtenstein interessant 
sein, in Verhandlungen über den Finanzdienstleistungsbereich einzutreten, um 
sich einen möglichst freien Zugang zu wichtigen Märkten (so z.B. im Versiche- 
rungs- und Bankensektor) zu sichern. 
II. Von der EFTA zum EWR 
Liechtenstein gehört zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern der EFTA, der 
"European Free Trade Association", war aber wegen der bestehenden Zollunion 
mit der Schweiz von Anfang an über ein Zusatzprotokoll!®® an der EFTA betei- 
ligt. Nachdem das Fürstentum Liechtenstein am 1. September 1991 die selb- 
ständige Mitgliedschaft verwirklicht hatte, konnte es in den Verhandlungen zum 
Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) als eigenständiger 
und gleichberechtigter Partner auftreten, um dann schliesslich ab dem 1. Mai 
1995 am EWR teilzunehmen'”. 
Das EWR-Abkommen verpflichtet die EFTA-Vertragsstaaten zur Über- 
nahme des relevanten Gemeinschaftsrechts (Acquis communautaire). Um dieser 
Verpflichtung nachzukommen, musste und muss Liechtenstein eine Vielzahl 
von Verordnungen, Richtlinien, Beschlüssen und sonstigen Rechtsakten der EU 
in das nationale Recht transformieren und, wo erforderlich, das bestehende 
innerstaatliche Recht an die Vorgaben des Acquis anpassen®®. Dieser Umstand 
hat zu einer wahren Flut von Landesgesetzbláttern geführt??!, wodurch der Um- 
fang der einzelnen Jahrgánge des liechtensteinischen Landesgesetzblatts erheb- 
lich angestiegen ist. 
Trotz der geforderten Rechtsharmonisierung nimmt das EWR-Abkommen 
mit seinen Protokollen und Anhángen Rücksicht auf nationale Sondersituatio- 
nen. Für bestimmte sensible Bereiche wurde ein sehr differenziertes und durch- 
dachtes System von Übergangsfristen vereinbart, das durch eine generelle 
Schutzklausel und eine Wiedererwägungsklausel (Review-Klauseln) ergänzt 
wurde. Damit kann den Anliegen und besonderen Verhältnissen Liechtensteins, 
insbesondere im freien Personenverkehr, Rechnung getragen werden“, 
  
19 Beteiligung des Fürstentums Liechtenstein an der Europäischen Freihandels-Assoziation, 
LGBI. 1960 Nr. 13, LR 0.632.311. 
199 Dazu bereits vorne $ 2 III 9b. 
Vgl. auch WILLY ZELLER (Hrsg.), Der Europäische Wirtschaftsraum, EWR, Charakteristiken 
des EG-EFTA-Vertrages, Zürich 1992. 
200 1m einzelnen vgl. Bericht | zum EWRA, S. 33 ff. et passim; Bericht I/2 zum EWRA, S. 49 ff. 
et passim. 
201 Siehe die lange Liste an Kundmachungen gemäss LR 0.110.01 ff. 
Eingehend dazu: Bericht II/2 zum EWRA, S. 238 ff.
        

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