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und beruflicher Wiedereingliederung) abgeleitet werden?. Der Staat stósst 
dabei aber sehr bald an die Grenzen des Móglichen. Er kann die Arbeitgeber 
nicht zwingen, Arbeitslose einzustellen und ihnen eine Bescháftigung zu bieten. 
Solche Vorkehren stehen offensichtlich im Widerspruch mit der HGF. 
Der Wirtschaftsfórderungsauftrag des Art. 20 Abs. 1 LV ist sehr allgemein 
gehalten. Seine Bedeutung liegt hauptsáchlich im makroókonomischen Bereich. 
Für die Ausdeutung der HGF als soziales Grundrecht ergeben sich aus dieser 
Bestimmung jedenfalls keine neuen Gesichtspunkte. 
8 8 Der objektivrechtliche Garantiegehalt 
Aus der Sicht des Gemeinwesens erscheint die HGF vor allem als objektives 
Prinzip der Wirtschaftsordnung. 
I. Objektives Ordnungsprinzip 
Art. 36 LV bildet ein integraler Bestandteil des Verfassungstextes und nimmt 
am Rechtscharakter des Grundgesetzes als Verfassung (constitutio) teil. In die- 
sem Sinne ist die HGF ein konstitutives Element der staatlichen Rechtsord- 
nung. 
1. Historische Ankniipfung 
Die Kennzeichnung der Grundrechte als objektive Grundsätze der Rechtsord- 
nung ist keine Erfindung der neueren Staatsrechtslehre, sondern lässt sich be- 
reits bei den ersten Grundrechtsdeklarationen nachweisen. Die frühen amerika- 
nischen Verfassungswerke wie etwa die Virginia Bill of Rights von 17769 
verbrieften die Menschenrechte als Grundlage und Fundament der Staatsord- 
nung. Die Grundrechte wirkten sonach als Direktive für die gesamte staatliche 
Politik$!. Die franzósische Déclaration des droits de l'homme et du citoyen von 
  
57 In Österreich wird eine verfassungsmässige Verankerung des Rechts auf Arbeit diskutiert 
(vgl. RUPERT DOLLINGER, Das Recht auf Arbeit im wirtschaftlichen und politischen Wandel, 
in: FS Hans Floretta, Wien 1983, S. 131 ff.). 
5 Siehe hinten $ 11 III 3b. 
Zum konstitutiven Grundrechtsverständnis vgl. J.P. MÜLLER, Einleitung, Rz. 22 ff. 
Im Ingress dieser Verfassungsurkunde werden die Grundrechte allen Menschen als "the basis 
and foundation of government" zugestanden (Text bei ERMACORA, Menschenrechte, S. 101 
ff., Dokument 5.1). 
Vgl. auch SALADIN, S. 294. 
60
        

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