Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
24
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081741/114/
Staatseinnahmen und Fiskalpolitik primär von der Konkurrenzfähigkeit und Attraktivität Liechtensteins als Finanz- und Bankplatz bestimmt. So sieht Cyrill Sele den Erfolg Liechtensteins im Finanzdienstleistungssektor auf zwei Pfeilern begrün­ det: dem Bankwesen und dem Gesellschafts- und Treuhandwesen, zwi­ schen denen bedeutende Synergieeffekte bestehen.216 Die Vorteile für ausländische Anleger sieht er darin, dass es keine Verrechnungssteuer gibt, ein besonderes Steuer- und Holdingprivileg besteht und das Bank­ geheimnis soweit gewahrt ist, dass liechtensteinische Behörden keine Rechtshilfe in Fiskalsachen erteilen. Die Einnahmen aus der besonderen Gesellschaftssteuer hängen somit nicht nur von der Qualität der Lei­ stungen der verschiedenen Treuhandunternehmen und Banken sowie dem entgegengebrachten Vertrauen der Kunden ab, sondern im beson­ deren Masse auch von der fiskalischen Belastung und dem gesamten Rechts- und Informationsschutz für die treuhänderisch verwalteten Gelder und Vermögenswerte. Wie Doris Frick zur Zukunft des Gesellschafts- und Treuhandwesens ausführt, sind die niedrigen Steuern und die Anonymität auch künftig die wichtigsten liechtensteinischen Standortvorteile. Gefahren sieht sie in der wachsenden Konkurrenz mit anderen Offshore-Finanzplätzen und im Risiko, das Vertrauen der Kapitalanleger aufgrund von Skanda­ len, der (politischen) Unsicherheit des Finanzplatzes Liechtenstein, Pro­ blemen der steuerrechtlichen Anerkennung im Ausland oder durch Re­ pressalien von EU-Ländern zu verlieren.217 Die Regierung erachtete 1994 eine Erhöhung der besonderen Gesellschaftssteuer noch für trag­ bar und schlug deshalb eine Erhöhung der Mindeststeuer vor.218 Der Landtag stand einer solchen Erhöhung aufgrund der befürchteten nega­ tiven Folgen für den Finanzdienstleistungssektor jedoch kritisch ge­ genüber, und die Regierung hat dann aufgrund der Einführung der MWSt die versprochene Vorlage schubladisiert. Beim Beitritt Liechtensteins zum EWR waren Steuerfragen vorerst nicht Gegenstand der Verhandlungen. Trotzdem darf nach den Aus­ führungen von Doris Frick nicht ausgeschlossen werden, dass Amtshil­ fefragen bezüglich des freien Kapitalverkehrs später eingebracht werden 216 Vgl. dazu Sele C. 217 Vgl. Frick D., S. 26f. 218 Vgl. BuA zum Landesvoranschlag für das Jahr 1996, Nr. 71/1995, S. 33. 113
        

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