Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/94/
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menS ausgesetzt zu sein, entkleidete er sich in aller Stille, 
ließ die Uhr in seiner Weste und ging ebenfalls zu Bet 
te, worauf er einschlief. Plötzlich erwacht die Frau und 
hört die Ubr picken ; in der Meinung, daß eS eine MauS 
sei. orientirte sie sich, auf den Zehen schleichend, bis sie 
bei den Kleidern war, worin sich die Uhr befand, ergriff 
eine in der Nähe befindliche Rollwalze und hieb mit al 
ler Kraft auf die vermeintliche MauS loS, wodurch die 
Uhr selbstverständlich in Trümmer ging. Der Mann, 
hierdurch geweckt, vergriff sich an seiner Frau und würde 
diese halbtodt geprügelt haben, wenn die Nachbarschaft 
der unschuldigen Schuldigen nicht zu Hülfe geeilt wäre. 
Wenn wir gewissen Herren einen Rath geben dürfen 
— und warum durften wir es nicht? — so rathen 
wir: um GotteSwillen nicht zu viel Steuern! Das 
Volk guckt sonst allerlei Leuten, die aus seiner Tasche, 
wenn auch nicht aus seiner Küche leben, neidisch auf 
den Mund und kommt auf allerlei Gedanken. Die 
Bayern verstehen sich doch auch auf Leben und Leben, 
lassen, seit sie aber 50 Proc. Steuern mehr zahlen sol 
len, haben sie aus den Landtagspapieren herausgerechnet, 
daß sie für Prinzen und Prinzessinnen d. h. für deren 
Apanagen, Pensionen :c. mehr als 790,009 Gulden 
aufbringen müssen, was ihnen etwas viel vorkommt. 
Als neulich in der Schweiz der starke Schnee fiel, 
mußte ein armer Köhler, der im Hochwalde arbeitete, 
mit seiner Familie flüchten. Der Vater nahm die Wiege 
mit dem vier Wochen alten Kinde auf den Rücken und 
brach seiner Frau mit den drei ältern Kindern durch 
Sturm und Wetter Bahn, sie konnten unterwegs kaum 
die Augen aufthun. Als sie endlich im Thale anlang 
ten, tag fußboher Schnee auf der Wiege und darunter 
in warmen Lumpen gebettet schlief das Kleine so ruhig 
wie ein Schneeglöcklein im Februar. 
In Wien stehen die Lebensmittel höher im Preise 
als im vorjahrigen Kriege, Fleisch ist um 6 Kr. gestie 
gen, das Brod leichter geworden. Der Wiener Riesen« 
magett hat im vorigen Jahre 3 l 3,000 Eimer Wein, 
320,000 Eimer Bier und im Verhältniß Festes dazu 
verschlungen z. B. 98,000 Ochsen, 140,000 Kälber, 
106,000 Schweine, 1,400,000 Hühner und Tauben, 
49 Millionen Eier, 1,197,000 Centner Mehl und 
Brod u. s w. 
Amerika. Ueber die Fortschritte des DeutschthumS 
in Amerika schreibt das „Neu-Aorker Journal": Von 
einem glaubwürdigen Manne der so eben von Nebraska 
und dem Westen zurückgekehrt ist, erfahren wir, daß Ne- 
braSka ein fast ganz deutscher Staat ist. Ganze Coun- 
tleS sind mit wenigen Ausnahmen durchaus deutsch; 
der Staat Ohama ist überwiegend deutsch, so sehr, daß 
yne deutsche Spezerei-Engroshandlung daselbst nur 
deutsch spricht und daß Amerikaner, welche dort Ge 
schäfte abmachen wollen, Dollmetscher mitnehmen müssen. 
Das klingt fabelhaft; soll aber so sein. Diese leibliche 
Germanisirung des Herzens von Amerika ist ein bedeu 
tungsvoller Fingerzeig; eS zeigt, daß Amerika, wenig 
stens der Westen, geistig, sozial, politisch und auch sonst 
germanisirt wird; die Deutschen sind die fruchtbarste Na 
tion der Welt, bei ihnen ist eS buchstäblich wahr, daß 
sie sich vermehren wie der Sand am Meer, und da 
Amerika den Hauptabfluß bildet für den deutschen Ue 
berfluß, so ist sicher anzunehmen, daß der Germanismus 
in Amerika große Fortschritte machen wird. 
Räch Bericht auS New-Aork vom 26. Sept. wüthe 
ten in SeraS gc!bcS Fieber und Cholera in grausamer 
Weise. Die Gefangenen erbrachen die Gefängnisse, um 
der Seuche zu entrinnen. 
Anzeigen. 
Kundmachung. 
Im Rachhange zu dem hieränttlichen Erlasse vom 
28. August d. I. Z. 750 geschieht die Verlautbarung, 
daß die diesjährige Hornvieh- und Schweineausstellung 
sowie die Vertheilung der landschästlichen Prämien an 
die betreffenden Viehzüch terzu Vaduz am Mittwoch 
den 6. November Vormittags statthat. 
Fürstl. L. Regierung, 
Vaduz, den 10. Oktober 1867. 
v. Hausen. 
Bekanntmachung. 
Herr Ludwig Schüßling in GötziS hat bei Handels 
mann Ferdinand Walser in Schaan für seine Schön 
färberei und Druckerei eine Niederlage errichtet, welches 
Geschäft sich namentlich dadurch recommandirt, daß alle 
ältere KleidungSstoffe, vorausgesetzt, daß ihre Stärke 
noch den Druck aushält, an Farbe und Glanz wie neu 
hergestellt werden. 
Die Auswahl der Farbenmuster (Dessin) ist groß, und 
es können hier sowohl wollene, als halb wollene, leinene, 
seidene und baumwollene Stoffe gefärbt und gedruckt 
werden. 
Preise und Muster sind beim Gefertigten einzusehen. 
Schaan den 14. Oktober 1867. 
Ferd. Walser. 
von 
Caspar Honegger. 
Wegen Abschlag der Baumwolle habe ich in jüngster 
Zeit meine Waarenpreise wieder ermäßigt. 
Die rückständigen Abonnentengelder wol- 
len baldigst berichtigt werden. 
Curs. 
Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Donerstag, den 24. Oktober. . . . fl. t2i. 75 Banknoten. 
Freitag, den 25. Oktober. . . . . fl. 122. » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schadler. 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch. 
        

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