Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/90/
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Einfluß Frankreichs und das Bündniß Preußens 
sucken. Dabei vertritt er allerdings den italienischen 
Volksgeist oder Volksinstinkt, der in Preußen einen Bun 
desgenossen gegen Frankreich sucht; bei allen Putschen 
und Auflaufen in den Städten ließ das Volk Preußen 
leben, während es den Franzosen die Fenster einwarf. 
Trotz der Gefangennahme Garibalvi's ist im Römischen 
eine Revolution im Gange. 
Wo wir uns in Bezug auf Volksunterricht befin 
den," ist die Ueberschrift eines Artikels in der französi 
schen Ztg. „Siecle". Derselbe wird durch zwei kleine 
eben erschienene Karten veranlaßt, von denen die eine 
daS Frankreich das lesen, und die andere das Frankreich 
das schreiben kann, vorstellt. „Diese letztere," sagt das 
Siecle. „ist schreckcnerregend. Die Zahl der Departe 
ments in welchen die des Schreibens unkundigen Braut 
leute zwischen 30 und 75 Proc ausmachen, beläuft sich 
auf 55. Am tiefsten stehen Haute-Vienne, Finistere, 
Morbihan, Cvtes du Nord, Ariege, Dordogne, Invre, 
Landes, Allier und Pyrsnees-Orientales. Die 40 De 
partements vaqegen, in welchen die Zahl der des Schrei 
bens Unkundigen l 44 bis 6.77 Proc. beträgt, liegen 
sämmtlich im Nordosten. Es sind: BaS-Rhin, Meuse, 
Vosges,Haute-Marne, Meurtbe, Haut-Nhin, Moselle, 
Doubs, Jura und Manche. „Zst das nicht eine Schan 
de?" nist daS Sieecle aus. „Und dabei denken wir 
an eine neue Militärorganisation! Denken wir doch lie? 
ber daran diese schwarze Schaar der Unwissenden zu 
unterrichten und weisen wir den zehnten Tbeil der Mil 
lionen die wir nutzlos opfern diesem nationalen Werk! 
Fangen wir damit an die Preußen auf diesem Felde zu 
besiegen!" Die Karte des Frankreichs das lesen kann, 
ist nicht ganz so düster. In den zehn unwissendsten 
Departements könnten 4V bis 50g5 Procent, in den 
zehn vorgeschrittensten 2^ bis 544 Procent der Con- 
strilmten von t866 nicht lesen. Die Durchschnittssumme 
betrug für alle Departements 23 Procent. „Darauf 
brauchen wir nicht stolz zu seyn, schließt daS Siecle. In 
Bezug auf den Volksunterricht stehen wir in der letzten 
Reihe der europäischen Mächte. Und dabei bilden wir 
uns ein daß wir an der Spitze der Civilisation einher 
gehen." 
In England bestehen zur Zeit nahe an 10V christliche 
Religionsgemeinden, deren Mitglieder, wie die A. Z. 
' schreibt, alle nach eigener Fayon selig werden wollen! 
Einen erfreulichen Eindruck macht diese Glaubenszersplit 
terung nicht, und man kann sich des Glaubens nicht 
erwehren,' daß gut ^/z dieser Secten ihren Ursprung 
eben nur einer leineweberhaften Tüpfelei und Recht 
haberei in Kleinigkeiten verdanken. In Nordamerika, 
wo jeder verdorbene Handwerker allenfalls sein apartes 
Kirchlein stiftet, mag eS noch einige Duzend mehr geben. 
In Finnland ist die Noth so groß, daß die Müh 
len Stroh und getrockneten Sauerampfer statt Getreide 
mahlen und in den Wäldern wird Torfmoos gesammelt 
und getrocknet unter das Brod gemischt. Zn einer be 
sonders armen und unzugänglichen Gegend gaben Arzt 
und Apotheker, die einzigen gebildeten Leute in weitem 
Druck von Heinri 
Umkreis, den Hungernden Anweisung, aus einer Mi 
schung von Roggen unv Renntkiermoos Brod zu backen, 
— sie kamen aber übel an. D«»6 Volk schrie, sie woll 
ten die Cholera durch vergiftetes Brod ins Land bringen, 
und verjagte sie. So verfolgt das arme unwissende 
Volk im Norden und Süden seine besten Wohlthater. 
Vorige Woche sank in Finnland über Nacht der Ther 
mometer plötzlich auf 6^ unter Null. Alle Seen waren 
mit Eis bedeckt; Erdäpfel und was noch von Körner- 
jrüchten auf den Halmen stand, und total zerstört. Ein 
Schneider, dessen Knaben der Nachbar beschuldigte, daß 
sie ihm die Erdäpfel aus dem Boden stehlen, die er 
selbst nothig habe, fuhr in einem Kabne mtt den Kin 
dern auf öas Meer hinaus und ertränkte sie. Damit, 
meinte der Vater, erspare er ihnen die Wahl zwischen 
Schande und dem Hungertode. 
Das russische Kupfergeld vom Jahre 1863 wird ein 
gezogen — es ist Gold darin enthalten. Ein Arbeiter 
in der kaiserl. Münze in Petersburg hatte Gold entwen 
det und in einen mit Kupfer gefüllten Schmelzkessel ge 
worfen, weil er sich beobachtet glaubte. 
Nirgends gibts mehr unverheirachete Frauenzimmer 
als in Schweden. Die Schweden gehen noch viel 
schwerer daran, einen Hausstand zu gründen als andere 
Männer; um so mehr Frauenzimmer findet man als 
Beamte bei den Posten, Eisenbahnen, Telegraphen. 
Die Philadelphia-Zeitung bringt folgendes Inserat: 
„Es ist eine Uhr gestohlen worden, tl)0 Dollars werth. 
Wenn der Dieb sie zurückgibt, soll er gratis benachrich- 
tigt werden, wo er eine stehlen kann, welche zweimal 
so viel werth ist, und soll ihm weiter keine. Frage ge 
stellt werden." 
Anleitung znr Luftreinigung der Zimmer. Ein 
Gefäß mir Chlorkalk gefüllt, worauf einige Tropfen Es 
sig und Wasser gegossen werden, reinigt die Luft eines 
Krankenzimmers in wenigen Minuten. 
Veränderte Entschlüsse. Der Herr Professor Dun- 
kan zu Aberdeen in Schottland bewarb sich um die 
Hand einer Dame, erhielt aber einen Korb. In Folge 
dessen ließ er den Gegenstand fallen, traf aber nach ei 
niger Zeit seinen ehemaligen Herzkäfer auf einer stillen 
Promenade. 
„Erinnern Sie sich der Frage, sagte die Dame, die 
Sie an nuch richteten, als wir uns das letzte Mal 
sahen?" 
Der Professor antwortete, er erinnere sich derselben 
sehr wohl. 
„Und erinnern Sie sich auch meiner Antwort?" 
„O, sicher", entgegnete der Professor. 
? Gut, Herr Dunkan, fuhr die Dame fort, ich bin 
bestimmt wmpen, meinen Entschluß zu verändern!" 
„Das ist auch von meiner Seite geschehen," erwiderte 
der P:Mssor, empfahl sich und blieb Junggeselle. 
CnrS. 
Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Dienstag, den Oktober. . . . fl. 122. 25 Banknoten. 
Mittwoch, den 9. Oktober. . . . . fl. 122. » 
Herausgever: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Schädler. 
Graff in Feldkirch.
        

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