Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/9/
Liechtensteiner 
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Vaduz, Samstag 
Rro. S. 
26. Januar 1867. 
Dieses Blatt erscheint in der Regel monatlich 3mal und kostet ganzjährig l fl. 50 kr. EinrückungSgebühr für die gespal 
tene Zeile 4 Nkr. Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion — in Feldkirch bei der löbl. Wagnerischen Buch 
handlung oder bei der k. k. Post. Die Redaktion besorgt auch Bestellungen auf das liechtenst. Landesgesetzblatt. 
Baduz, 24. Januar. 
In Norddeutschland machen die Reichstagswahlen 
doch einige Aufregung im Volke. Seit man weiß, daß 
der oberste Bundeskriegsherr für jeden Soldaten 225 
harte Thaler zu dessen Unterhaltung verlangt, lst den 
Leuten der Kopf warm geworden. In Geldsachen ist 
der Mensch äußerst empfindlich, namentlich wenn er die 
geringen Steuern mancher Kleinstaaten gewohnt ist. 
Der gewaltige Militäraufwand, den Preußen zu machen 
gedenkt, wird die Ursache vieler Opposition werden. 
Freilich, sagt man, jetzt gilt es stark zu werden, um die 
eifersüchtigen Ansprüche Frankreichs abweisen zu können. 
Ja wohl! Aber so kommt man in eine Säbelherrschaft 
hinein, welche, wenn einmal eingenistet, nur mit dem 
Kuin der Freiheit und desMsammten materiellen Wohl 
standes eines Volkes endet. 
Bayern sucht, nach den Aeußerungen des Ministers 
Hoh^lohe, ein Bündniß mit Preußen. Bayern, will 
keinen 'Bund der Südstaaten und auch keine Einigung 
mit OeAreiA, weil dort die Deutschen augenscheinlich 
zurückgedreht werden. Bis eine 'Einigung mit Preu 
ßen und M übrigen deutschen Staaten gelinge, will 
man in Barern an der eigenen Verbesserung arbeiten 
durch Schaffung einer allgemeinen Volksbewaffnung und 
dHl Ausbau e'ner freiheitlichen Verfassung. 
Ueber die ZMnde in Italien verlautet nach sei 
nem Berichte der St. Galler Ztg. düsteres. Ehe Ita 
lien sich in Rom ststsetzt, kann Europa preußisch oder 
kosakisch werden. Ms ist todtmüde. Bereits fangen 
die Bürger an, von Wahlurnen zu desertiren. In Ne- 
apel, einer Stadt von 000 Menschen, haben 83 
Mann die Handelskammer gewählt. Wir haben keinen 
Handel, keine Industrie m^r, die Armee und die Flotte, 
der Stolz Italiens, habenden Ruhm bei Custozza 
und Lissa dahingegeben. — Regierung wie der 
König haben -ihren Einfluß auf W Volk verloren. 
Nie war die Stimmung düsterer. — Dagegen gestalten 
sich die Beziehungen mit Oestreich freundlicher, was im 
^beiderseitigen Interesse dieser Staaten, Mmentlich für 
IIndustrie und Handel, Bestand haben mögeV . ^ 
einsichtigen Franzosen geht allgemach^üs Licht 
denn der letzte Grund unserer unruhiW krie- 
Weltlage zu suchen' ist. Sie finden iW ^i 
SH 15 Jahren hat Frankreich, sagende, 
auswärtige Händel gehabt, nie war es zu HaM. 
W^sei nöthig, daß es einmal wieder zu stch komD^ 
Weil Deutschland steht, daß Frankreich immer und im 
mer wieder, bald hier bald dort, Kriege anstiftet, weil 
Deutschland zu viel Gründe habe, sich vor den Fran- 
.zosen in Acht zu nehmen, gerade deshalb zwingt sich 
der langsame friedliebende Deutsche, lieber preußisch zu 
werden, um einig und stark zu werden. Alle diese ge 
waltsamen Kriegsrüstungen und Besteuerungen würden 
mit dem Tage zu Ende sein, wo Frankreich aufrichtig 
zum Frieden zurückkehrt. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Ein Vorarlberger wurde vom Gerichte verurtheilt, eine 
Quittung auszustellen. Er thut es aber nicht, obwohl 
ihm nun schon zweimal Stra^-vvn fl. 50 und fl. 100 
diktirt wurde. > 
— DeM^dbMseutMnt der Bludenzer Landesschützen- 
kAWPsAne, Hrn. D^^vndwjg wurde das gol 
dene Verdienstkreuz verliehen. 
— Die Steuern in Oestreich. Nach dem Inhalte 
des Finanzgesetzes für 1867 werden die direkten Steuern 
mit 105,493,000 fl., was 25 Prozent.(in Preußen 
nur 207/s Prozent) der gesammten Staatseinnahmen 
ausmacht, angenommen. Auf den Kopf der Bevölke 
rung entfallen an direkten Steuern 3 fl. j0 kr. Die 
Grund- und Gebäudesteuer wird mit 75,454,000, die 
Erwerb, und Personalerwerbsteuer mit 10,303,000, die 
Einkommensteuer mit 59,280,000 und jdie sonstigen di 
rekten Einkünfte mit 456,000 Gulden beziffert; es ko,n- 
men auf den Kopf an der ersten fl. 2. 22, an der 
zweiten 30 kr., an Einkommensteuer 56 ^ kr. und an 
übrigen Abgaben circa 1 kr. An Steuern überhaupt 
entfallen im Durchschnitte in Oestreich auf den Kopf 
fl. 9. 62, in Preußen fl. 8. 16, in Frankreich fl. 16 
und in Belgien fl. 9. 41. Ziehen wir die großen Ver 
schiedenheiten, die zwischen dem allgemeinen Kutturstande 
bei unS und dem der im Vergleiche stehenden Länder 
obwalten, in Betracht, so erscheint die Höhe der Steuern 
außer Zweifel gestellt. Die größte Belastung per Kopf 
zeigt sich in Oestreich unter der EnnS mit fl. 34. 83, 
die geringste in der Militärgrenze mit fl. 2. 07 und in 
Böhmen beträgt sie fl. 12. 77 kr. (Feldk. Ztg.) 
Zahlreiche Obstreicher benutzen die gegebene Frist, 
sich vom Militär loszukaufen; denn das Gesetz über die 
allgemeine Wehrpflicht ist noch nicht erschienen. Leute, 
dle Geld haben, kaufen ihre Kinder hl der Wiege ftej 
W
        

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