Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/88/
eine günstigere Wendung nehmen, so wäre man nicht 
mehr im Stande, die Posten, Stellwägen zc. auf Rädern 
über den Atlberg zu bringen, sondern man müßte sie 
auf Schlitten umpacken, was freilich noch außerordentlich 
früh wäre." 
Ueber die Vorarlberg-Tiroler Eisenbahn entnehmen 
wir der Fldk. Ztg. Folgendes: Aus Innsbruck wird uns 
Nachstehendes mitgetheilt.- Am letzten Samstag waren 
einige Herren aus Baiern hier, um sich mit dem Lan- 
desauöschuß über die verschiedenen Eisenbahnprojekte zu 
besprechen, welche eine kürzere Verbindung mit Baiern 
und dem westlichen Deutschland herstellen sollen, als dirs 
durch die Bahn Jnnsbruck-Kufstein-München der Fall 
ist; namentlich wünschten sie zu wissen, welche Unter 
stützung die Linie Jnnsbruck-Jmst-Reutte von Seite Ti 
rols finden würde Man bedeutete den Herren, daß 
man nach einem bereits gefaßten Landtagsbeschluß der 
Herstellung der Linie Jnnsbruck-Feldkirch-Bregenz den 
ersten Rang einräumen, daß dann, nachdem diese Bahn 
hergestellt wäre, die Fernbahn auch als nützlich erkannt 
würde, daß aber für Erbauung einer Lmie Jnnsbruck- 
Seefeld-Partenkilchc»! in Tirol kein nennenswerthes In 
teresse vorhanden sei. Die militärisch-technische Kom 
misston zur Prüfung der Trace der Eisenbahn von Inns 
bruck nach Feldkirch hat die Begehung dieser Strecke ge 
stern hierorts beendet und sich, wie uns mitgetheilt wird, 
mit dem von dem Vorarlberger Eifenbahn»Eonsortium 
vorgelegten Projekte im Ganzen vollkommen einverstan 
den erklärt. Die Konimlssion begab sich auch noch 
durch das Montason über das Zeiniser Joch nach Paz- 
naun, wobei sie sich jedoch die Überzeugung verschaffte, 
daß eine Bahnanlage nach dieser Richtung bedeutend 
größere — beinahe unübersteigliche — Hindernisse böte, 
als die projektirte Linie über den Arlberg. 
Von dem diesjährigen Schrunser Viehmarkte hörte 
die Fldk. Ztg., daß der heurige Markt als ein noch nie 
dagewesener bezeichnet werden kann. Es war wenig 
Vieh aber desto mehr Käufer da, die Preise enorm, so 
wurden z. B. zwei „Zitrinder" um 223 Kronenthaler 
verkauft. Die Käufer kauften größtenteils schon einige 
Tage vor dem Markte und beim Auftreiben. Hatte der 
Verkäufer den Preis verlangt, so war auch der Handel 
mit wenigen Worten schon geschlossen. Der zweite Tag 
konnte kaum mehr als Markttag angesehen werden, denn 
es war gar wenig Vieh mehr aufgestellt. 
Heute hat das Montason sein Winterkleid angezogen, 
wir haben bedeutenden Schnee, der den Obstbaumen gro 
ßen Schaden bringt. 
Gegen Einschleppung der Cholera hatte man längs 
der Oestr.-liechtensteinischen Grenze gegenüber der Schweiz 
Rauchetungen der eintretenden Petsonen vorgeschrieben, 
welche sehr streng gehandhabt werden. Nur in Bregenz 
hat man diese Vorschrift gegenüber schweizerischen Schif 
fen nicht inö Werk gesetzt, während doch an diesem Orte 
viel leichter solche Reisende die Grenze Passiren, welche 
mit den Cholernbezirken der Schweiz in Berührung kamen, 
als in den Rheinthalübergängen. 
Wegen des östreichischen ConcordatS herrscht ge 
genwärtig im Reiche eine gewaltige Aufregung. Bon 
verschiedenen Städten wurden Adressen an den ReichS- 
rath gerichtet, die Aufhebung dieses Vertrags betreffend. 
Auf dieses Vorgehen hin versammelten sich 25 östreich. 
Bischöfe in Wien und richteten eine Adresse an den Kai 
ser, das Eoncordat aufrecht zu erhalten. In dieser 
Adresse war eine Stelle gegen den Wiener Gemeinde 
rath zugespitzt, als habe es derselbe mit seinen Tendenzen 
(Gründung eines Lehrerseminars) gegen Religion und 
Sittlichkeit abgesehen. Diese Stelle rief eine äußerst 
stürmische Sitzung des Gemeinderathes hervor, in wel 
cher sich derselbe gegen diese Anschuldigung vertheidigte 
und wobei es zu sehr scharfen Aeußerungen kam. Je 
denfalls muß sich die östr. Regierung in Kurzem ent 
scheiden, ob sie das Eoncordat halten will oder nicht. 
Die Aufregung wegen dieser Frage ist eine sehr tief 
gehende. 
Die Leiche des Kaisers Mar ist endlich von Juarez 
zur Einschiffung nach Oestreich ausgeliefert worden. 
Schlichte Bürgersleute in Wien fanden im Jahre 
1848 ein Mägdlein in Windeln gewickelt vor ihrer 
Hausthüre. Sie nahmen das Kindlein auf und erzo 
gen es schlecht und recht und vor Kurzem wurde das 
Mädchen, das recht schön und brav geworden war, die 
Frau eines Arztes. Da kam ein Brief aus London 
mit Wechseln von 100.000 Gulden und der Nachricht, 
daß ein reicher Pflanzer Ribiero in Ealcutta das Mägd 
lein als sein Kmd anerkannt und in seinem Testamente 
zum Erben von 2 Mill. Gulden rechtskräftig eingesetzt 
habe. Die Erbschaft sei bei ihm, dem Advocaten Seif- 
fert zu haben. 
Biehhandel. Von allen Seiten des Kts. Grau- 
bünden vernimmt die „Volks-Ztg.", daß fremde Händ 
ler, besonders schweizerische, das Land durchziehen und 
Vieh, zu hohen Preisen aufkaufen. Selbst jenseits der 
Berge im Engadin haben sich schweizerische Händler ein 
gefunden, was bisher selten vorkam. 
Im Prätigau machten letzte Woche auch bayerische 
Händler ihre Einkäufe. In Jenatz allein kauften die 
selben 15 oder 46 Zeitkühe zu hohen Preisen. 
Am Markt in Thusis vom letzten Samstag war daS 
Geschäft so belebt, daß man sich kaum eines ähnlichen 
Marktes erinnert. Er war mit gegen 500 Stück Vieh 
bestellt, wovon zirka 200 Stück verkauft wurden. Es 
wurden Kühe und Zeitkühe um 20 bis 22 Marengin 
verkauft, 3 bis ^ Marengin höher als gleiche Vieh 
waare voriges Jahr galt. Rechnet man durchschnittlich 
auf jedes Stück der abgeschlossenen Käufe 12 Maren 
gin, was jedenfalls nicht zu hoch gegriffen ist, so ergibt 
sich ein Erlös von W,000 Fr/ 
Der gleichzeitige Markt in Chur dagegen war ziem 
lich unbedeutend. Es war wenig Waare vorhanden und 
die Händler hatten sich großtentheils am Vorabende deS 
Marktes von hier nach ThusiS begeben. Italienische 
Händler, die zugegen waren, kauften vorzugsweise junge 
Stiere. 
Sargans, 1. Oktober. Der heutige Viehmarkt wat 
sehr belebt. Ungefähr tausend Stück wurden aufgeführt. 
Pferde wenig. DaS Vieh galt Preise, wie seit Men 
schengedenken noch nie. Gar viele Stücke wurden s»
        

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