Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/85/
- 83 - 
Miasmen ausdünstende Abtritte und an offener Straße 
liegende Düngerhaufen trifft man aller Orten und doch 
kostet die Desinfektion eines solchen Giftherdes nur we 
nige Centime, mit 20—30 Ct. in heißem Wasser auf 
gelösten und in den Jauchefasten geschütteten Eisenvi 
triol, hat man den stechenden Ammoniakgeruch nieder 
geschlagen, die Luft gereinigt und dem Landwirthe die 
Jauche fruchtbarer gemacht. Jauchekästen, die zeitweise 
mit Vitriol behandelt werden, bieten einen doppelt so 
fruchtbaren Düngennhalt. Bei diesem Anlaß sei dann 
noch des abscheulichen, gesundheitsnachtheiligen, durch 
dringenden Geruches der „Schweinskost" erwähnt. Die 
Behörden sollten hier mit Strenge daran halten, daß 
dieses unqualifizirbare Amalgama entweder in dichtver 
schlossenen Räumlichkeiten aufbewahrt oder zum Ort 
hinausverwiesen werde. Uebelriechende Lokalitäten sind 
jeweilen dem Aufkommen von Leuchen, als wie Typhus 
und Cholera, besonders sehr beförderlich. (Ostschw.W.) 
Seit dem Auftreten der Cholera in Zürich bis zum 
49. September kamen 545 Erkrankungen vor. Davon 
sind genesen 64, gestorben 284 und in Behandlung 197. 
Am 2t). erfolgten 46 neue Erkrankungen und 22 To 
desfälle. In manchen Nachbargemeinden Zürichs herrscht 
eine lächerliche Cholerafurcht; einzelne Gemeinderäthe 
haben bei einer Buße von 15 oder 20 Frs. und nach- 
herigem 9tägigem Cholerabann verboten, nach Zürich 
zu gehen. Doch seien in vielen Fällen die Gemeinde- 
rathe von den Einwohnern recht eigentlich zu diesem 
Schritt gedrängt worden. — In Rapperswil und Mos- 
nang sind ebenfalls Cholerafälle vorgekommen, desglei 
chen in Lnzern und einer Berner Gemeinde. 
In Zürich sind mehrere Glieder einer Gärtnerfamilie, 
welche die Flüchte, von denen sie wußten, daß sie auf 
dem Markte konfiszirt werden würden, selbst genossen, 
von der Cholera ergriffen und dahingerafft worden. 
In Schaffhausen kann sich Heuer Niemand einen 
Suserdampf holen, weil das Trinken von Most und 
Suser bei Strafe verboten wurde. Derlei Getränke be 
günstigen Cholera-Ansteckungen. 
Deutschland. .Wie traurige Folgen die Nichtbefol- 
gung sanitätspolizeiiicher Anordnungen in Zeiten einer 
Epidemie nach sich ziehen kann, hat ein in der vergan 
genen Woche in Breslau eingetretener eclatanter Fall 
zur Genüge bewiesen. Der Besitzer des Hauses Nr. 45 
auf der Tauentzienstraße hatte eine vor sechs Wochen 
an ihn ergangene Aufforderung, die überfüllten Senk 
gruben seines Grundstückes schleunigst räumen zu lassen, 
dadurch zu umgehen gesucht, daß er auf dem benach 
barten Bauhofe eine Grube anlegen, den Inhalt der 
Cloake in dieselbe hineinschaffen und, um der polizeili 
chen Bestrafung zu entgehen, leicht mit Erde bedecken 
ließ. Erst als auf dem genannten Grundstücke in der 
letzten Woche eine große Anzahl von Cholera-Todes 
fällen mit rapidem Verlauf eintrat, wurde die Behörde 
aufmerksam, und das gewissenlose Verfahren des Haus 
besitzers kam ans Tageslicht. In unmittelbarer Nähe 
der neu geschaffenen Grube befindet sich der Brunnen, 
aus dem die Bewohner jenes Hauses ihr Trinkwasser 
schöpfen, und eine genaue Untersuchung hat, leider zu 
spat, ergeben, daß die verwesenden Bestandtheile der 
Cloake sich dem Wasser mitgetheilt hatten und dadurch 
der Seuche m der verderblichsten Weise Vorschub ge 
leistet worden war. Man spricht von 16 Todesfällen 
in jenem Hause. 
Dr. Otto Hübner, der berühmte'Statistiker, sagt in 
einem Programm an die Wähler zum norddeutschen 
Reichstage u. A.: „Das Volk ist überlaset. Außer den 
Waffenfabriken liegen beinahe alle Gewerbe darnieder, 
um jedes kleine Amt bewerben sich Hunderte von Hung 
rigen, in den Städten wächst die Zahl der leer stehen 
den Wohnungen und der Bewohner, welche keine'Mie 
the bezahlen können, Güter und Häuser kommen massen 
haft zur Subhastation, die Armenanstalten sind von ver 
krüppelten Siegern und Arbeitslosen belagert, das Ver 
trauen zu Gegenwart und Zukunft fehlt überall und in 
das Budget des Aermsten dringt die Wahrnehmung, daß 
er für die Dienste des Staates bereits mehr bezahlt, als 
sie werth jmd." 
In Baden ist ein neuer Kirchenstreit ausgebrochen. 
Der Erzbischof in Freiburg hat gegen die Verordnung 
der Negierung, welche für die katholischen und protestan 
tischen Theologen eine Staatsprüfung über ihre allge 
meine wissenschaftliche Bildung anordnet, protestirt und 
den katholischen Theologen untersagt, sich derselben zu 
unterziehen. 
Zwischen Preußen und dem Fürstenthum Waldeck- 
Pyrmont ist ein Vertrag wegen Abtretung dieses Für- 
stenthums an Preußen vorläufig aus 10 Jahre mit Vor 
behalt der Zustimmung der beiderseitigen Landesvertre 
tungen abgeschlossen worden. Der Fürst bat sich sein 
Consiftorium, die Gnadensachen und das Domänenver- 
mögen vorbehalten. Das Land wird künftig von einem 
preußischen Landesdirektor regiert. Der Vertrag soll am 
1. Januar 1868 in Kraft treten. 
Feldmal schalllieutenant Freiherr V. Koubelka in Wien, 
einer der ältesten Generale und der Schwager Schmer 
lings, ließ sich im vorjährigen Kriege von Leuten, die 
Armeelieferanten werden wollten, bestechen. Die Sache 
ist jetzt an den Tag gekommen und der General in Un 
tersuchung und Haft genommen worden. 
Man spricht von einem sich vorbereitenden Brnch zwi 
schen der französischen und italienischen Regierung wegen 
des Schutzes, den sie dem Papstthum gemeinschaftlich 
gewähren wollten. Der italienische Minister Ratazzi hat 
dem Kaiser Napoleon erklärt, Italien habe kein Geld, 
mit 40,000 Mann das Papstthum zu schüfen. 
Noch einmal ist der Aufstand in Spanien niederge 
schlagen. Gegen die Rebellen, so weit man ihrer hat 
hadhaft werden können, verfährt man mit der größten 
Grausamkeit. In drei Provinzen sind sehr viele Ange 
schuldigte theils zum Tode, theils'zu einer Strafe ver 
urtheilt werden, die noch schlimmer ist als der Tod. 
Dabei herrscht unter dem Volke eine drückende HungerS- 
noth, die vorjährige Ernte ist mittelmäßig, die heurige 
gering ausgefallen. Dazu kommt, daß Spanien eine 
der größten Armeen der Welt hält. In Frankreich 
kommt 1 Soldat auf 98 Einwohner, in Spanien i auf 
73. In Frankreich verschlingt das Armee-Budget Ztz,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.