Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/78/
Strafe zahlen und für Weiteres einen Bevollmächtigten 
stellen. Der Beamte war formell in seinem Rechte, er 
berief sich aber auf ein Gesetz vom Jahre 1822, in 
welchem es noch keine Eisenbahn gab und ein Reisender 
noch nicht in einem halben Tage die Länder von Dutzen 
den von Herren durchflog, also daß ein Liebhaber vom 
Kartenspiel oder Hasser von Langerweile ein Dutzend 
von Spielkarten bei sich führen müßte, um nicht straf 
fällig zu werden. 
Originelle Todesanzeige. „Heute Morgen ver 
schlimmerte bei der vollkommensten Bewußtlosigkeit sei 
ner Menschenwürde an dem hartnäckigen Dasein einer 
Leberverhärtung mein zweijähriger Trompetergalte, an 
dessen Grab eine elende Wittwe und 2 unsägliche Wür 
mer ihren Schmerz aushauchen und um stille Theilnahme 
an dem Unfall ihres Mißgeschickes bitten." 
Kaiser Napoleon übertrifft sich selbst. Er macht 
nicht nur dem Kaiser Franz Joseph am !7. August den 
ersten Besuch in Salzburg, sondern will auch auf der 
Heimreise dem König von Preußen einen Gegenbesuch 
machen. 
Der Sultan wird, wenn er heimkehrt, nicht lange 
ausruhen können, eS erwartet ihn anstrengende Arbeit. 
Die Griechen haben beschlossen, den Aufstand auf der 
Insel Kreta mit allen Kräften zu unterstützen, und der 
Türkei, wenn sie nicht nachgibt, den Krieg zu erklären. 
Der König von Hannover soll geneigt sein, gegen 
eine Jahresrente von 700,000 Thalern auf seine An 
sprüche auf Hannover zu verzichten. Der Kurfürst von 
Hessen-Kassel hat sich bekanntlich schon längst mit Geld 
abfinden lassen und führt ein sorgenfreies, behagliches 
Leben. 
In voriger Woche war Pferdeausstellung in Paris. 
Die preußischen Pferde wurden von den Preisrichtern 
scharf kritisirt, der preußische Kommissar, sonst ein fei 
ner Weltmann, erhitzte sich im Streite und rief endlich: 
„Ob Sie diese Pferde zu schätzen wissen oder nicht, wer 
den sie doch im Monat Mai wieder in Paris sein und 
in der Seine getrankt werden." — Herr Commissär, 
wir sind noch nicht im Kriege, antwortete ein Franzose. 
Der Vorfall macht großes Aufsehen. 
Bei einem Feste in Calais „arbeiteten" Pariser und 
Londoner Taschendiebe um die Wette. Abends kamen 
die Kollegen bei Wein und Grog in einem Wirthshaus 
zusammen, um sich gütlich zu thun und zu fraternisiren. 
Sie zählten ihre Beute zusammen, die Engländer hatten 
45 goldene Uhren erbeutet, die Franzosen nur 10, die 
Engländer waren die geschickteren. Die Franzosen tru 
gen ihnen das nicht nach, sie ließen ihre englischen Kol 
legen leben, hielten sie frei und becherten zusammen bis 
gegen Morgen. Als aber die Engländer Morgens auS 
ihrem schweren Rausche erwachten, waren die Franzosen 
sammt allen englischen Uhren, Geldbörsen ze. auf und 
davon nach Paris. 
Bezüglich des Geisteszustandes der unglücklichen Kai 
serin Charlotte auf dem Schlosse Tervueren erfährt man, 
der Arzt der Kaiserin, Dr. Bulkens von Gheel, welcher 
nur selten das Schloß von Tervueren verläßt, um seine 
Druck von Heinrii 
Funktionen in der Jrrenkolonie wahrzunehmen, sei ziem 
lich zufrieden mit dem Verlauf der Geisteskrankheit der 
unglücklichen Fürstin. Das Wiedersehen ihrer Verwand 
ten, die wiederholten und ausführlichen Besprechungen 
mit denselben, welche namentlich die Grundlosigkeit ihrer 
Furcht vor einer Vergiftung darzulegen bezweckten, haben 
zwar keine radikale Beschwichtigung herbeigeführt, doch 
jedenfalls den Erfolg gehabt, daß die Verdächtigung ih 
rer Umgebung sich weit seltener als »früher zeigt. Au 
ßerdem ist die Kaiserin weit weniger, als während der 
letzten Wochen ihres Aufenthaltes in Miramare, abge 
neigt, ins Freie zu gehen. Am 4. d. M. machte sie selbst 
in einem geschlossenen Wagen eine Spazierfahrt, welche, 
statt sich, wie früher auf den Park von Tervueren zu 
beschränken, bis in die Umgegend der Hauptstadt ausge 
dehnt wurde. 
In Rudolfsheim (Oestreich) starb ein Alois Hutschek, 
der vom Millionär zum Bettler herabgesunken war. Er 
war der Sohn eines östreichischen Militärlieferanten und 
vergeudete von 183 t bis 1847 zwei Millionen Gulden. 
Mit einem Reste von 5t,000 Gulden ging er nach Pa 
ris, kehrte, als er auch damit fertig geworden, nach 
Wien zurück und nährte sich als Marktwächter und zu 
letzt als Bettler. Seine Leiche fand man aus einem 
ärmlichen Strohlager. 
Auf der Weide von Vellerat (Bern) sind in der Nacht 
vom 17. auf den 18. Juli vier Pferden die Schweif- 
Haare abgeschnitten worden. 
Von dem Verräther Maximilians, Lopez, wird folgen 
der Zug erzählt: Einst als Befehlshaber eines kaiser 
lichen Truppenkorps von den Juaristen überfallen habe 
er feig die Flucht ergriffen. Sein Pferd sei von einer 
Kugel getroffen gestürzt und er wäre gefangen und nie 
dergemacht worden, wenn nicht einer seiner Reiter ihn 
zu sich auf sein Pferd gezogen und hinter sich hatte 
sitzen lassen. Die beiden Reiter waren aber dem Thiere 
eine zu schwere Last. Was that Lopez? Er zog seine 
Pistole, schoß seinen Retter todt, warf ihn vom Pferd 
hinab und enteilte den verfolgenden Feinden. 
Anzeigen. 
von 
Caspar Honegger 
hält Klein-Berkaufsniederlagen in Baumwollen« 
und Halbwollen-Waaren 
in 
Schaa», Vaduz und Balzers. 
Cnrs. 
Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezahlt: 
Freitag, den 9. August . . . . fl. 122.90 Banknoten. 
Mittwoch, den 14. August . . . fl. 122.15 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor : vr. Schädler. 
Graff in Feldkirch.
        

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