Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/57/
-Liechtensteiner Kändeszeitung. 

künttsr 

Vaduz, Samstag 
Rro. RV. 
6. Juli 1867. 
Dieses Blatt erscheint in der Regel monatlich 3mal und kostet ganzjährig t fl. 5s) kr. EinrückungSgebühr für die gespal 
tene Zeile 4 Nkr Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion — in Feldkirch bei der iöbl Wagnerischen Buch 
handlung oder bei der t. k. Post. Die Redaktion besorgt auch Bestellungen auf das liechtenst^ Landesgesetzblatt. 
Landtagsverhandlungen. 
Sechster Landtag, Sitzung. 
Vaduz, 2. Juli 1867. 
Tagesordnung: 
1. Berathung über den Gesetz-Entwurf zur Regelung 
der Alpwirthschaft. 
2 'Abänderung des Z. 32 deS Schulgesetzes. 
Nach Verlesung des Protocolls und nach Erledigung 
einer Reclamatwn des Abgeordneten Büchl (das Ge 
such des HofcaplanS Deflorin in Schaan wurde in letz 
ter Sitzung nicht mit !3 gegen !, sondern mit 11 ge 
gen 3 Stimmen verworfen) wird dasselbe genehmigt 
und gelangen die Schriftstücke, welche seit letzter Sitzung 
beim Bureau einliefen, zur Kenntniß der Versammlung 
und zwar : 
t.Min Schreiben der f. Regierung betreffend den Aus 
tritt Oestreichs und Liechtensteins aus dem' deutschen 
Münzverein.. ^ - 
2. Desgleichen von der f. Regierung "betreffend die 
Forderung mehrerer Gemeinden des Unterlandes, um 
einen Beitrag von fl. 4000 aus Landesmitteln zum 
Benderer-Brückenbau. 
3. Antrag des Abgeordneten Kirchthaler folgenden In 
halts : 
In den meisten civilisirten Staaten, in ienen das 
Erwerbsleben eine lebhaftere Entwicklung genommen 
hat, wird gegenwärtig die Lösung einer Frage vorbe 
reitet oder ausgeführt, welche auch für unser kleines 
Land mit seinen e^enthümlichen Verhältnissen in Be 
tracht genommen zu werden verdient: es ist die Reduzi- 
rung der kirchlichen Feiertage. 
Unsere Bevölkerung ist hauptsachlich auf den Erwerb 
durch persönliche Arbeit hingMiesen. Das fruchtbare 
Gelände ist beschränkt und nicht im Stande die Bevöl 
kerung zu erhalten, wenn sich damit jncht der Erwerb 
aiO Gewerbe und Taglohn vereinigt. Durch die große 
UeberzAl von 10—12 Feiertagen wird aber dieser Er 
werb * bedeutend geschmälert. Wenn man erwägt, was 
in 10—12 Feiertagen jährlich von 2000—3000 ar 
beitsfähigen Menschen an Verdienst versäumt wird, oder 
was dieselben , welche jetzt zum Feiern verurtheilt sind, 
in dieser Zeit gewinnen könnten, so darf man füglich 
behaupten: Die Ueberzahl der Feiertage ist die größte 
Steuer, welche unser Ländchen drückt. 
In Anbetracht dieser wichtigen Einflüsse aufs Er 
werbsleben, 
in Anbetracht ferner der immer steigenden finanziellen 
Ansprüche an Bürger und Staat, 
sowie m Erwägung, daß der moralische Gewinn, 
welcher aus einer übermäßigen Anzahl der Feiertage re- 
sultirt, nicht im Verhältniß steht mit finanziellen 
und moralischen Nachtheilen des müßigen, mit nutzlosen 
Ausgaben unvermeidlich in Bezug stehenden'Feiertags 
lebens, 
endlich in Anbetracht, daß die meisten und vorge 
schrittensten Staaten der Gegenwart, wie z. B. Schweiz, 
Frankreich, Belgien, Süddeutschland eine Reduktion der 
Feiertage für nützlich erachteten, stelle ich den Antrag: 
Hoher Landtag wolle beschließen, es sei die hohe Re 
gierung zu ersuchen, mit der hochw. bischöflichen Curia 
in Unterhandlung zu treten über die Abschaffung von 
1'0—12 Feiertagen, ?esp. deren Verlegung auf Sonn 
tage. ,< Kirchthaler. ^ 
Die Forderung von fl. 4000 für Brückenbau wird 
der Finanzcommission überMesen; der Antrag Kirchtha- 
lers an die Gesetzgkbungscommission und dk Kündi 
gung des deutschen Münzvertrags nimmt «der.Landtag 
zur Kenntniß. . 
Hierauf wird der Gesetzentwurf, zur Re'geluikg der 
Alpwirthschast in Berathung genommen. Die f. Re 
gierung bemerkt bei Vorlage dieses Gesches: 
Obwohl sich die f. Regierung jederzeit und allerorts 
angelegen sein läßt, die volkswirthschastlichen Interessen 
des Fürstenthums nach Möglichkeit zu Hetzen, so reichen 
ihre Kräfte dennoch in manchen Fällen wegen Mangel 
einschlägiger Gesetze nicht aus. 
Dies ist namentlich bei der Alpwirthschaft eingetreten, 
welche Hierlands noch ziemlich auf primärem Stand 
punkte sich befindet, ungeachtet der Alpenkompler beinahe 
ein Drittheil des Ländchens einnimmt, und durch seine 
Lage und Bodenbeschaffenheit sich recht wohl zu einer 
rationellen Äewirthschaftung eignet. Die liechtensteini 
schen Alpen gehören theils Genossenschaften und Ge 
meinden an> theils sind sie Privatalpen In den mei 
sten Alpbezirken wird nun nach Willkühr und eigenem 
Ermessen aufgetrieben, gesömmert und gesennt, ohne daß 
hiebei darauft Rücksicht genommen werden möchte, ob die 
Alpen überhaupt - derart ertragsfähig sind, um das 
ganze aufgetriebene Vieh zu nähren. Für die Säube 
rung der Weideslächen geschieht ebenfalls wenig oder 
gar nichts. Die Wälderbestände sind dem steten Ein 
trieb der Viehherden ausgesetzt und leiden hiedurch be 
greiflicherweise sehr. .
        

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