Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/54/
Amerika, China, sogar nach Australien. Die günstigen 
Resultate seien hauptsächlich der Pünktlichkeit und Ge 
nauigkeit in Auswahl des Materials zu verdanken, wo 
durch eine gleichbleibend gute Waare erzeugt werden 
könne. Auf der Seine in der Nähe des Ausstellungs 
palastes ist ein nur für zwei Mann eingerichtetes Schiff 
chen aus Nordamerika zu sehen, welche die Reije über 
den Ozean in dieser Nußschale gemacht haben wollen. 
Wahrscheinlich amerikanischer Schwindel! 
In Paris ist alles lackirt, selbst die Tugend. Da 
her fragte sich ein Berliner Fabrikant, wie machst Du's, 
daß deine Lackwaaren auf der Ausstellung nicht über 
sehen werden? — Er fandS. An seinem Stande ließ 
er ein Bild anbringen, auf welchem stch Napoleon und 
Bismarck die Hände schütteln, beide glänzend lackirt, 
aber man sieht nicht, wer den andern lackirt hat. Unter 
dem Bilde ist deutsch und französisch zu lesen: „Dieser 
Lack hält besser als der englische!" — Jeder bleibt ste 
hen, liest, lacht und erzählts dem Andern. Der Berli 
ner Lackirer hat sein Glück gemacht. 
Scharfe englische Beobachter in Paris glauben nicht 
an eine lange Dauer des Jubels in Paris. Sie fan 
den den Kaiser Napoleon körperlich sehr gebrochen, die 
Kaiserin innerlich trüb gestimmt. Was die Gesundheit 
ihres Stammhalters betrifft, so sollen die unterrichteten 
Aerzte der Ansicht sein, „daß er wohl kaum das Alter 
der Großjährigkeit zu erreichen im Stande sei." 
Die Hauptsumme der östreichischen Staatsschuld 
belief sich Ende 1866 auf 2,9l9,717,690 fl.; das ist 
387,634,540 fl. mehr als Enbe 1865. Das ist in 
Zahlen ausgedrückt die Uebersetzung von Montecucculis 
Wort: Der Krieg kostet Geld/ 
Bismarck zog IN Paris in seiner weißen Kürassier- 
Uniform und die Pickelhaube auf dem Kopfe ein, worü 
ber die Pariser ihre Glossen machen. 
Der Bundesrath schlägt der Bundesvetsammlung vor, 
die Tare für eine telegraphische Depesche von 20 Wor 
ten vom nächsten Oktober an auf 75 Cent, herabzu 
setzen mit einem Zuschlag von 25 Ct. für je wettere 
10 Worte. Auch diese ermäßigte Tare soll den Ueber 
gang bilden zu einer definitiven Tare von 50 Cts. 
Ueber das Schicksal des unglücklichen Kaisers Mar 
in Merico ist man noch nicht im Klaren. Neuere Be 
richte lassen Hoffnung, daß er von dem mericanischen 
Präsidenten Iuarez begnadigt werde, und man rechnet 
um so mehr darauf, als auch die nordamerikanische Re 
gierung sehr entschiedene Einsprache für Maximilian ge 
macht habe. Auch der alte Garibaldi erhebt seine 
Stimme für den Kaiser in einem Schreiben an Iuarez, 
worin er sagt: „Sei gegrüßt, Iuarez, du Veteran der 
Freiheit und der Menschenwürde. Du verzweifelst nicht 
an der Rettung deines Volkes, trotz der Menge der 
Verräther, trotz der vereinigten Kräfte dreier Kaiserreiche, 
trotz aller Künste der Nekromantie, die ja stets bereit ist 
sich mit der Tyrannei zu verbinden. Feinde des Blu 
tes jedoch, verlangen wir von dir das Leben Maximi 
lians^ — verschone ihn! Dies erbitten von dir die 
Mitbürger des tapfern Generals Ghilardi, der auf sei 
nen Befehl von seinen Schergen erschossen wurde 
schone ihn und schicke ihn seiner FamUe znrück, als 
Beweis, daß das Volk schließlich immer siegt und — 
verzeiht." 
Die vom Irrsinn befallene Kaiserin Charlotte in Mi- 
ramar soll durch die Mittheilung von der gefährlichen 
Lage ihres Gemahls momentan wieder die Klarheit ih 
res Geistes gewonnen haben. Sie rief aus, daß die 
mericanische Nation keine mörderische Hand an einen 
Fürsten legen werde, der mit so großer Aufopferung sich 
der Wiedergeburt des Landes gewidmet babe, in allen 
Fällen aber habe der Kaiser seine Schuldigkeit gethan. 
Bern. Die Regierung von Bern hat, in Anbetracht 
der jahrelangen aber immer fruchtlosen Versuche, im 
Einverständniß mit den kirchlichen Behörden die kathol. 
Feiertage im Jura zu reduziren, ein ähnliches Feiertags 
dekret wie das von Solothurn neulich erlassene vorbe 
reitet, um dem am 28. v. zusammengetretenen Gr. Rathe 
eine Reduktion der kath. Feiertage im Jura auf folgende 
zu beantragen: Weihnacht, Auffahrt, Himmelfahrt Ma 
ria, Allerheiligen, Frohnleichnamsfest und Neujahr. Die 
Gaz. Jur. meint, die Stände der Diözese Basel hätten 
nicht selbst beschließen, sondern mit Rom direkt unter 
handeln sollen, wie Freiburg, so wären sie auch zum 
Ziele gelangt. Die „Schwyzer Ztg." dagegen, die kei 
nes Pseudokatholizismus verdächtig ist, schreibt darüber 
Folgendes: „Man wird nun klagen über Eingriffe des 
Staates in die Kirche; hingegen ist die Zersplitterung 
der kirchlichen Ansichten und die sich geradezu widerspre 
chenden Erlasse schweizerischer Bischöfe für und gegen 
die Feiertage zum Mindesten ebensosehr zu bedauern. 
Der Bischof von Freiburg hat in einem Hirtenbrief ge 
gen die vielen Feiertage geschrieben, der von St. Gallen 
für Beibehaltung, der von Solothurn will nur die in 
dustriellen Etablissemente an einzelnen Feiertagen zur 
Arbeit ermächtigen. Was muß nun dieser Wirrwarr in 
kirchendisziplinarischen Dingen auf eine protestantische 
Regierung für einen Eindruck machen, da man sonst 
gewohnt ist, auch von protestantischer Seite wenigstens 
die große Einheit und Gleichheit in den katholischen 
Lehren zu achten, wenn nicht zu bewundern? Man kann 
ferner die Thatsache und den Widerspruch nicht läugnen. 
daß das Bisthum Freiburg-Lausanne links von Jura 
und die französischen Bisthümer rechts von Jura die 
Feiertage bereits auf obige reduzirt haben und Freiburg 
und Frankreich seien — so räsonnirt man — bekannt 
lich auch katholisch und zwar sehr." 
Bekanntlich lag auf dem St. Galler Großenrath der 
Antrag vor, polizeilichen Schutz nur der Sonntagsfeier 
und jenen Tagen zu gewähren, welche von Katholik und 
Protestant gleich gefeiert werden. Der Antrag fiel und 
hatte bekanntlich alle Wirthe der Versammlung zu Geg 
nern. — Der Cantonsrath von Aarau beschloß am 22. 
v. M. weltlicherseits für Katholiken nur den Neujahrs 
tag, Auffahrt, Frohnleichnamsfest, Maria Himmelfahrt, 
Urs und Viktor, Allerheiligen und Weihnacht; 2) für 
die Protestanten: den Neujaörstag, den Charfreitag, 
Auffahrt und Weihnacht Schutz zu gewähren. 
Chur. Am letzten Sonn,ag wurden hier 4 Knaben 
im Alter von 8—10 Jahren, wovon 3 zugleich beim
        

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