Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/5/
Liechtensteiner Landcözcitung. 
fünfter ^akrxayx. 
Vaduz. Samstag 
Rro. S. 
19. Januar 18K7. 
Dieses Blatt erscheint in der Regel monatlich 3mal und kostet ganzjährig l fl. 50 kr. Einrückungsgebühr für die gespal 
tene Zeile 4 Nkr Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion — in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buch 
handlung oder hei der t. t. Post. Die Redaktion besorgt auch Bestellungen auf das liechtenst. Landesgesetzblatt. 
Vaduz, 15. Januar. 
Seit dem Antritt des neuen JahreS hat sich das all 
gemeine Mißtrauen der Völker in die Sicherheit des 
Weltfriedens nur noch vermehrt. Man glaubte allge 
mein, es dürfte uns Heuer ein Friedensjahr bescheert sein, 
damit sich Industrie, Handel und Gewerbe, Landwirth- 
schast :c. von den Schlagen deS vorigen Jahres etwas 
erholen könnten. Man glaubte, der französische Kaiser, 
welcher allgemein als der politische Wettermacher gilt, 
werde die unruhigen Elemente zu bannen wissen. Die 
Lage ist nicht so, daß man diese Hoffnung festhalten 
könnte. In der Türkei entbrannte ein Kampf zwischen 
Christen und Türken, der sich schwer auslöschen läßt. 
Der Druck und die Knechtung der Christen unter dem 
türkischen Regiment sind bis zur Unerträglichst gestie 
gen. Es bedarf eines Zufalls und die Völker der tür- 
kisch-griechischen Halbinsel stehen allesammt in Waffen, 
um den Türken wieder nach Asien zurück zu treiben. 
Ob es dem gewaltigen Napoleon gelegen ist, darnach 
werden sie wenig fragen; zumal noch andere Mächte 
ihre Hände im Spiel habenRußland, Preußen zc. 
Aber auch in Frankreich herrscht eine dumpfe Stim 
mung unter den Geistern. Die großartigen Siege Preu 
ßens haben die französische Eifersucht in hohem Maße 
erregt. Mail ist gespannt auf eine gute Gelegenheit, 
um Preußen zu demüthigen. Trotz friedlicher Worte 
verwendet der Kaiser ungeheure Mittel auf die militäri 
schen Rüstungen. Wären nicht die Zündnadeln, so 
könnte uns vielleicht der nächste Frühling den Bruch 
herbeiführen. 
Trostlose Aussichten in der Ferne und hoffnungslos 
in der Nähe! Der Kaiser von Oestreich erließ einen 
Aufruf an seine außerungarischen Länder, einen neuen 
außerordentlichen Reichsrath zu beschicken. Anstatt an 
den früheren sistirten Reichsrath anzubinden, denselben 
wieder in sein Recht einzusetzen, wird ein neues Recht 
geschaffen oder commandirt. Die Deutschöstreicher eini 
ger Länder fühlen, daß man derlei Dinge nicht wechseln 
dürfe, wie ein Kleid. Sie sind nicht gewillt, Abgeord 
nete zu wählen. Wie man ein früheres für ewige Zei 
ten gesetztes Statut aufhob, so kann es einem zweiten 
Und dritten geschehen — das Mißtrauen ist leider ge 
rechtfertigt. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 16. Jan. Vorige Woche verstarb dahier die 
Jgfr. Theres Rheinberger, Besitzerin deS sogen, 
rothen Hauses und des dabei gelegenen St. Johanner 
Weinbergs. Die Verstorbene hat sich nicht nur in hie 
siger Gemeinde, sondern auch im Lande , eine bleibende 
Erinnerung verschafft durch mehrere Legate zu öffentli> 
chen Anstalten. Zur Fundirung der hiesigen Mädchen 
schule gab sie schon in den 50er Jahren fl. 1000, fer 
ner widmete sie einem zu erbauenden Armenhause fl. 
1000 und weitere fl. 400 zum Baue einer neuen Kirche. 
Die Verstorbene besaß eine bedeutende geistige Regsam 
keit und, was man leider nicht sehr oft findet, ein aus 
gesprochenes Interesse für Gemein- und öffentliche An 
gelegenheiten, wie es ihre Legate beweisen. — Sie ruhe 
im Frieden! 
Bayern hat den Minister v. d. Pfordten nicht mehr, 
dafür einen Fürsten Hohenlohe. Derselbe verfolgt die 
Politik eines Bündnisses der süddeutschen Staaten mit 
Preußen und Stellung unter dessen Führung im Kriegs 
falle, dabei aber Aufrechthaltung der bayerischen Selbst- 
ständigkeit. 
Im Kreise Oberbayern können 61 Schulstellen 
aus dem Grunde nicht besetzt werden, weil keine Lehrer 
da sind. 
Der Reinertrag, welchen der Fürst von Thurn und 
Taxis von den Posten jährlich gehabt hat, soll sich 
nach preußischen Berechnungen auf 500,000 fl. belau 
fen haben. Diese Summe soll der Ablösung zu Grunde 
gelegt werden. 
In der Schlacht bei Hettstadt fiel der preußische Hu- 
saren-Rittmeister Fürst Radziwill verwundet unter sein 
Pferd und war in Gefahr, von der bayerischen Kaval 
lerie überritten zu werden. Ein bayerischer Kürassier- 
Wachtmeister bemerkte ihn, stieg ab, zog ihn unter dem 
Pferde hervor und brachte ihn aus der Gefechtslinie. 
Radziwill wurde in ein Lazareth gebracht und hergestellt. 
Zum Weihnachtsfest sandte er seinem Retter einen Dank 
brief und 1500 Thaler und versprach, für ihn zu sor 
gen, wenn er alt werde und nicht mehr dienen könne. 
Holland. Die Rinderpest nimmt in diesem Lande 
höchst verheerende Dimensionen an und war am 1. De 
zember v. I. der Stand folgendermaßen: Kranke Thiere 
97,701, gestorbene 41,809, geschlachtete 19,681, wieder 
hergestellte 32,606. Bei dem bedauernswerthen System 
der SanitätSpolizei, wie es in Holland und in England 
gehandhabt wird und welches Behandlung der erkrankten 
Thiere gestattet, ist eS mehr als wahrscheinlich, daß die
        

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