Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/47/
den erdenklichsten Lurus bezweckt und die feinste Bega 
bung der arbeitenden Hand erheischt; dann kommen die 
Deutschen an die Reihe. Dies Verhältniß stellt sich 
schon zum viertenmal heraus und wird so lange dauern, 
bis die germanische Race sich wieder unter Einem Hut 
vereinigt hat, wie unter den Hohenstauffen. Unter den 
deutschen Stämmen (Preußen, Oestreich, Süddeutschland, 
Schweiz) behauptet Preußen, was die große, ernste, den 
Ausschlag gebende Industrie betrifft, unbestritten den er 
sten Platz. Seine großartige Leistung in Geweben, in 
der chemischen und Eisen-Produktion entspricht ganz der 
wissenschaftlichen Bedeutung Norddeutschlands und der 
allgemeinen Volksbildung. Krupps Riesenlanone und 
sein in einem Stück gegossener Stahlblock von 40,000 
Kilogrammen Gewicht — zu ihnen eilt Jedermann zu 
erst in der Ausstellung. Krupp soll die Kanone 
(200,000 fl.) seinem König zum Geschenk angeboten 
haben. Dagegen ist hervorzuheben, daß sich die östr. 
Manufakturen, Tücher zc. sehr auszeichnen. ^ 
In der östreichischen Abtheilung der Ausstellung er 
regte die Waidhofener Sensen-Pyramide Napoleons 
Aufmerksamkeit und zugleich sein Erstaunen über die 
billigen Preise. Der Kaiser nahm mehre Sensen in die 
Hand und untersuchte sie genau; um ihm die Härte, 
derselben zu zeigen, ergriff der östreichische Commissär 
v. Wertheim eine Sense, führte einen Hieb gegen eine 
Eisenblechtafel und überreichte dem Kaiser das unver 
sehrte Schneidewerkzeug. Sind die östreichischen 
Eavallerie-Säbel aus demselben Stahl? 
fragte der Kaiser. — „Nein, Ew. Majestät, sie sind 
noch härter und schneidiger!" 
Als neulich Preußen und Franzosen in der- Pariser 
Ausstellung hinter einander geriethen und die Preußen 
der Ueberzahl weichen mußten, kamen ihnen die Oestrei 
cher, namentlich die Wiener, mit ihren Fäusten zur 
Hilfe. „Das gibt's m't", riefen sie, „daß Deutsche von 
Franzosen geschlagen werden!" 
Zu den ungehobenen jungfräulichen Schätzen Oest 
reichs gehören vor allem die großen Waldungen des 
Kaiserstaats. Kenner haben ausgerechnet, daß allein 
aus den kroatisch-slavonischen Wäldern jährlich für 40 
Millionen Gulden Holz jeder Art ausgeführt werden 
können, ohne daß es die Wälder spüren. Im Gegen 
theil, es werde den Wäldern wie den Köpfen gut thun, 
wenn etwas mehr Licht hineinkomme. 
In Schleswig herrscht zwar keine Rinderpest, aber 
der 13. Mai war doch ein großer Unglückstag für das 
Rindvieh. An der Westküste erhob sich ein heftiger 
Nordoststurm mit Regenschauern, der das auf der Weide 
befindliche Vieh in die mit Wasser überfüllten Gräben 
trieb, so daß an 1000 Stück darin den Tod fanden. 
Der nämliche Sturm verschlug auch einen 9 Fuß lan 
gen Delphin an das Land. Er wog 432 (?) Pfund. 
In Holland hat die Viehseuche bedeutend nachge 
lassen. Die Kammern haben ein Gesetz angenommen, 
nach welchem alle noch vorhandenen kranken Thiere so 
fort getödtet werden' sollen; die Entschädigung an die 
Eigenthümer wird unter die Gemeinden und den Staat 
vertheilt. Holland hat bis jetzt 60,000 Stück Rinder 
durch die Pest verloren. 
Herr Sailer in München studirte das JuS, bestand 
die Prüfung und wurde Rechtspraktikant. Das war 
die erste und leichteste Prüfung, die schwerere kam nach, 
er konnte weder zu Amt, noch Brod gelangen. Da 
meldete er sich zum Boten am Bezirksgerichte Straubing 
und — wurde eS auch. 
Der Zudrang zu dem Ausstellungspalaste auf dem 
Marsfelde ist so außerordentlich, daß die Fahrzeuge zu 
Land und zu Wasser nicht ausreichen, die Masse der 
Schaulustigen zu befördern. 
Amerika. Die nördlichen Staaten werden durch den 
mir allen Schrecken wieder ausgebrochenen Krieg mit 
den Indianern in Bestürzung gesetzt. Denn diese Kriege 
sind, obwohl der Ausgang stets zu Gunsten der Weißen 
ist, immer sehr blutig und kosten außer an Menschenle 
ben auch große Opfer an Geld, da große Streitkräfte 
auf weite Entfernungen abzusenden sind. Es haben sich 
mindestens ein Dutzend Stämme zum „Kriegspfad" ver 
einigt und General Hancock wird den Oberbefehl über 
die Unionstruppen führen. 
Dunkle Nachrichten aus Meriko lassen es möglich er 
scheinen, daß Kaiser Maximilian als Rebell gegen die 
gesetzliche Regierung erschossen worden sei. Diese mexi 
kanische Geschichte muß Napoleon schwer auf dem Ge 
wissen liegen. Maximilian, der Erzherzog von Oest 
reich, den er nach Meriko geführt, süsilirt, nachdem man 
seine Rückkehr nach Europa verhindert und ihn verlas 
sen hatte; seine Gemahlin wahnsinnig und Frankreich 
um eine Milliarde ärmer. Das sind die trübseligen 
Resultate der mexikanischen Erpedition. (Bestätigung ist 
noch zu gewärtigen.) 
Der ehemalige Präsident der rebellischen Südstaaten, 
Jefferson Davis, ist gegen Kaution in Freiheit gesetzt; 
man glaubt nicht, daß er nochmal vorgeladen wertze, 
wenn er sich nicht wieder in politische Umtriebe einläßt. 
Jedenfalls ist dieß Verfahren gegen das Haupt der Re 
bellen fehr abnorm, wenn man erwagt, wie solche poli 
tische Sünder in Europa unschädlich gemacht werden. 
In 19 Monaten hat die Staatsschuld der Verei 
nigten Staaten von Nordamerika um 234,261,501 
Dollars abgenommen. So schnell werden wohl nirgends 
Schulden bezahlt. 
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