Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/46/
Heimen Umtrieben zu Gunsten des entthronten Georg kiex, 
von Polizisten, Verhaftungen, Belagerungszustand?c. 
Die Westfalen waren s. Z, sehr schwierig m Preußen 
umzuwandeln, die Hannoveraner so ziemlich tnesnbe 
Qualität, werden es nicht minder schwierig machen. Die 
neben der Einigung Rorddeutschlands hergehende Ver 
größerung Preußens ist und bleibt ein politischer Miß 
griff, dessen Folgen sich schon jetzt fühlbar machen in 
der Kräftigung des Absolutismus und in der Ueberwu- 
cherung des gesammten politischen Lebens durch die ein 
seitige übertriebene Pstege des E?oldatenthums. Man 
lasse sich hier nicht täuschen, die preußische Wehrkraft 
ist in ihrer neuern Gestalt nicht so fast ein Volk in 
Waffen im guten Sinne dieses Wortes, als ein Volk 
in der Caserne, ebenso brauchbar zu Cabinetskriegen wie 
ein anderes stehendes Heer, 
Allerhand Neuigkeiten. 
Liechtenstein. Die ungewöhnliche Kälte in den Ta 
gen vom 23. und 24. Mai war auch Hierzuland mit 
einzelnen, unter den Regen gemischten Schneeslocken be 
gleitet. Die Bergabhänge waren fast bis auf die Thal 
sohle herab mit Schnee bedeckt; der Morgen des 24. 
brachte in einzelnen Strichen ziemlich starke Reife, welche 
an Kartoffeln und Mais empfindlichen Schaden anrich 
teten. Der Weinstock, welcher sich üppig entwickelt, hat 
jedoch nicht gelitten. Laut Bericht der Feldk. Ztg. warf 
es am 24. auf dem Arlberg 5 — 6 Fuß tief Schnee. 
Frostschäden hat man jedoch auch in Vorarlberg nicht zu 
beklagen. — Dagegen verursachte im Mai ein Hagel 
wetter im Kanton Thurgau erheblichen Schaden. 
In der Rheincorrection zwischen Oestreich und der 
Schweiz läßt sich ein Abkommen hoffen und soll deß 
halb am 3. Juni in Bregenz oder Constanz eine inter 
nationale Commission zusammentreten. 
Schweiz. (Kanton St. Gallen.) Trotz dem 
Dränge der Feldarbeiten sind unsere Köpfe auch mit Po 
litik beschäftigt und da der meinige nur unbetheiligter 
Zuschauer ist, so konnte ich um so besser meine Beobach 
tungen machen, will mich aber hier in Kürze fassen. 
Bei den Kantonsrathswahlen fanden sehr viele Neuerun 
gen statt und sind bedeutend zu Gunsten der Liberalen 
ausgefallen. 
Sargans räumte den bisherigen Gemeinderath, trennte 
das Administrative vom Politischen. Diese kleine Ge 
meinde wird fürderhin in den Gemeinde-, Verwaltungs-, 
Schul- und Kirchen-Räthen zc., Feuerpolizeicommission, 
Mitglieder des allgemeinen und des katholischen „Großen 
Rathes", Vermittler und dessen Stellvertreter, Richter, 
den verschiedenen Rechnungscomnussären, ferners den 
Sekretären und Weibel zc. ein Beamtenheer von gut 
ca. 50 Mann auszuweisen haben, so daß der Sarganser 
nun gesonnen ist, um nicht immer salutiren zu müssen, 
den Hut unter dem Arme zu tragen. 
In Ragaz gab's nach alter Sitte wieder Tumult und 
es wurde die Gemeindeversammlung vom h. RegierungS- 
tathe kassilt. 
Mels ließ auch nicht Alles beim Alten, entsprach aber 
dennoch einer herumgebotenen preußischen Liste nicht. 
Als Bezirksamymnn wurde der bisherige Hr. Jacob 
Hächer wieder bestätigt. 
Basel. Die Vasler Bierbrauer haben durch den 
Aufschlag des Biers von 13 auf 15 Rappen die ge 
rechte Entrüstung aller Biertrinker und Arbeitseinstel 
lung der Letztern hervorgerufen, sind aber wieder größ 
tenteils zum Kreuze gekrochen und kündigen nun im 
„Volksfreund" die Preisherabsetzung auf 13 Rappen an. 
Die Biertrinker sind wieder zu ihren Herren zurückge 
kehrt und beginnen ihre Arbeit mit vermehrter Thätig 
keit. 
Landamman Heer von Glarus, der eidgenössische Ge 
sandte in Berlin und bei den süddeutschen Höfen ernannt, 
hat sich zuerst nach Berlin begeben, und wurde dort sehr 
freundlich aufgenommen. 
— Aus Kaltbrunn kommt die Nachricht, daß, Dank 
den jüngern Bürgern der Gemeinde, die den Kopf am 
rechten Fleck haben, die von der Genossengemeinde ver 
langten 20,000 Fr. als Geschenk für den Bau einer 
Buntweberei mit großem Mehr dekridirt wurden. 
Glarus. In diesem Kanton eristirt noch die Ein 
richtung, daß das Ohmgeld auf Wein und Branntwein 
verpachtet wird. Die Pachtsumme pro 1866/67 betrug 
33,030 Fr. und ist nun für ein neues' Pachtjahr aus 
39,020 Fr. gesteigert worden. 
Schwyz. In Schwyz und Umgegend weiden ge 
genwärtig über 1000 Kühe aus dem Kanton Uri. Das 
Gras gilt per Woche 7 bis 8 Fr. Die Milch zum Kä 
sen wird um 11 bis 12 Ms per Maß verkauft. 
Au f de m Zürichsee bei Bendlikon. Fremder 
zum Kapitän: Sägen Sie mir, was ist denn das für 
ein großartiges Gebäude dort über dem See? 
Kapitän: Das ist die zürcherische Irrenanstalt. 
Fremder: Gibt es denn im Kanton Zürich so schreck 
lich viel Narren? 
Kapitän: Es hät öppis, aber mer nämed 
halt au Fröndi. 
Ein Bewohner des Armenhauses Wattwyl lag auf 
dem Sterbebett. Der Armenvater, welcher das Ende 
des Kranken nahen sah, fragte denselben, ob er nicht 
wünsche, daß man ihm noch ein Gebet vorlese, worauf 
derselbe antwortete: „Mein letzter Wunsch ist: Gebet 
mir noch ein Rügeli Tabak und denn wemmers läddera 
lo!" Der Wunsch wurde ihm erfüllt und gemüthlich 
schmauchend schied der originelle Mensch hinüber. 
Bon der Ausstellung. Großes Aufsehen und all 
gemeine Bewunderung erregt die Straßenlokomotive ei 
nes französischen Fabrikanten, der mit derselben täglich 
in den Längen-Alleen Probefahrten vornimmt. Dieselbe 
fährt auf den schlecht chaussirten Wegen mit der Schnel 
ligkeit des Pferdegallopps, wendet auf der Stelle und 
steht im raschesten Laufe fast augenblicklich stlll. 
Ueber die Rangordnung der europäischen 
Aussteller in Paris läßt sich ein Sachkundiger 
ein Oestreich er — also vernehmen. Frankreich und Eng- 
land schreiten voran, letzteres an Massenerzeu'gung, er 
steres in allem, was das irdische Dasein verschönert, 

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