Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/39/
Gemeindegut besitzt, eine solche Anstalt verhaltnißmäßig 
leicht aufbringt. Wie aber wird es in jenen Gemein 
den ergehen, deren Kräfte schon überladen sind, Sie 
werden das Unmögliche nicht vollbringen und die Ar^ 
men ihrem Schicksal überlassen müssen. 
Gmelch zitirt noch einen Fall aus einer bündner 
Gemeinde, wo man auch ein Ortsarmenhaus einrichtete 
(in Ems bei Cbur). Anfänglich brachte man etliche 
Arme in die Anstalt, aber nach 3 Zahren stand sie 
leer, es waren wohl Arme in der Gemeinde, aber sie 
weigerten sich aus Schamgefühl inS Ortsarmenhaus zu 
gehen. 
Kind: Ich dagegen finde den Charakter unserer Leute 
so, daß sie um keinen Preis ihre Heimatsgemeinde, ihr 
Vaterhaus verlassen wollen, sie leiden eher Noth, als 
sich hinaus zu wagen. 
Büchl: das bestätigte sich auch in Vorarlberg. In 
Höchst besteht ein Armenhaus für 2 oder 3 Gemeinden, 
allein es ist nur von Armen aus Höchst bevölkert, die 
Armen der übrigen Gemeinden müssen zum Besuche 
gezwungen werden. Ich weiß aus Erfahrung, daß kein 
Armer und Kranker die Gemeinde verlassen will. — 
Auch ist es noch nicht ausgemacht daß ein Gemeinde- 
Armenhaus auf fl. 6000 zu stehen kommt; man kann 
ja irgend ein Haus zu diesem Zwecke erwerben. 
Kind: Und zudem können sich ja zwei naheliegende 
Gemeinden zu einem gemeinschaftlichen Armenhaus ver 
einigen. 
Schad ler: damit bestätigen Sie eben, daß mehrere 
Gemeinden billiger thun, als eine einzelne, und daß ein 
Armenhalls für das Land am billigsten den Zweck er 
reichen läßt. 
Kirchthaler: Die Gemeinden, welche man als 
Muster vorhält, wie Dornbirn, Rankweil haben alle 
mehre tausend Einwohner, wahrend bei uns die stärkste 
Gemeinde kaum über 1000 Seelen zählet. Was bei 
größern Gemeinden durchführbar ist, geht nicht bei 
kleinen. 
Im weitern Verlauf der Debatte wird dann auch 
noch das Armenhaus der Gemeinde Tnesen zitirt, was 
aber bei seiner jetzigen Einrichtung und den traurigen 
Ersahrungen welche die Armen dort zu machen Gele 
genheit bekamen, eher dazu dient, von Gemeindehäusern 
abzuschrecken als sie zu empfehlen. Endlich schreitet man 
zur Abstimmung, und es sind für Errichtung von Ge 
meinde-Armenhäusern nach Commissionsantrag 1: 
Keßler, Schafhauser, Schlegel, Erni, Beck, Kind; die 
übrigen 9 Abgeordneten stimmen dagegen. Für den An 
trag des Präsidenten: es sei ein landschaftliches Spital 
zu errichten, stimmen Marrer, Kirchthaler, Gmelch, Schäd- 
ler, Wolfinger, die übrigen 10 Abgeordneten stimmen 
mit Nein. 
Der Commissionsantrag 2: Verkeilung des Armen 
fonds, wird einstimmig verworfen. 
Dagegen wird einstimmig angenommen, daß die In 
teressen jährlich nach der Bevölkerungszahl an die Ge 
meinden vertheilt werden sollen. 
Der Antrag deS ReggS-CommissärS: „Die Armen 
versorgung bleibt eine ausschließliche Pflicht dtt Gemein 
de", wird mit 14 gegen 1 St. angenommen. 
Hierauf bringt der f. Rg.-Commissär noch die Vor 
lage einer Forderung von fl. 4000 zur Unterstützung 
der Gemeinde Schaan, um eine sehr gefahrdrohende 
schadhafte Stelle in ihrer Wuhrlinie beschleunigt her 
stellen zu können. ^ 
Es erfolgt nun noch die Wahl einer Commission zur 
Berichterstattung wegen der von f. Regierung proponir- 
ten Rekrutenaushebungen pr. 1867, 1868 und dann 
die Wahl der Finanzkommission, welcher alle auf Geld 
sachen bezügliche Vorlagen zugewiesen werden sollen. 
Die erstere Commission besteht auS den Mitgliedern 
Schadler, Marrer, Quaderer, Keßler und Kirchthaler. 
Die Finanzkommission aus denselben Mitgliedern mit 
Ausnahme Marrers, für welchen Kind eintritt. 
Um 1 Uhr Schluß der Sitzung. 
Anzeigen. 
Kundmachung. 
Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß zur 
Erleichterung des Verkehrs und zur Herstellung einer 
Influenz mit den Abendzügen der schweizerischen Eisen 
bahn mittelst der Rheinüberfahrt an die Zollämter Bal 
zers, Vaduz, Schaan, Bendern die Weisung erging, Rei 
sende, welche die Abendzüge der Schweizerbahn benützen, 
und daher die bezüglichen Stationen zu Trübbach, Se- 
velen, Buchs, Haag erreichen wollen, oder welche mit 
den Abendzügen an den genannten Stationen angelangt, 
von nun an auch nach der allgemeinen Sperrstunde in 
zollämtlicher und polizeilicher Richtung noch abzufertigen 
und vorausgesetzt, daß sie keine zum Handel bestimmten 
Gegenstande mit sich führen, ungehindert über den Rhein 
passiren zu lassen. 
Fürstl. L. Regierung 
. Vaduz, den 6. Mai 1867. 
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