Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/31/
recht von Sargans zu schenken. — Herr Kindli hat 
wirklich während seines obwohl kurzen Aufenthaltes in 
Sargans viel Tüchtiges geleistet und gegründet — so 
daß wir uns zu diesem Beschlusse nur gratuliren können. 
Adieu Ihr lieben Liechtensteiner! — genug für heute 
-- ein anders Mal mehr. 
— Die „St. Galler Zeitung" erzählt: Ein ehrsamer 
Bürger der schwäbischen Lande hatte sich in der Schweiz 
ein gut Stück Geld verdient. Als er letzter Tage mit 
dem Dampfer von Rorschach abfuhr, nahm er seinen 
Geldbeutel hervor und zählte nochmals seine Geldvögel. 
— Es waren circa 700 Fr. Dann rief er mit dank 
barer Freude aus: „Adje Schweiz! ich habe mein Glück 
gemacht", und schwang seinen Geldbeutel dazu. Da fuhr 
der Geldbeutel über Bord und die Ersparnisse deS armen 
Teufels versanken in die Tiefe des Sees . 
Von allen Nationen sind die Engländer im Ansstel- 
lungspalafte in Paris am weitesten vor. Bei ihnen 
steht man doch wenigstens geöffnete Collis. An die 
Briten reihen sich die Franzosen und demnächst die Rus 
sen und Amerikaner sowie Dänemark an, welches letztere 
bereits einige reizende Schiffsmodelle in kleinem Maßstabe 
aufgestellt hat. In der deutschen Abtheilung sieht es 
noch ungeheuer wüst aus, und zwar um so mehr, als 
der für Maschinen bestimmte Raum schon vollgepfropft 
ist. Die Berliner Industrie zeigt sich durch Locomotiven 
(die zweitausendste von Borsig) und Eisenbahnwaggons 
(von der Gesellschaft für Eisenbahnbedarf), die Wiener 
gleichfalls durch Locomotiven (Oestreichische Staatseisen- 
bahngesellschaft), die Prager durch eine große Zahl land- 
wirthschaftlicher Maschinen (nnmentlt'ch von Borrosch und 
Eichmann), Sachsen vorzüglich durch Chemnitzer Fabri 
kate, Baden durch eine Locomotive von der Karlsruher 
Maschinenbaugesellschaft dem flüchtigen Blicke schon jetzt 
vertreten. Trotz der Fülle bleiben jedoch die Engländer, 
Franzosen und Belgier in diesem Punkte nicht hinter 
unS zurück. Dagegen steht es schon jetzt fest, daß die 
deutsche Abtheilung durch die Riesenkanone von 
Krupp aus Essen, durch den Salztempel von der 
Staßfurter Saline und durch die Kolossal-Reiterstatue 
des Königs Wilhelm von Preußen (für die Kölner 
Brücke bestimmt) das gefammte Jnteressö in dem erhöh 
testen Grade in Anspruch nehmen wird, weil keine an 
dere Nation etwas AehnlicheS ausstellt und die Krupp'- 
sche Kanone in der That einzig in der Welt ist. 
SanH-Diamant. Einer der bekannten Diamanten, 
die eine Geschichte haben, ist mit der letzten indischen 
Post von Bombay aus eingetroffen. Es ist der bekannte 
„Sancy-Diamant", der unter der Beute der Schlacht bei 
Granson den siegreichen Schweizern in die Hände siel. 
Nachdem der Stein, den man damals an der Person (?) 
Karl deS- Kühnen gefunden, durch verschiedene Hände ge 
gangen war, kaufte ihn 1779 der König von Portugal, 
verkaufte ihn aber 10 Jahre später wieder an RicolaS 
de Baily, Baron de Sancy, von dem er seinen jetzigen 
Namen trägt. Als Geschenk wurde von diesem Edel 
mann der Stein an den König von Frankreich abgesen 
det. Der Ueberbringer indessen, von Räubern angefallen, 
sah keinen andern Ausweg als die kostbare Sendung zu 
verschlucken. Er muß trotzdem oder vielleicht deshalb He- 
tödtet worden sein, denn die Erzählung sagt, man habe 
den Diamanten in seinem Leichnam gefunden. In spä 
terer Zeit besaß Jakob U. von England den Stein und 
verkaufte ihn für 25,000 Pfd. Sterl. an Ludwig XIV. 
Bis zur Revolution blieb derselbe dann in Frankreich 
und verschwand um diese Zeit zugleich mit dem noch be 
rühmteren „blauen Diamanten", der auch nicht wieder 
zum Vorschein kam. Der Sancy tauchte später wieder 
auf und wurde von Napoleon angekauft ^ von dem er 
später ebenfalls käuflich in die Hände des Fürsten Demi- 
doff überging. Das Gewicht des Steines ist 53^ Ka 
rat. Er ist birnförmig und sein Werth wird zwischen 
20,000 und 30,000 Pfd. Sterl. angegeben. 
— Ein Ostpreuße zog im Jahr 1864 nach Amerika, 
nahm Soldatendienste in der Union, ward in der Schlacht 
verwundet und starb im Lazareth. Die Regierung der 
Union ermittelte mit vieler Mühe die Wittwe des Ver 
storbenen und zeigte ihr an, daß sie eine monatliche 
Pension von 8 Dollars zu erhalten habe. Der rück 
ständige Sold ihres Mannes und die rückständige Pen 
sion wurde ihr mit 500 Thlr. baar ausgezahlt. Noch 
mehr, dieselbe Wittwe wurde aufgefordert, für ihre S 
unmündigen Kinder, die ihnen bis zum 16. Jahre zu 
ständigen Erziehungsgelder von 4 Dollars monatlich für 
den Knaben und drei für das Mädchen, in Anspruch 
zu nehmen. Es ist dies eine neue Mahnung an etwa 
ige Angehörige gefallener Soldaten, ihre Ansprüche gel 
tend zu machen. 
Joseph Fürst Eolloredo Mannsfeld, der frühere 
LcMdmarschall von Riederöstreich und jetzt vom Groß 
grundbesitz in den böhmischen Landtag gewählt, wird 
selbst von seinen politischen Gegnern als ein biederer 
Charakter anerkannt. Als noch Alexander Freiherr v. 
Bach, traurigen Angedenkens, Minister war, stellte sich 
Fürst Colloredo am Neujahrstage in üblicher Weise Sr. 
Majestät zur Gratulation vor und sagte, in strammer 
militärischer Haltung salutirend: „Ew. Majestät! Ich 
bin Fürst in Ihrem Reiche und erlaube mir treugehor- 
samst zu melden, daß in Oestreich miserabel regiert 
wird." Der Kaisep war überrascht, wandte sich ab und 
ging. Am nächsten Neujahrstage stellte sich Fürst Col- 
^ loredo mit denselben Worten dem Kaiser vor und so 
that er eS an drei Neujahrstagen hindurch, bis das 
Jahr 1860 herankam und er in den verstärkten Reichs, 
rath berufen wurde. 
Man spürts wohl, daß die Zukunft nicht geheuer ist, 
die großen Mächte suchen nach Bnnbesgenossen. Ita 
lien ist von drei Werbern umschwärmt, von Frankreich, 
Preußen und Oestreich, Frankreich soll bereits einen 
Korb bekommen und Preußen der bevorzugte Werber 
sein. Die Franzosen wollen sogar wissen, in einem 
Monat würden Oestreich und Preußen politische Ver-
        

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