Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/3/
lin. Der König von Preußen war dem König Von 
Sachsen bis Großbeeren entgegengefahren uno stieg 
rasch aus dem Wagen. König Johann ging ihm lang 
sam entgegen mit über der Brust gekreuzten Armen (!) 
und gesenktem Haupte und redete ihn an! Großmäch 
tigster König und Herr! Der König von Preußen ant 
wortete nichts und schloß ihn rasch in seine Arme. 
Marschall Randon ist Kriegsminister und Graf 
GolH preußischer Gesandter in Paris. Neulich sollen 
sie über die Neubildung des französischen HeereS und 
über die Hinterladungsgewehre folgendes Gespräch ge 
führt haben. G. Ich gratulire, Herr Marschall, Sie 
machen es uns ja nach. R. Frankreich braucht es Nie 
mand nachzumachen, am wenigsten Solchen, die es schon 
oft geschlagen hat; wir sind mit unsern alten Gewehren 
noch iltt^ Stande, die Preußen mit ihren Zündnadeln zu 
besiegen. G. Aber, Herr Marschall, Sie drücken sich 
ja ganz undiplomatisch aus. R. Das ist mir gleichgül 
tig, ich spreche die Sprache des Soldaten. 
Die Verfassung des norddeutschen Bundes um 
faßt das gesammte Handels- und Verkehrswesen. Ein 
Bunoesrath und die Nationalvertretung üben die Ge 
setzgebung aus. Preußen hat die Leitung des Bundes. 
Die Bundesgewalt vollzieht die Kriegserklärung, die Ab- 
schließung von Verträgen und die Ernennung von Ge 
sandten. Der König von Preußen ist Oberbefehlshaber 
der Land- und Seemacht des Bundes und ordnet die 
Kriegsbereitschaft an. Kiel und Jahdebusen sind Bun 
deskriegshäfen. Eröffnung des Reichstages t5. Februar. 
Der arme Kaiser Max wird in Meriko zurückge- 
halten, der Leser hat die Wahl, ob von den Franzosen 
oder ob von den Mexikanern. Die Pariser deuten so 
gar, wenn sie von ihm sprechen, geheimnißvoll auf die 
Stirn. Ein Wunder wäre es nicht. 
Die stehenden Heere in Deutschland kosten so viel 
Geld, daß viele aus dem Kriege heimkehrende Krie 
ger auf die Privatwohlthätigkeit angewiesen sind. In 
bayrischen Städten wurden Soldaten angetroffen, wel 
che in den Häusern milde Gaben ansprachen; aus den 
Spitälern :c. entlassene Soldaten genossen die einzige 
Begünstigung, daß sie auf der Eisenbahn um halbes 
Geld fuhrein wer kein Geld zum Fahren hatte, kehrte 
auf dem Schüstersrappen heim. In Berlin finden Haus 
für Haus Sammlungen für Reservisten und Landwehr 
männer statt, die arbeitslos und in größter Noth sind. 
Eine thüring'sche Zeitung schreibt: „Als der Herzog 
P0N Eobnrg in den Krieg zog, nahm er von seiner 
Umgebung mit den Worten Abschied: „Als Ihr Herzog 
gehe ich jetzt von Zhnen, als preußischer Landrath kom 
me ich vielleicht zurück." Der Gedanke, zu Gunsten 
Preußens abzudanken, liegt dem Herzog, wie aus Go- 
tba der „M. Z." mitgetheilt wird, nicht zu fern, die 
Ausführung aber noch etwas ferner; denn er will es 
nur dann thun, wenn keine liberale Zeitung in Preußen 
mehr gemaßregelt, kein liberaler Beamter mehr verfolgt 
wird und kein liberaler Communalbeamter unbestätigt 
bleibt. — Kann lange währen bis dabin. 
In Rünkbofen wachte der Pachtet Nachts auf, er 
hörte feine Pferde wiehern; er lief in den Stall, daS 
schönste Pferd war fort. Rasch sattelte er ^den Kame 
raden und schlug die Straße nach Bern ein; er hörte 
eine Zeitlang den Hufschlag des gestohlenen Pferdes, vor 
Bern aber war alles still und ärgerlich stellte er sein 
Pferd im Gasthof zum Kreuz ein. Da wiehert es in 
dem Stall drinnen, und sein eignes Rößlein antwortete: 
die Kameraden hatten sich gefunden, der Dieb aber war 
entflohen. 
Wallis. Der Ertrag der-Weinernte übertraf auch 
hier selbst die kühnsten Erwartungen sowohl rücksichtlich 
der Quantität als der Qualität. Der Absatz der äch 
ten Walliser Sorten im Lande selbst und gegen die Furka 
und Grimmsel zu ist dieses Jahr um so größer, als von 
Italien her gar kein Wein eingeführt wird. Diesjäh 
riges Gewächs findet sich zu 40-^-45 Cent, die eidgen. 
Maß von den bessern Sorten genug; dagegen sind die 
alten Weine ziemlich gesucht und es werden hohe Preise 
gefordert. 
Herr Jetter, Schmid in Schaffhausen, besitzt ein Ge- 
heimnchtel, Pferde, welche sich nicht beschlagen lassen 
wollen, zu bändigen, so daß sie wie die willigsten sich 
fügen. Zetter genießt für diese seine Kunst eines ver 
breiteten Rufes. Letzte Woche wurde er nach Glarus 
beschieden, um ein aus Konstantinopel gebrachtes junges 
Pferd, an dem schon eine Anzahl Hufkünstler ihre Mü 
he vergeblich verwendet hatten, zu beschlagen. Auch 
hier war Jetter siegreich. 
Aus Rio Janeiro in Brasilien sind 94,090 Säcke 
Kaffee abgesendet worden. Davon gingen nach der Elbe 
und dem Canal 6900, "nach der Ostsee 2600 und nach 
Nordamerika 67,660 Säcke. Der Vorrath hat um 
10,000 Säcke zugenommen. Die Kaffeepreise sind in 
Folge davon zurückgegangen, worüber sich die Kaffee 
schwestern freuen werden. 
Der beste „Dung". 
Es war einmal ein Oekonom, 
Wollt' Alles weislich kennen; 
Dabei er war einfältig-fromm, 
That Pfiffikus sich nennen. 
Was in den Büchern alles stand 
Vom „Bauren" las er Band für Band. 
Holzasche, Kreide, Gyps sogar, 
Oelbrod und Tresterkuchen, 
Guano! . . . that er Jahr für Jahr 
In Wies und Feld versuchen. 
Und dennoch ging ihm alles krumm — 
War denn das Männlein etwa dumm? 
Kurz — es verging kein Monat schier, 
Daß nicht mit Pfanöbotbnefen 
Die Weibel kamen in's Revier 
Und ihn zum Zahlen riefen. 
Und, weil das sehr verdroß den Mann. 
Er auf ein neues Mittel sann. 
Er rüstet sein Kartoffelfeld 
Im Frühling ohne Rasten ; 
Mich", ruft er, „muß dies Jahr die Welt
        

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