Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/28/

In New-Iork sollte vor einigen Wochen die Ver 
mählung einer reichen Judentochter stattfinden. Alles 
war zum Feste gerüstet und der Rabbiner wartete be 
reits im Sabbathtalare in der Synagoge, als die Braut 
plötzlich verschwunden war. Sie war in der Nacht mit 
einem christlichen Liebhaber durchgegangen und hatte sich 
von einer bürgerlichen Behörde trauen lassen. Die Hei 
rath konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden und 
die betrübten Eltern gaben ihre Einwilligung unter der 
Bedingung, daß auch noch eine kirchliche Trauung durch 
den Rabbiner stattfinde, wozu der glückliche Bräutigam 
ohne viele Umstände sich entschloß. 
Der bekannte fürstliche Wohlthäter der Armen, Herr 
Peabody, schrieb bei Uebergave von 2 Mill. Dollars 
zur Erziehung armer Kinder des Südens in einem 
Briefe die goldenen Worte: „Wer das Glück hat, reich 
zu sein, oder zu werden, schabt seinen Reichthum nicht 
aus sich oder seiner Familie, sondern zieht ihn aus dem 
Komplex der bürgerlichen Gesellschaft und von ihrer 
Arbeit." Herr Peabody ist von Geburt Amerikaner, er 
verlebte seine Zugend in Süden, war Bankier und lange 
Zeit wohnhast in England. Er ist jetzt 70 Jahre alt 
und soll eigene Kinder haben, denen aber seines Trach 
tens noch immer genug übrig bleibt. 
Ein braves Bürgermädcher - a Wittenberg hatte sich 
im vorigen Jahre mit dem O rucken Sergeanten Weber 
vom 4. Magdeburger Infanterieregiment verlobt und 
den Hochzeitstag anberaumt. Da kam der Krieg und 
entführte den Bräutigam naö ' Böhmen. Eine Kugel 
beraubte den tapfern Sergeanten seiner beiden Augen, 
er kam krank und blind in Wittenberg an und gab mit 
schwerem Herzen der . Wort zurück. Nein, 
sagte das brave Mädchen, je^ bedarfst Du einer treuen 
Frau und Führer'in erst recht, ich werde Deine Frau. 
— Der Hochzeitstag ist anbt .unt und in vielen preu 
ßischen Garnisonen führen Offnere und Soldaten Lust 
spiele und lebende Bilder auf z lr Ausstattung und er 
sten häuslichen Einrichtung der braven Soldatenbraut. 
Aus Paris. Die Sterblichkeit unter den Säuglin 
gen, die von Paris auf's Land zu bäuerlichen Ammen 
gegeben werden, ist eine Entsetzen erregend große und 
beginnt die Proportionen einer öffentlichen Gefahr anzu- 
ttehmen. Es wurde amtlich festgestellt, daß von 20,000 
Säuglingen , welche Paris jährlich auf'S Land schickt, 
45,000, das ist U, sterben. Der UnterrichtSminister 
hat die Aufmerksamkeit der medizinischen Fakultät auf 
diese furchtbare Thatsache gelenkt und diese beschäftigt 
sich jetzt mit dieser Angelegenheit Da kommen unglaub 
liche Dinge zum Vorschein. In einem Dorfe starben 
von 14 Säuglingen 12. In einem andern starben alle 
Kinder. Die medizinische Fakultät führt die Ursachen 
dieses massenhaften KindeSmordeS auf die sogenannte 
Ammen-Industrie zurück, welche um so scheußlicher ist, 
weil sie in vielen Fällen durch die moralische Mitschuld 
der Eltern ermuntert wird, und gewissermaßen der Straf 
losigkeit sicher ist. Ein Arzt versichert in seinem Berichte, 
er habe der einer einzigen Amme sieben Säuglinge vor 
gefunden und diese Amme habe weder Milch noch eine 
Kuh gehabt, um die Kinder zu ernähren. „Die Kinder 
zur Amme schicken", sagt der Bericht, „heißt sie dem 
Tode überliefern." Einige dieser Weiber, welche dafür 
bekannt sind, „daß sie den Kindern Unglück bringen", 
sind gerade deshalb von den Eltern besonders gesucht. 
Ein Arzt schreibt: „Es gibt Ammen, die das Säugge 
schäft schon seit 12, 15 Jahren betreiben, welche fort 
und fort Säuglinge erhalten und niemals in der Lage 
waren, den Eltern ihre Kinder zurückzubringen." Ein 
Maire sagte: „Mein Friedhof ist voll kleiner Pariser." 
Zu den 75 von 100, welche starben, kommen nun noch 
die hinkenden und siechenden Kinder,» welche die barbari 
schen Ammen zurückliefern und die Verwechslungen von 
Kindern, welche häufiger vorkommen, als man ahnt. 
Um Ratten zu vertreiben, veröffentlicht der „Phi 
ladelphia Ledger" ein Mittel. Er schreibt. Das Ein 
fangen der Ratten ist oft schwierig, weil alle Ratten 
überaus verschmitzt sind. Giftstreuen ist nicht nur ge 
fährlich, sondern auch anstößig, weil die Thiere häufig 
an unzugänglichen Orten verenden und dann beim Ver 
wesen die Luft verpesten. Da befolgt nun ein kluger 
Landwirth einen besseren Plan. Er bestreut den Bo 
den in der Nähe der Rattenlöcher mit einer Schicht von 
Aetzkali, daS er vorher feucht gemacht hat. Sobald die 
Ratten darüber weglaufen, bekommen sie wunde Füßh 
indem sie diese belecken, wird Zunge und Maul wund, 
und die Folge ist, daß sie solche Gegend meiden und 
auch die übrigen Ratten von der Gefahr unterrichten, 
so daß das Gehöft bald von ihnen befreit ist. 
Anzeigen. 
Der Gemeinde Gamprin wird auf dem OrtSplatze 
nächst dem Zollamte Bendern die Abhaltung von Horn- 
Vieh- und Schweinemärkten an nachstehenden Tagen be 
williget. 
1) am letzten Mittwach im Monat März, 
2) am ersten und dritten Mittwoch im Monat Mal, 
3) am Mittwoch vor Michaeli und sofort 
4) alle 14 Tage bis zum Beginn der Baduzer 
Märkte. 
Fürstl. L. Regierung. 
Vaduz, den 14. März 1867. 
. v. Haufen. . 
Die Abbitte 
in Nr. 7 betreffend, wird erklärt, daß zu derselben Hr. 
Mathis Marxer von Ruggell gerichtlich angehalten wor 
den ist, weil er sich am 18. Febr. beim Kalkausmessen 
in einer Weise äußerte, als ob ich zu Gunsten gewisser 
Personen die f. Renten benachtheilige. 
M. Kindle, Zieglermeister in Nendeln. 
CurS. 
Für 100 fl Silber wurden in Wien bezahlt: 
Freitag, den 22. März fl. 126.25 Banknoten. 
Donnerstag, den 28. März . . . fl. 126.25 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: vr. Gchädler. 
Druck von Heinrich Graff in Zeldkirch.
        

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