Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/19/
Bei der Anleihe der Stadt München gewinnt 
Rothschild von vornherein durch einen vom Magistrat 
eingegangenen geheimen Vertrag 80,000 Gulden. 
Großes Aufsehen macht in ganz Sachsen die Tages 
neuigkeit, daß der König den Postbetrieb gegen eine 
jahrliche Entschädigung an die Krone Preußens abge 
treten hat. 
Schweiz. Die Schweizer-Industrie, welche sich lange 
Jahre vor andern Ländern hervorthat, hat in einigen 
ihrer urwüchsigsten Zweige bedeutende Eoncurrenz erfah 
ren. Obenan steht die Ueberslügetung der schweizerischen 
Käsefabrikation durch Franzosen, Holländer und Eng 
länder; aber auch die Uhrenfabrikanten haben neuerlich 
zu kämpfen mit den Fabrikaten der Amerikaner, wie 
nicht minder die Stickerei. Ein Korrespondent der 
„Wiener Handelszeitung" findet die Ursachen dieser Er 
scheinungen in einer gewissen Gleichgiltigkeit, die sich 
auf den einmal errungenen Vorzug etwas zu gute thue; 
dann der letztern Industriezweige in Vernachlässigung 
der künstlerischen und geschmackvollen Ausführung. Die 
Schweizer sind übrigens viel zu gute Geschäftsleute, 
um diesen Mängeln nicht alsbald wieder abzuhelfen. 
Das Kantonsgericht von St. Gallen verurtheilte 
jüngst zwei Männer zum Tode, wovon der eine vom 
andern gedungen worden war, um dessen (des letztern) 
Frau zu ermorden. — Die östreichische Regierung hat 
die Konzession zum Baue einer Rheinbrücke bei Mon- 
stein ertheilt. — Mehrere reiche Frankfurter Bankiers 
haben sich in verschiedenen schweizerischen Gemeinden 
ins Bürgerrecht eingekauft, so ein Hr. Sulzbach (mit 
40,000 fl. Jahreseinkünfte) in der Gemeinde Thun. 
Diese Herren wollen sich nicht unter die preußische Pik- 
kelhaube bequemen, und es ist ihnen nicht zu verargen. 
In Ein siedeln stürzte dieser Tage ein Bierbrauer 
gehülfe aus dem Kanton Graubünden kopfüber in den 
großen Bräukessel voll siedenden Wassers und starb 
Tags darauf an schrecklichen Brandwunden. 
In Aarau ist Mechaniker Jakob Kern, der die Aa- 
rauer Reißzeuge berühmt gemacht hat, im Alter von 
76 Jahren gestorben Jakob Kern stammte von Ber 
lingen am Untersee. Sein Vater, der Gerber war, 
starb frühzeitig, und die Mutter, eine Glarnerin, ging 
dann nach Mollis zu Verwandten, wo sie in dem Elend 
des Kriegs- und Hungerjahres 1799 umkam. Den 
verwaisten neunjährigen Knaben empfahl der Pfarrer 
von Mollis an seinen Freund Vater Rudolf Meyer in 
Aarau, der ihn aufnahm und ihn mit seinen eigenen 
Söhnen erziehen ließ. Sein Lehrmelster war I. L. Es 
ser. Durch die Eifenbahnbauten wurden seine Feldmeß 
instrumente in ganz Europa bekannt und gesucht. Das 
Geschäft wird von zwei Söhnen fortgesetzt: 
In St. Gallen besteht eine Wittwen-, Waisen- 
und Alterskasse, eine auf Gegenseitigkeit gegründete An 
stalt, mit dem Zwecke: „Einerseits auf den Fall des 
Ablebens von Mitgliedern den hinterlassenen Wtttwen 
und Waisen derselben, sowie anderseits den Mitgliedern, 
welche das 70ste Altersjahr erreicht haben, ein jähr 
liches Einkommen zu sichern, genannt Jah 
resrente." 
Die Mitglieder haben alljährlich eine einmalige Ein 
lage von 10 Fr. zu machen, was per Woche nur den 
geringen Betrag von 20 Rp. ausmacht. Zutritt zu der 
Anstalt hat Jeder, der das 50ste Altersjahr noch nicht 
überschritten hat. 
Nach der Jahresrechnung von 1866, die einen Kassa- 
Fond von 25,797 Franken und 728 Mitglieder weist, 
bezogen 41 Rentenberechtigte, nämlich 5 Altersnutznießer, 
35 Wittwen und 1 Waise 2703 Fr. Die höchste 
Rente betrug Fr. 80. 75 Rp., die niederste Fr. 60. 
60 Rp. — ein höchst günstiges Resultat. — Dss ist 
eine Anstalt, die sich auch minder- und unbemittelten 
Leuten empfehlen läßt. Die Statuten derselben können 
von der Buchdruckerei in Ragaz bezogen werden. 
Bern. Aus Jnterlaken Wird dem Tagblatt folgender 
Vorfall berichtet: Seit letzten Spätsommer arbeitet 
man hier an der Sprengung eines Felsenkellers, zu des 
sen Ventilation auch ein senkrechter zirka 45 Fuß tiefer 
Schacht gesprengt wird; dieser Schacht hält 4 Fuß im 
Durchmesser; bereits hat er eine Tiefe von 40 Fuß; 
mehr als 2 Arbeiter, tzje sich bisher an einem Seile 
herunter- und wieder hinaufließen, können , in dem engen 
Raume natürlich nicht thätig sein. Nun traf es sich 
vor einigen Tagen, daß der eine dieser Arbeiter sich 
durch einen 'in derartigen Geschäften noch ungeübten 
Mann substituiren ließ. Gut — der andere Arbeiter, 
ein alter Mann, und der Neuling schaffen mit einander 
in einer Tiefe von 40 Fuß, haben 3 Löcher gebohrt, 
3 Schüsse geladen, die Zündschnur, die die drei Schüsse 
mit einander verbindet, ist — natürlich in genügender 
Länge — gelegt. „Jetzt steig' hinauf", sagt der Alte 
dem Neuling; dieser fängt an zu klettern, und als er 
bald oben ist, zündet der Alte an, um dann sofort nach 
zuklettern; kaum aber ist der Neuling oben, so scheint 
er den Kopf völlig verloren zu haben, und zieht das 
Seil nach sich hinauf, springt dann gehörig weit weg 
und wartet auf einer Bank, bis die Schüsse losgehen. 
Unterdessen hat der Alte angezündet und gewahrt er 
jetzt mit Schrecken, daß das Seil verschwunden ist. Er 
ruft aus Leibeskräften, wird aber nicht gehört; mit je 
dem Augenblicke können die Schüsse losgehen; man denke 
sich die entsetzliche Lage des Unglücklichen! Aber er ist 
ein alter Roue, trägt ein gutes Taschenmesser bei sich 
und es gelingt ihm, wenn auch mit Mühe, die gut ver- 
gypste Zündschnur entzweizuschneiden; jetzt fühlt er sich 
natürlich sicher und wartet geduldig, bis sein Gehilfe 
wieder erscheine. Diesem scheint es am Ende doch gar 
zu lange zu gehen, bis er „klepfen" höre: halb erzürnt 
kömmt er wieder zum Schacht und ruft seinem Kame 
raden ganz naiv hinunter: „Ob denn die.Schüsse nicht 
bald losgehen?" Und erst als ihm von unten hinauf 
mit gehörigen Donnerworten die „tieferen Dissonanzen" 
zu Ohren kommen, wird ihm die Situation klar und er 
fällt nun in ein geziemendes Heulen und Abbitten. 
In der Schweiz gibts nicht nur weißen und rothen, 
sondern auch schwarzen Schnee. Es soll dieses 
Phänomen auch auf dem massenhaften Vorkommen eines 
winzig kleinen Thierchens, des Schneeflohes, beruhen. 
Auch im Januar 1856 hat man diese Erscheinung 
beobachtet.
        

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