Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/18/
trug, besteht allein aus 5000 Brillanten. Seine Uni 
form war von Diamanten übersäet. 
In Berlin, Breslau, Magdeburg, Stettin und 
Rostock haben die liberalen Parlamentscandidaten gesiegt. 
In Königsberg ist der General Vogel v. Falkenstein 
gewählt; in Frankfurt a. M. Rothschild; in Hannover 
Minister v. Münchhausen; in Dresden Wigard und 
Schwarze; in Reichenbach Twesten; in Wiesbaden 
Braun. 
Der Präsident des gesetzgebenden Körpers, Graf 
Walewski in Paris, hat Herrn Gundermann, 
Mitglied der Ständeversammlung in Cvburg, zu seiner 
silbernen Hochzeit in französischer Sprache gratulirt und 
ein hübsches Hochzeitsgeschenk beigelegt. Man zerbricht 
sich den Kopf, wie und woher Walewski und Gunder 
mann so gute Freunde sind. 
Die bei dänischen Telegraphen-Aemtern angestellten 
Frauen tragen auch Uniform. Sie besteht in einer 
Jacke von schwarzem Tuch mit Sammetkragen und 
Ausschlägen mit gelben Passepoils, Knöpfen von ver 
goldetem Kupfer und einem Ledergürtel mit Schloß, auf 
dem sich zwei Blitze kreuzen. Während aber die obere 
Hälfte ihrer Person in diese kleidsame Uniform gesteckt 
ist, haben die Telegraphistinnen volle Freiheit behalten, 
die untere in lange oder kurze Kleider von beliebiger 
Farbe, mit oder ohne Krinoline, zu hüllen. 
Im jetzigen Augenblicke, wo in aller Herren Ländern 
von der Reorganisation der betreffenden Armeen die 
Rede ist, verdient eine Statistik, welche die Revue des 
deur Mondes bringt, einige Beachtung. Dieselbe betrifft 
das französische Contingent von 1864; die Stärke 
der Altersclasse betrug 325,000 Mann. Davon wurde 
die ungeheure Zahl von 109- bis 110,000 Mann für 
den Dienst untauglich befunden; es waren zu klein 
(nicht 1 Meter und 56 Centimetres groß) 18,106, 
schwache Constitution, Auszehrung zc. 30,524, von Ge 
burt an verstümmelt 15,988, bucklig, zu hohe Füße oder 
Plattsüße 9100, an Hautkrankheiten leidend 2529, blind 
oder taub 6988, Stotterer 963, ohne Zähne 4108, an 
geheimen Krankheiten leidend 5114, Kröpfe oder Skro- 
phulöse 5218, Albinos, Gelähmte, Irrsinnige 2155, an 
diversen Gebrechen leidend 8236. 
Ein sehr merkwürdiger Fund ist schon wieder in 
Pompeji (vor 2000 Jahren vom Vesuv verschüttet) 
gemacht worden. Es war nämlich ein Backofen aus 
gegraben, der 18 Brode in der schönsten Ordnung auf 
gestellt enthielt. In deq Ofen selbst waren die vulka 
nischen Elemente nicht eingedrungen, das Brod konnte 
unversehrt herausgezogen werden. 
Die Frankfurter haben ihrem Geldfürsten Carl Frhr. 
V. Mothschild eine große Ehre angethan, sie wählten 
ihn nahezu einstimmig in das norddeutsche Parlament. 
Zu Marchienne in Belgien erregten jüngst die Ar 
beiter der Kohlengruben einen Aufstand. Ueber 2000 
Personen, darunter auch Weiber und Jungen, revoltir- 
ten so arg, daß das Militär mit den Waffen einschrei- 
ten mußte. Diesem Vorgang legt man eine ganz be 
sondere Bedeutung bei. Es heißt, er sei durch franzö 
sische Abgesandte (Emissäre) angezettelt worden, um dem 
nachbarlichen Frankreich Anlaß zur Einmischung zu bie 
ten um damit einen guten Anfang zur Annectirung 
Belgiens zu bekommen. Die Pariser Zeitungen wissen 
auf dies Ereigniß hin gar Viel zu melden von der Un 
zufriedenheit der Belgier mit ihrer Regierung und von 
ihren heißen Wünschen, französisch zu werden. 
Auch in Turin gab's eine Revolte der Gassenjungen 
von 14—16 Jahren. Sie stürmten die Bäckerläden, 
bis ihnen das Militär Ruhe gebot. 
Glückspilz. Victor Benary, bis vor wenigen Tagen 
Director der Oestreichischen Bodencredit-Anstalt, hat 
dieselbe verlassen und seinen Aufenthalt in Wien mit 
Paris vertauscht. Er ist nun gestern, Sonntag früh, 
in Paris angelangt und um 12 Uhr Mittags war be 
reits eine Depesche von ihm hier, daß er sich mit Fräu 
lein Kann, der Schwester seines künstigen Associes, ver 
lobt habe. Die Dame vergoldet ihm den Himmel des 
ehelichen Glückes durch die Mitgift von 4 Millionen 
Franken. 
Die „Jndepend. belge" erzählt eine pikante Ge 
schichte aus Spanien. Zwei Soldaten, die auf Urlaub 
nach Hause reisten, baten um Aufnahme in einem gu 
ten bürgerlichen Hause in einer Ortschaft nahe bei Ali- 
cante. Der Besitzer desselben war abwesend und seine 
Frau nur mit einem Dienstmädchen zu Hause; jedoch 
wurden dle Soldaten aufgenommen und erhielten für 
die Nacht eine Schlafstätte auf dem Boden. Mitten in 
der Nacht wurde an die Hausthüre geklopft und die 
Frau öffnete, in der Meinung, daß ihr Mann nach 
Hause komme, arglos die Thür, brach aber in ein lau 
tes Geschrei aus, als zwei maskirte Kerle auf sie los 
stürzten urd ihr Geld forderten. Glücklicher Weise aber 
eilten die Soldaten auf den Hülferuf rasch genug her 
bei, es entspann sich ein Kampf und der eine Soldat 
streckte die beiden Eindringlinge mit seinem Revolver 
nieder. Nach einiger Zeit wurde wieder an die Thüre 
geklopft und diesmal war es wirklich der Mann, der 
nach Hause kam. Es wurde ihm aber von den Sol 
daten bedeutet, daß sie ihm nicht öffnen würden, als 
bis er mit einer Magistratsperson wiederkomme, die den 
Thatbestand constatiren könne. Der abgewiesene Haus 
eigenthümer lief also nach dem Maire (Ortsvorsteher), 
und als dieser nicht M Hause war, zu dessen Adjune- 
ten, den er ebenfalls nicht finden konnte. Er mußte 
nun mit dem Polizeiwächter vor sein Haus rücken, das 
ihm dann auch geöffnet wurde. Groß. war aber die 
Ueberraschung dieses Dieners der Gesetze, als er den 
beiden getödteten Räubern die Masken abnahm und in 
ihnen — seine vorgesetzte Behörde, den Maire und des 
sen Adjuncten, erkannte. 
Auch in England scheint die üble Sitte zu herrschen, 
daß man wohlhabende gut bezahlende Kunden unsolid 
bedient. Lord Stafford ließ in Londoner Zeitungen 
folgenden originellen Brief abdrucken: „Es ist ein Ge 
rücht verbreitet, daß ich 90,000, Pfund Sterl. geerbt 
hätte. Leider ist eS nicht wahr und ich mache dies be 
kannt, damit ich den Werth einer Sache, die zu kaufen 
ich Lust habe, nicht dreifach bezahlen muß; denn das 
scheint man in England von einem Gentleman voraus 
zusetzen."
        

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