Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1867
Erscheinungsjahr:
1867
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1867/14/
turnten. Die Erziehung des Kronprinzen Rudolf mußte 
ihm schon früher abgenommen werden. 
Alter, sagte eine Bauern frau in Aiederöstreich zu ih 
rem Mann, unser Seppi darf kein Soldat werden, 
mach' dich auf die Bein' nach Wels und kauf' ihn loS. 
— Der Alte sah seinen 3jährigen Buben an, der mun 
ter spielte, steckte zwei 500 Guldennoten in die Tasche 
und marschirte drei Stunden weit ins Amt. Als er 
aber bezahlen wollte , war die große Brieftasche fort. 
Mußt' sie suchen, dächte er, und ging zurück. Habt 
Ihr nichts gefunden? fragte er die Begegnenden auf 
dem langen Wege. Keiner hatte die Brieftasche gesun 
den, da kam ihm sein Knecht entgegengelaufen und 
winkte schon von weitem. Er heult, sagte der Bauer, 
was hat er? — Der lustige Seppi war in die HauS- 
lache gefallen und todt. — Bub' weg , Geld weg! 
jammerte der Alte. — WaS Geld ? So ist das Eure 
Brieftasche, die ich gefunden? — Freilich ist sie'S und 
's ist gut, daß du sie gefunden, aber der Bub' wäre mir 
doch lieber als daS ganze Geld! 
Ein Briefkastenleerer, welcher lange Jahre Postillon 
gewesen war, meldete sich zum Bureaudiener-Eramen 
und schrieb folgenden originellen Lebenslanf. „Ich 
Heinrich Tratabella, einziger Sohn meines Vaters, starb 
in meinem zweiten Jahre, indem ich dann als elternloser 
Weiße mit 14 Jahre bei einem Großbauern als Zwei 
knecht eintrat, worauf es mir nicht gefiel, da ich doch 
eine bessere Erziehung bekommen, so trat ich bei die Ar 
tillerie in Koblenz ein, indem ich Soldat wurde, was 
mir sehr nützlich vor die Wagen und Pferde Wurde, m- 
dem ich zur königlichen Post als Postillon ging und 
den Wagen nach Andernach fuhr, wobei ich ein braves, 
treues Mädchen kennen lernte, indem ich mit ihr in den 
heiligen Stand der Ehe trat, wobei sie zuerst Zwillinge 
kroch (bekommen — erhalten) und hiernach noch fünf 
einzelne Kinder zeugte, welche alle Essen wollen , gesun 
den Appetit haben sie Gott sei Dank alle bis auf eins, 
welches vorigen Herbst am Scharlach gestorben ist, und 
bin ich auch ein tüchtiger Esser, indem von mein gerin 
ges Einkommen, 15 Sgr. der Tag, nicht viel Gescheites 
zu haben ist, so wollte ich gern „Pierodiener" werden, 
was mir gewiß Niemand verdenken kann, indem meine 
Frau bereits wieder seit sieben Monaten in anderen 
Umständen ist." 
Der deutsche Post-Fnrst v. Thurn und Taris hat 
nun seine Postgerechtigkeit, vermög welcher Hzn noch eine 
Menge kleinerer deutscher Staaten tributpflichtig waren, 
an Preußen abtreten müssen, gegen eine Entschädigungs 
summe von 3 Millionen Thaler. Mit dem 1. Juli v. 
I. hört seine PostHerrlichkeit auf. 
Der König von Vayern hats jetzt so gut wie seine 
erwachsenen Unterthanen! er kann ganz allein in die 
Brauereien gehen und sein GlaS Bier trinken, und er 
thuts auch. Vor ein paar Jahren gabS großen Ver 
druß, als er sich ein MaaS holen ließ und sich im Stil 
len etwas zu gut that; denn damals war er noch 
Kronprinz. 
Die Münchener bauen sich ein neues schönes Risth- 
haus, dessen Kosten auf 553M0Gulven veranschlagt 
find. Eine besonders interessante Construction soll die 
Treppe haben: sie ist von dem sinnreichen Baumeister 
Baurisser in Wien so eingerichtet worden, daß die Mün 
chener Rathsherren eben so gescheidt schon hinauf kom 
men als andere Kollegen herunter. Deshalb hat er auch 
den ersten Preis bekommen. D. Ztg. 
— Abb6 Domenech, der den Kaiser Mar als Groß- 
Almosenier nach Mexiko begleitete, hat ein Buch: „Zwei 
Jahre in Meriko", herausgegeben. Einige Anekdoten 
aus demselben klingen geradezu unglaublich: Eines Ta 
ges hielt Kaiser Mar Ministerrath und auf dem Tisch 
stand ein schönes silbernes Schreibzeug. Auf einmal 
war das Schreibzeug verschwunden. „Wo ist's geblie 
ben?" fragte der Kaiser. Keine Antwort. „Meine 
Herren", rief Mar, „ich werde jetzt Fenster und Vor 
hänge dieses Zimmers sorgfältig schließen. Nach fünf 
Minuten öffne ich sie wieder und wenn das Zimmer 
wieder hell geworden, so muß ich mein Schreibzeug wie 
der auf dem Tische finden, ist's nicht da, so lasse ich Sie 
alle zusammen arretiren." Die Fenster wurden nieder 
gelassen, es verbreitete sich Nacht, und als nach fünf 
Minuten wieder Tageshelle strahlte, stand ldas stlbelne 
Schreibzeug wieder auf dem Tische und sagte Keinem, 
wo's gewesen sei. — Ein Missethäter wird zur Garotte 
verurtheilt. Ein Priester begleitet ihn auf's Schaffet 
und gibt dem Henkersknecht seinen breitkrämpigen Hut zu 
halten. Als er den Delinquenten das Kruzifix hat küs 
sen lassen und sich wieder umdreht, ist — der Henkers 
knecht mit sammt dem Hute verschwunden — er hat ihn 
gestohlen.' — Kaiser Mar sitzt bei Tische und hat 
schöne silberne Messer und Gabeln. Nachdem die Tafel 
aufgehoben, sagte Se. Majestät zu seinem deutschen Kam 
merherrn französisch: „Passen Sie gut auf, daß die me 
xikanischen Diener dieses Silber nicht in die Hände be 
kommen, sonst bin ich es loS." —- Eine vornehme Me 
xikanerin erzählte bei Hofe, die vorige Nacht wären 
Gauner bei ihr eingebrochen, hätten sie ans Bett fest 
gebunden und alles Geldes beraubt. „Es waren aber 
doch" -- fügte sie bei — „wahre Caballeros, denn ich 
bat sie, mein Hündchen nicht zu treten und sie haben 
es nicht gethan, j.i, ja, es gibt doch noch anständige 
Leute hier!" ^ 
Arlon (im, Luxemburgischen), den 20. Januar. Ei 
nes der seltsamsten Ereignisse fand diese Nacht auf 
unserer Eisenbahnlinie statt. Der Zug Nr. 67, beste 
hend aus neun Waggons Mineralien und drei Wag 
gons mit Lattenwänden, enthaltend Ochsen und Ham 
mel, ging zur gewohnten Stunde hier ab. Schon in 
der Nähe von Marbehan hatte er in Folge der auf den 
Schienen liegenden Schneemassen mit großen Schwierig 
keiten zu kämpfen. Auf der Höhe von Fontenouille an 
gekommen, lag der Schnee so hoch, daß man befürchtete, 
das Feuer in der Maschine möchte dadurch erlöschen. 
Man war gezwungen, anzuhalten, und der Schaffner 
Schnecken wurde nach Poir gesandt, um Hülfe zu re- 
quiriren. Der Zugführer, die Heizer und der Steuer 
beamte Dobe gaben sich daran, den Schnee unter der 
Maschine weg zu räumen. Plötzlich vernahmen sie in 
der Nähe rauhe, wilde Laute, sie wendeten sich um und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.