Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/99/
legung der bereits ergangenen Zeitungsnachrichten, über 
Schlachten und Siege lebhaft unterhält. Das Gespräch 
geräth in unerwartete Stockung; unser Landwehrmann 
sagt mit tiefem Seufzer, in welchem das Vaterherz den 
Krieger überwältigt: „Ach Gott, meine arme Frau und 
meine vier unmündigen Kleinen!" Thränen rollen über 
seine Wangen. Diese Worte, gesprochen mit jenem be 
wegten Gefühle, das keinen Zweifel ob der Wahrheit 
aufkommen läßt, ergreifen den jungen H., und die Rechte 
des Kameraden fassend, spricht er: „Du sollst hier blei 
ben, ich gehe für Dich hin!" Mit Erlaubniß der Vor 
gesetzten that er's auch am Abende desselben Tages noch. 
Als der Zug zum Abschiede erbrauste und des Land 
wehrmannes Hand zum Scheidegruße in der des muthi 
gen Kriegers lag, da erst glaubte jener an den vollen 
Ernst des gegebenen Versprechens. H. war seitdem in 
voller Thätigkeit bei all dem mörderischen Geschützfeuer 
gegen die an Zahl überlegenen bayerischen Batterien. 
Die edle That hat der Himmel dem H. sichtlich durch 
ganz besondern Schutz belohnt. Während seine Kame 
raden zur Rechten und Linken niedergeschmettert wurden, 
dicht an seiner Seite eine feindliche Granate das Rad 
der Kanone, welche er bediente, im Nu rasirte, blieb er 
unversehrt und gesund und wohl. 
Unter den noch lebenden Soldaten welche durch lie 
derliches Gesindel auf dem Schlachtfelde von Trautenau 
auf's scheußlichste behandelt worden sind, befindet sich 
auch der Musketier Kczik vom 18. Infanterieregiment, 
aus einem Dorfe bei Schrimm gebürtig. Derselbe 
ist in Berlin am Donnerstag Mittag behufs einer Au 
genoperation eingetroffen. Er erzählt: „In dem Treffen 
bei Trautenau lag ich nebst andern in einem Kornfelde 
versteckt, um die feindlichen Vorposten zu beunruhigen; 
als der Befehl zum Avanciren gegeben wurde, sprangen 
wir auf und stürmten vorwärts; ich hatte noch keine 
drei Schritte gemacht, als ich, durch eine Kugel getrof 
fen, bewußtlos niederfiel. Als ich aus meiner Betäu 
bung erwachte, dämmerte schon der Abend, die lautlose 
Stille, welche um mich herrschte, gab mir die Ueberzeu 
gung, daß das Gefecht schon längst vorüber sei. Un 
fähig, mich zu regen, und meine Seele Gott befehlend, 
schloß ich die Augen, als ich plötzlich in meiner Nähe 
etwas rauschen hörte; aus der fremden Sprache, welche 
die Leute führten, konnte ich vernehmen, daß es Böh 
men waren. Alle meine Kräfte zusammennehmend, rief 
ich um Hülfe. Im nächsten Augenblicke sah ich zwei 
schmutzige Weiber und einen Mann an meiner Seite 
stehen. Die Leute betrachteten mich mit wilden Blicken. 
Zunächst wurde mir mein ledernes Geldtäschchen, welches 
ich auf dem bloßen Leibe trug, geraubt, sodann die 
Kleidungsstücke vom Leibe gerissen und ich schließlich von 
der einen Frau vermittelst eines scharfen Instruments 
in beide Augen gestoßen. Wie lange ich nun, da ich 
abermals das Bewußtsein verloren, in meinem Todten- 
schlafe gelegen hatte, weiß ich nicht. Als ich erwachte, 
fühlte ich, daß meine Lippen mit Branntwein befeuchtet 
wurden und hörte aus den Verwünschungen gegen die 
Uebelthäter, daß meine Landsleute mich pflegten." Das 
linke Auge des Soldaten ist gänzlich zerstört und auf 
dem rechten ist nur ein Schimmer vorhanden; vielleicht 
gelingt es den Aerzten, es noch zu retten. 
Nach dem Treffen bei Roßbrunn und Hettstadt sprengte 
ein Zug bayerischer Kürasstere an dem Walde vorüber, 
dahin einige Bauern aus Hettstadt sich geflüchtet hatten. 
Die Bauern sahen, wie Gner der Letzten im Sattel 
plötzlich wankte und vom Pferde stürzte; das Pferd lief 
den übrigen nach, der verwundete Kürassier aber schleppte 
sich bis unter einen Baum, höchstens 100 Schritte vom 
Platze entfernt, wo die Bauern standen. Er entkleidete 
sich, um seine Wunden zu untersuchen und -die Bauern 
sahen, daß er am Oberschenkel blutete. Er nahm dann 
rasch aus der Tasche ein Stückchen Schweinefleisch, zer 
schnitt es und legte je eine Scheibe auf die Wundöff 
nungen. Eben war er daran, sie mit einem Sacktuch 
festzubinden, als 5 preußische Husaren angesprengt ka 
men. Drei derselben stiegen vom Pferde und gaben dem 
armen Bayer fünf Stiche, daß er todt umsank. In 
diesem Augenblicke kamen auch zwei bayerische Kürassiere 
heran und mit ein Paar Hieben waren die noch auf 
den Pferden sitzenden Husaren herunter gehauen. Da 
fielen die Ersteren, die den Kürassier erstochen hatten, 
und über das plötzliche Erscheinen der Bayern noch ver 
blüfft waren, auf die Kniee und baten um ihr Leben, 
da sie Frauen und Kinder zu Hause hätten. Für euch 
Hunde, sagten die Kürassiere, die ihr unsern Kameraden 
so elend ermordet habt, haben wir keine Gnade, und 
hackten sie in Stücke. 
Ein Reisender, der durch Nassau kam, erzählt Fol 
gendes: Ich fuhr mit der Thurn- und Taris'schen Post 
über Land und da es schönes Wetter war, setzte ich mich 
auf den Bock zu dem Schwager der bald zutraulich 
wurde. Nach längerer Unterredung fragte mich der Po 
stillon: Sollte es denn wirklich wahr sein, daß wir preu 
ßisch werden? Daß das Land preußisch wird, ist wahr 
scheinlich, daß die Post preußisch wird, ist ganz gewiß, 
die Zeiten des Thurn- und Taris, sagte ich ihm, sind 
vorbei. O weh, erwiderte der Postillon, indem er sich 
mit der linken Hand hinter dem rechten Ohr kratzte, 
dann stell' ich meine Peitsche in die Ecke, dann fahr' 
der Düvel. Warum? Ei nun, bei dem Preuß, da 
herrscht eine grausame Ordnung, da muß man accurat 
auf die Minute abfahren und ankommen, man kann 
nicht halten, wo und wie man will und hat kaum Zeit, 
auf jeder Station seinen Schnaps zu trinken, daß man 
noch an blinden Passagieren etwas verdienen konnte, 
davon ist keine Rede mehr und am Ende belaufen sich 
die Dienststrafen höher als der Lohn. 
Ein bayerischer Soldat, der in einem Gefechte 
einen preußischen Landwehrmann mit dem Bajonnet 
durchbohrte, ist wahnsinnig geworden und mußte in das 
Irrenhaus gebracht werden. Immer hörte und wieder 
holte er die Worte, mit denen der Landwehrmann um 
sank und starb: ach Gott, meine Frau und meine ar 
men Kinder! 
In Tirschenreuth legte ein preußischer Landwehr 
mann eine besondere Freundlichkeit gegen die Kinder 
seines QuartiergeberS an den Tag. Es kam zuletzt so 
weit, daß ein kleiner frischer Knabe sich täglich mit ihm
        

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