Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/94/
- 90 - 
keit neuerlich in Unserm und des Landes Namen zu 
danken. 
Schloß Gutenberg am 30. Juli 1866. 
Johann. C v. Hausen, Landesverweser. 
Mit einem Zfachen „Hoch" auf Se. Durchlaucht 
wird die Sitzung geschlossen. 
Vaduz, 11. September. 
Der preußische Landrag hat die vom König nachge 
suchte Indemnität für seine Minister gewährt, und es 
sind sonach diesen Herren alle Sünden wider die Ver 
fassung nachgesehen. Auch in anderen Dingen herrscht 
gutes Einvernehmen zwischen Minister und Landtag. 
Dieser beeilte sich die Annerirung von Hannover, Kur 
hessen, Nassau zu billigen. Die vertriebenen Fürsten 
haben jetzt Gelegenheit, über die Vergänglichkeit irdischen 
Glanzes nachzudenken. Es heißt, daß sie die Schweiz 
zum Aufenthalt nehmen werden, nur der König von 
Hannover wird sich zu seinen Verwandten nach England 
begeben. 
Zn süddeutschen Landtagen drängt man zum engern 
Anschlüsse an Preußen. Wenn sie das Drängen nur 
nicht gereut. Wie die Sachen jetzt liegen, Mrd die preu 
ßische Regierung in den annectirten Landern nicht sehr 
liberal verfahren. Das freie Wort ist fast überall un 
terdrückt, wie es bereits ^ Dutzend Zeitungen das Le 
ben gekostet hat, daß sie freimüthig in die Welt hinaus 
schrieben. 
Oestreich gibt noch nicht zu erkennen, ob es in seinem 
Hause ein anderes Regiment führen werde. Sonderbar 
ist es schon mit diesem Reiche. Jetzt, nach dem Frieden, 
dauert noch immer der Belagerungszustand in Nieder- 
östreich und Böhmen. Man darf sich da nicht wun 
dern, wenn den Leuten der Muth und die Hoffnung 
sinkt. Allein sie tragen es geduldig, es ist das eine 
Tugend, die, wie die Feldkircher Ztg. schreibt, besonders 
den Deulschen in Oestreich fast bis zum Uebermaße ziert. 
Wie manches Anliegen hätte er auf dem Herzen und 
wie schweigsam ist er geworden! Man betrachtet es 
schon als eine Kühnheit, wenn irgend ein Gemeinderath 
die schüchterne Bitte stellt, es möchte wieder einmal an 
ders und besser werden und es möchte insbesondere dem 
Volke gestattet werden, durch seine Vertreter über das 
Wohl und Wehe des Vaterlandes mitzureden und mit- 
zubeschließen. So patriotisch besorgt um das Vaterland 
die Herzen jener Gemeinderäthe sind, denen der Anblick 
der kläglichen Zustande Oestreichs den Muth zu der er 
wähnten Bitte eingab — man versteht ihre Vaterlands 
liebe nicht, weist sie in ihre durch kalte Paragraphen 
vorgezeichnete Kompetenz zurück und die Dinge gehen 
den alten Gang vorwärts — abwärts. 
Die Rückkehr des liechtensteinischen Contingents er 
folgte am <4. d. Mts. Um tl) Uhr trafen die Mann 
schaften an der Grenze ein, ein Lieutenant von den 
Kaiserjägern begleitete das Contingent bis nach Vaduz. 
In Nendeln halten sich nebst Herrn Landesverweser v. 
Hausen und dem Grafen von Westfalen mehrere Land- 
tagSmitglieder eingefunden um die Truppe zu begrüßen. 
Hr. Landtagspräsident Dr. Schädler hielt folgende An 
sprache : 
Liechtensteinische Schützen! Liebe Landsleute! 
Mir wurde vom Landesausschuß die ehrenvolle Auf 
gabe zu Theil, Sie bei Ihrer glücklichen Rückkehr auf 
den heimatlichen Boden in seinem und des Landes Na 
men herzlich willkommen zu heißen. 
Als in diesem Sommer ein ebenso unvorgesehener als 
schrecklicher Kampf über Deutschlands Gauen entbrannte, 
als jeder deutsche Stamm, jeder deutsche Staat bereits 
in denselben verwickelt war, trat auch für unsere Staats 
gemeinde die Nothwendigkeit der Betheiligung an dem 
selben heran. 
Se. Durchlaucht, unser Fürst, wies sein Contingent 
in Uebereinstimmung mit der Bundesgewalt an dle Gren 
zen Tirols gegen Italien, um deutschen Boden vor frem 
dem Einbrüche sichern zu helfen. 
Durch diese höchste Anordnung wurden Sie in eine 
Gemeinschaft von Kampfgenossen gebracht, die zu den 
besten der Welt zählen, dadurch wurde ein Kampsseld 
genommen, welches Ihrer Waffe und Kampfart am mei 
sten zusagen mußte, dadurch wurden Sie der schmerzlichen 
Nothwendigkeit überhoben, deutsche Brüder bekämpfen zu 
müssen. Sie folgten willig dem Rufe des Fürsten und 
erfüllten Ihre Ausgabe mannhaft und treu. 
Sie haben gute Mannözucht gehalten, ein sicheres 
Kennzeichen einer verläßlichen und tüchtigen Truppe. 
Unverdrossen und mit Mannesmuth unterzogen Sie sich 
den auferlegten Strapazen, und würden et forderlichen 
Falles, das sind wir sicher, mit dem gleichen Muthe dem 
Feinde entgegengetreten sein. Sie setzten sich in ein gu 
tes Einvernehmen mit Ihren tapferen Kampfgenossen, 
und haben überhaupt Ihre Aufgabe, soweit sie gestellt 
wurde, zur vollen Zufriedenheit Ihrer Vorgesetzten gelöst. 
Deßwegen begrüßen wir Sie als würdige und mann 
hafte Söhne des Landes. 
Die Bevölkerung folgte Ihnen auf Ihrem Zuge mit 
sorgsamem Auge und jede Kunde von Ihnen wurde mit 
allgemeiner und lebhafter Theilnahme entgegengenommen. 
Insbesondere haben wir alle die gastfreundliche und viel 
fach sehr ehrenvolle Aufnahme, die Sie auf Ihrem 
Marsche gefunden mit großer Befriedigung vernommen. 
Sie treten nun zurück in den Kreis der Ihrigen, die 
Sie mit Sehnsucht erwarten, und mit herzlicher Freude 
aufnehmen werden, Sie treten zurück m diese Kreise mit 
dem gehobenen Bewußtsein, eine der höchsten und ehren 
vollsten Aufgaben eines Staatsbürgers treu erfüllt zu 
haben. 
Se. Durchlaucht, unser gnädigster Fürst, begnügte sich 
nicht allein damit, die Kosten für Ihre Verpflegung hoch 
herzig zu übernehmen, Seine landesväterliche Vorsorge 
war überdies wahrend Ihrer Abwesenheit stets wachsam 
für Ihr Wohlergehen und bemüht Maßnahmen anzu 
ordnen, die geeignet waren dasselbe zu fördern. Dafür 
sind Sie, dafür ist das ganze Land unserm gnädigsten 
Landesherrn zum tiefsten Danke verpflichtet. 
Schützen! ich fordere Sie, ich fordere alle Anwesenden 
auf, unseren Gefühlen des Dankes, der Anhänglichkeit 
und Treue hier den öffentlichen und feierlichen Ausdruck
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.