Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/92/
auch den kräftigsten Körper. Da mußte neben dem La 
gerfeuer auch von innen gebeizt werden! Wenn der 
Mann nach Mündigem Dienste von seiner hohen Wacht 
herabstieg, müssen Sie nicht meinen, daß ein warmes 
Lokal, ein Strohsack :c. für ihn bereit waren, um aus 
ruhen und seinen nassen Mantel trocknen zu können, damit 
er nach Mündiger Ruhe den Posten auf der Höhe 
wieder beziehe. Es war nicht möglich, solchen Comfort 
dem Soldaten zu bieten. Das sah er aber auch ein 
und begnügte sich mit einem Strohlager in einer offenen 
Hütte oder unter einem Dache, wo er, in seinen Man 
tel oder in eine Kotze gehüllt, seine müden Glieder aus 
streckte. Man hörte in dieser Beziehung keine Klagen, 
alles war heiter und munter, der Gesundheitszustand 
der beste. Es war wirklich erwünscht, daß die Liechtenst. 
Schützen auch in die Lage kamen zu sehen, was man 
vom Soldaten fordert, und was er leisten kann, wenn der 
Wille da ist, und daß der Soldat nicht ins Feld zieht, 
um in Federbetten zu schlafen, und im Q-uartier des rei 
chen Bürgers sich volle Töpfe vorstellen zu lassen. — 
Am 15. d. verließen wir den lombard. Boden auf höhern 
Befehl und jetzt sind wir wieder in Prad. — Die Liech 
tenst. Schützen sind in Quartiere untergebracht, haben 
aber Naturalverpflegung d. h. sie müssen selbst kochen. 
Nebst ^2 Pfd. Fleisch und IV2 Pfd. Brod er 
hält der Mann täglich an Löhnung und 
Verpflegsbeiträgen 34 kr. Papier, immerhin 
eine ganz anständige Löhnung mit welcher er 
leben und auskommen kann." 
Anmerkung d. R. Es freut uns, diese Notizen 
über die Verpflegung und Löhnung der Mannschaft mit 
theilen zu können, weil sich bei vielen unserer Lands 
leute die Meinung verbreitet hatte als würden die Trup 
pen schlecht bezahlt. Leider, daß man bei uns jedem 
einfältigen Gerede gar zu gerne Glauben schenkt. 
Die preußische Thronrede ist wörtlich durch das 
atlantische Kabel nach Amerika telegraphirt worden, so 
daß sie zwei Tage, nachdem sie gehalten worden, in al 
len amerikanischen Zeitungen zu lesen war. Sie kostete 
8000 fl., allein der amerikanische Crösus Peabodo wen 
dete diese enorme Summe dafür auf. 
Herr v. Dreyfe, der Erfinder des Zündnadelge 
wehrs, wird in nächster Zeit dem König von Preußen 
ein Geschütz zur Disposition stellen, das bei der Artil 
lerie dieselben Erfolge verspricht, welche das Zündnadel 
gewehr bei der Infanterie erreicht hat. Derselbe con- 
struirt ferner ein Zündnadelgewehr ganz von Eisen, das 
aber 3 Pfund leichter als das jetzige sein soll. 
Der 10. August ist ein Unglückstag für die Stadt 
Antwerpen geworden. Es kam in dem großen Waa 
renlager des Handelshauses Haine Feuer aus, das so 
mächtig um sich griff, daß man am 12. des Feuers noch 
nicht Herr war. In den Kellern lagen 3600 Fässer 
mit Petroleum aufgespeichert, von denen man nur 800 
in Sicherheit bringen konnte, ehe die Flammen nahe ka 
men. Die Verwirrung ist unbeschreiblich. 
Gestern Abends (10. August), schreibt der französische 
Korrespondent Vilbort aus Paris, verabschiedete ich 
mich von Herrn v. Bismarck, der mir in Berlin, 
Horschitz, in Nikolsburg überall eine freundliche Auf 
nahme bereitet hatte. DaS Familienleben eines Staats 
mannes muß mit einer Mauer umgeben sein; doch kann 
ich sagen, daß dieser schreckliche Minister, welchen die il- 
lustrirten Wiener Blätter mit der Sense des Todes in 
der Hand darstellen, in seinem häuslichen Leben der lie 
benswürdigste und sanfteste Mann, der zärtlichste Gatte 
und Vater ist. Sein Salon ist ein großer französischer 
Salon mit einem Duft von deutscher Gemüthlichkeit. Als 
ich Herrn v. Bismarck verließ, fragte ich ihn: Nehme 
ich Krieg oder Frieden mit nach Paris? Er antwor 
tete: „Freundschaft, dauerhafte Freundschaft mit Frank 
reich. Ich hege die feste Ueberzeugung, daß Frankreich 
und Preußen in Zukunft den Dualismus der Intelligenz 
und des Fortschritts bilden werden. Auch hoffe ich näch 
stens wieder nach Biarritz, meinem Verjüngungsbad zu 
gehen." 
Anzeigen. 
Noch 
nie dagewesen!!! 
Baumwollen - Tücher 
in kleinen und großen Resten von ^ Elle bis zu 
20—30 Ellen, aus dem Triesner Brand gerettet, 
sind in der C. Honegger'schen Fabrik im Mühle 
holz bei Vaduz zu fabelhaft bl'Ktgen 
Preisen zu haben. Es liegen daselbst viele 
Zentner — die Qualität der Resten ist ausgezeich 
net — Hausfrauen können sich um wenige Franken 
aus Jahre hinaus mit Vorräthen zur Ausbesse 
rung der Wasche, zu Futterstoffen :c. 
versehen. — Unterhändler erhalten günstige Be 
dingungen. 
Wichtig für Vruchleidende! 
Wer sich von der überraschenden Wirksamkeit des be 
rühmten Bruchheilmittels von dem Brucharzt Kriisi-Altherr 
iu Gais, Kanton Appenzell in der Schweiz, überzeugen 
will, kann bei der Erpedition dieses Blattes (Buchdruckerei 
des Hrn. H. Graff in Feldkirch) ein Schriftchen mit vielen 
hundert Zeugnissen in Empfang nehmen. , 
Curs. 
Für 100 fl Silber wurden in Wien bezahlt: 
Samstag, den 18. August. . . . fl. 126. Banknoten. 
Donnerstag, den 23.August. . . fl. 527. » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor: Dr. Schädler. 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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