Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/83/
Benedek äußerte: ,Jch habe es dem Kaiser anheim 
gegeben, mich an die Spitze einer Compagnie, eines 
Regiments oder eines Corps zu stellen, und ich hoffe 
jedenfalls in die Lage zu kommen, noch einmal voll und 
ganz meine Pflicht zu thun." — Er hat ein Corps 
bekommen. 
Das Schloß Nikolsbnrg, in welchem der König 
von Prenßen sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, ist 
eines der schönsten in ganz Oestreich und erinnert an 
das Heidelberger Schloß. Es gehört jetzt der Gemahlin 
des Ministers Mensdorsf, der Tochter des letzten Grafen 
Dietrichstein. In dem Zimmer, das der König inne hat, 
hat nach der Schlacht bei Austerlitz 1805 Napoleon I. 
gewohnt. Das Schloß liegt auf einem hohen Felsberge 
und bietet die großartigste Aussicht; der Schloßgarten 
liegt hoch über der Stadt, aber noch in Thurmhöhe un 
ter dem Schlosse. 
Den preußischen Heeren in Böhmen und Mahren 
werden große Heerden Ochsen nachgetrieben. Das 
Vieh wird von Bauern getrieben und diese wieder von 
Soldaten mit Zündnadelgewehren und von Husaren mit 
dem Säbel. Den Ochsen werden die Mantel um den 
starken Hals und den stärksten die Tornister zwischen 
die Hörner gehängt. Für einzelne Wanderer oder klei 
nere Züge ist's jetzt geradezu in Böhmen lebensgefähr 
lich, denn die Czechen sind furchbar erbittert und schla 
gen die Einzelnen auf der Landstraße todt. 
In London hat es während der letzten Woche arge 
Unruhen unter dem Volke gegeben. Die Reichen 
und Bevorzugten Englands stemmten sich gegen eine Aus 
dehnung des Stimmrechts für die Parlamentswahlen. 
Es hat sich nun ein großer Verein von Arbeitern, Bür 
gern, überhaupt von Leuten aus den untern Volksklassen 
gebildet, welche die Erreichung eines allgemeinen Stimm- 
rechts anstreben. Die Regierung wollte nicht gestatten, 
daß dieser Verein Versammlungen im Hyde-Park, einem 
öffentlichen Garten, abhalte und bot Militär und an 
1500 Polizeileute auf. Das Volk ließ sich aber nicht 
abhalten, es kam zu einer gewaltigen Prügelei, die ei 
serne Umzäunung des Parks wurde eingedrückt und die 
Polizei mußte mit blutigen Köpfen abziehen. Die Re 
gierung sah sich genöthigt nachzugeben, eö wären die 
schlimmsten Dinge zu erwarten gewesen. 
Der Telegraph nach Amerika ist glücklich zu 
Stande gekommen, am 27. Juli Abends 8 Uhr <43 M. 
war der Draht in Amerika ans Land gebracht worden. 
Am 30. Juli war die Nachricht davon schon überall 
bekannt. Die Amerikaner werden jetzt früher über un 
sere deutsche Kriegshändel Nachricht haben, als zahlreiche 
Städte und Ortschaften im eigenen Lande. 
Die Welt geht unter! soll Antonelli, der Minister 
des hl. Vaters gerufen haben, als er die Niederlage 
Oestreichs erfahren hatte. 
40 ungarische Husaren kamen bei einem der letzten 
Gefechte so ins Gedränge, daß sie umringt wurden und 
sich unmöglich durchhauen konnten. Die Husaren stiegen 
daher von ihren Pferden, küßten sie noch einmahl mit 
großer Zärtlichkeit und erstachen sie mit den Worten: 
Preuß soll m't ungarisches Pferd reiten! Dann gaben 
sie sich gefangen. 
In Hannover will man wissen, daß dem letzten 
entscheidenden Kriegsrathe unter Vorsitz des Königs 
beigewohnt hätten ein General: Tschirschnitz, dann Preß 
direktor Meding, Hofzahnarzt Sieck und Armee-Musik 
direktor Gerold. — König Georg ist in Wien an 
gekommen. 
Mitten in der Schlacht von Königgrätz haben die 
Soldaten Hasen gejagt, die sich erschreckt unter die 
lagernden Truppen geflüchtet hatten. Beim Vormarsch 
ins Feuer hatte ein Füsilier eine GanS im Gürtel hän 
gen, welche halb erwürgt war. Was soll die Gans da? 
fragte ein Offizier. — Ich habe das arme Thier gerettet, 
Herr Lieutenant; eS hatte schon einen Schrammschuß 
von einer Granate! — 
Berliner Häuser (M. Schlesinger) machen große Ge 
schäfte mit gefütterten Panzerhemden ä 12 Thlr. Der 
Panzer besteht aus 12,000 einzelnen kleinen Ringen von 
galvanisch-verkupfertem Eisen. Sie sollen sehr leicht und 
bequem zu tragen sein. 
Auf dem hohen Thurm in Troppan war ein preu 
ßischer Posten zur Umschau aufgestellt; er wurde ver 
gessen, als die Preußen abzogen. Die Einwohner tu- 
multuirten und wollten den Posten verhaften, er aber 
vertheidigte die enge Treppe, die zu ihm führte, mit dem 
Bajonnet und drohte andern Tages, er werde vom 
Thurm aus Jeden auf dem Markt niederschießen, wenn 
man ihm nicht freien Abzug bewillige und Essen bringe. 
So hielt er 2 Tage aus, bis wieder preußische Truppen 
einzogen. 
Die Franzosen geben den Preußen durch die Blume 
zu verstehendste möchten sich eilen, mit ihrem Zündna 
delgewehr so viel zu erreichen als möglich; denn bald 
werde die Zündnadel von einem französischen Gewehr 
abgelöst werden, das viel mächtiger sei. Das sei das 
elektrische Gewehr eines Franzosen Bazain. Das 
Ding sei nur mit elektrischer Luft geladen und habe 
weder Hahn noch Drücker, weder Wind, noch Regen 
schadeten ihm. Mit diesem Gewehr werde Frankreich 
seinen Beruf erfüllen, an der Spitze der Bildung ein 
herzuschreiten durch alle Länder. Gesehen aber hat's noch 
Niemand! daher sagen die Berliner: bange machen, 
gilt nicht! 
— Wie eS in Graubünden den Preisrichtern bei 
der Biehschan geschehen. Das „Bünd. Tagblait" 
sagt, daß die Preisrichter viele üble Nachreden an den 
Wirthstischen über sich ergehen lassen müssen. Wir 
bemerken, es ist das nichts Neues — ist auch in 
Liechtenstein schon dagewesen. Den Preisrichtern gehtS 
halt, meint das „Tagblatt",, wie jenem Beamten: Man 
weiß, daß einmal ein Fremder in das Dorf kam und 
fragte, wo der Gemeindeamman wohne. „Weiter oben 
wohnt der Schelm" war die Antwort. Weiter oben hieß 
es wieder „dort im weißen Hause wohnt der Hudle" 
und s. f. bis der Fremde den Amman gefunden hatte. 
Als seine Geschäfte zu Ende waren fragte er ihn, was 
er als Amman für einen Lohn habe. „O weiter nichts" 
— war die Antwort — „als das Bitzli Ehr."
        

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