Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/82/
hängen — d. h. nun nachdem der Friede bereits abge 
schlossen , wird in einer vom Feinde nicht besetzten Pro 
vinz der Kriegszustand geschaffen. Die gewöhnlichen 
Gerichte ruhen theilweis, indem eine große Reihe von 
Vergehen und Verbrechen den Kriegsgerichten zur Ab 
urtheilung überwiesen ist, zugleich sind die Gesetze über 
Schutz der persönlichen Freiheit und des Hausrechts au 
ßer Kraft gesetzt. 
Vaduz, 30. Juli. Heute Vormittag hat Se. 
Durchlaucht Fürst Johann unser Land wieder 
verlassen. Wie man vernimmt soll sich Höchstderselbe 
von Seinem Besuche sehr befriedigt gefühlt und baldige 
Rückkehr in Aussicht gestellt haben. 
Vaduz, 31. Juli. Wie die „Feldk. Zeitg." meldet 
und wie man aus mündlichen Berichten erfährt, war 
der Empfang unseres Contingents in Feldkirch und 
Bludenz ein äußerst herzlicher. Ueberall in unserm 
Ländchen wird diese Aufnahme unserer Söhne das wärmste 
Gefühl der Anerkennung und des Dankes hervorrufen 
und dazu beitragen die jederzeit guten Beziehungen zu 
unseren Nachbarn in Vorarlberg, nur noch zu steigern. 
— Die an der Spitze unseres Blattes mitgetheilten 
Landtagsverhandlungen bringen die höchste Erwiederung 
S. Durchlaucht auf die Landtagsadresse. Darin mögen 
unsere Landsleute besonders die Gründe ersehen, welche den 
Landesfürsten zum Ausmarsche des Kontingents bewogen 
haben. Es ist nicht zu zweifeln, daß diesen Motiven 
Anerkennung zugestanden werden wird, und besonders 
der Rücksicht auf die Wahrung der Selbständigkeit 
unseres Landes. In dieser Richtung begegnen sich nach 
unserer Kenntniß der Lage alle wenn im Uebrigen noch 
so verschiedenen Meinungen im Lande. 
Ueber die Friedensbedingungen zwischen Preußen und 
Oestreich erfährt man bereits Folgendes: Oestreich tritt 
aus dem deutschen Bunde. Norddeutschland bildet 
einen Bund unter der Leitung Preußens, die süddeutschen 
Staaten Baiern, Würtemberg, Baden, Hessen bilden ei 
nen Sonderbund an dessen Spitze Laiern (?) treten soll. 
Oestreich zahlt 20 Mill. Thlr. Kriegskosten an Preußen. 
Das Königreich Sachsen bleibt und tritt dem norddeutschen 
Bunde bei. Preußen wollte auch Gebietsabtretungen 
von Oestreich (ungefähr mit 100,000 Seelen), sowie den 
Besitz der Stadt Leipzig, doch ließ eS diese Ansprüche 
fallen. Die süddeutschen Staaten schließen jeder für 
sich einen Frieden mit Preußen. Mit Italien sind noch 
keine Friedensbedingungen festgestellt. 
In Berlin liegen ^090 Personen an der Cholera 
darnieder; täglich kommen 100—200 neu dazu, mehr 
als die Hälfte der Erkrankten mußte bisher erliegen. 
Auch in den Lazarethen des böhmischen Kriegsschauplatzes 
erschien diese Pest in verstärktem Grade, begleitet von 
einer Legion anderer Krankheiten, welche die Verwunde 
ten rasch dahin raffen. 
— Die deutsche Bundeskasse und eine Last von 1-400 
Ctr. Silbergeld des würtembergischen Staatsschatzes sind 
nach der Schweiz gebracht. Auch Frankfurter Bankiers 
in großer Anzahl haben ihre Schätze bei den Eidgenos 
sen in Sicherheit gebracht. 
An der Mainlinie von Frankfurt bis Würzburg ha 
ben in der letzten Juli-Woche zahlreiche Kämpfe zwischen 
Baiern, Würtemberger, Badener einerseits und Preußen 
andererseits stattgefunden. Die Süddeutschen fochten 
aber nicht vereinigt, sondern jeder Theil bekam gesonderte 
Schläge von den Preußen. Trotz verschiedener „glän 
zender Gefechtsmomente" mußten die Reichstruppen ste 
tig rückwärts vorschreiten. 
Acht Schüsse und doch gesund. In Erfurt ist ein 
Soldat aus dem Gefecht von Langenfalza angekommen, 
der acht Schüsse hat, von denen er nicht verletzt ist. 
Er hat 3 im Rockschoß, die eine Achselklappe ab, die 
Mütze durch, die Hose durchlöchert und ein Stückchen 
Nagel ab. 
Ein Würtemberger Hauptmann hielt seiner 
Compagnie zum Fahneneid folgende Rede: „Jetzt will 
i au e paar Wort zu meine Leut' rede: mir Schwabe 
brüste uns net, mir glaube au net, daß mir die Welt 
auffresse — aber' nei haue thue mir mit unsere Fäuscht, 
so viel als mir könne." — Ja, das thue mir!" ant 
wortete die Compagnie. 
Die Gefechte in und um Kissingen waren sehr hart 
näckig und blutig, weit blutiger als die Erstürmung der 
Düppeler Schanzen. Die Podewils-Gewehre der Bay 
ern und ihre Artillerie sollen von großer Wirkung ge 
wesen sein. Die Bayern rühmen vor allem die preußi 
sche Cavallene. Im Kurhaussaal, unter den Kolona 
den, in Privathäusern und in dem Dörfchen Winkels, 
wo der Hauptkampf stattfand und auch General Zoller 
fiel lagen die Verwundeten massenweis. Ein Apotheker 
gehülfe wurde von einer Kugel am Fenster getödtet. 
Zusammengeschossen ist der Kirchthurm, einige Häuser, 
darunter der „Bayerische Hof" sind stark mitgenommen, 
noch schlimmer der Kurgarten, in welchem die preußische 
Cavallene in der Nacht nach dem Treffen ihr Bivouac 
aufschlug. Ein Hausknecht erschoß einen preußischen 
Soldaten und brachte die Gefahr furchtbaren Unglücks 
über die Stadt. Außerordentlich tapfer haben sich die 
bayerischen Jäger in dem Gottesacker nach Winkels zu 
geschlagen; als das Häuflein bis auf wenige zusammen 
geschmolzen war, boten die Preußen dem blutjungen 
Lieutenant Pardon an, er antwortete mit einem Revol 
verschuß und sank in demselben Augenblick von seind> 
lichen Kugeln durchbohrt nieder. Die Preußen sind sei 
nes Ruhmes voll. An Pflege fehlt es den Verwun 
deten nicht. 
Ein preußischer Soldat schreibt aus Böhmen: „Vor 
der sächsischen Armee, namentlich der Artillerie, muß 
man den Hut abziehen. Sie schössen ganz prachtvoll 
und schadeten den Preußen mehr als die Oestreicher; 
die Infanterie hat an einer Stelle so wüthend gefoch 
ten, daß das 35. Regiment dem 48. zu Hülfe kommen 
mußte." — So die Sachsen! Und wie haben die Bay 
ern, die Darmstädter zc. gefochten, aber Deutsche gegen 
Deutsche! Und wenn die Welt voll Teufel wär', — 
wir brauchten uns nicht zu fürchten, wenn wir einig 
wären und gut geführt!
        

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