Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/63/
beherbergt, die es an Rohheit selbst mit den Baschkiren 
und Kalmücken aufnehmen dürften. Eine Rotte von 
1000 Landwehrmännern, welche aus der Gegend von 
Gnesen kam, hat sich auf dem Marsche die ärgsten Roh 
heiten und Ungebührlichkeiten erlaubt; in den Quartieren 
haben sie sich wie Schweinehunde aufgeführt. Unter 
wegs nahmen sie alle Fuhrwerke mit, welche ihnen be 
gegneten, mißhandelten harmlose Wanderer, drangen in 
die Häuser ein und verlangten zu essen und zu trinken; 
in den Wirthshäusern berichtigten sie die Zeche, indem 
sie alle Gerätschaften zerschlugen zc. Die wenigen Of 
fiziere und Unteroffiziere, welche die Schaar zu führen 
hatten, fanden nicht den geringsten Gehorsam und muß 
ten froh sein, daß sie nicht selbst geprügelt wurden. So 
hausten diese Ehrenmänner" (preußische Landwehr) im 
eigenen Lande Posen und Gnesen. 
In Preußen gibt eS noch furchtl ose Richter, die 
unbekümmert um die Drohungen der Gewaltigen Recht 
sprechen. Der Abgeordnete Twesten war angeklagt, in 
seiner Landtagsrede Minister, StaatSanwalt und alle 
preußischen Gerichte verleumdet zu haben. Das Ober 
tribunal (oberste Gericht) erklärte auch die Abgeordneten 
für ihre Reden im Landtag den Gerichten verantwort 
lich ; aber das Berliner Stadtgericht kehrte sich nicht an 
das Urtheil des Obergerichts und sprach Twesten frei. 
In manch anderem Staate hätte das Untergericht nicht 
gewagt, anders zu entscheiden als die allweisen Ober 
richter. — Die Truppen in Schlesien müssen theilweise 
unter Zelten im Freien kampiren; am Tage haben sie 
viel zu leiden von der großen Sonnenhitze und Nachts 
von kühlen Lüften, da sie keine Wachtfeuer aufmachen 
dürfen. — Es ist auffallend, daß die Rheinlande von 
allen preußischen Truppen entblößt sind; ja sogar Ka 
nonen sollen auS dortigen Festungen hinweg genommen 
worden sein. Das wird ausgelegt, als seien die Rhein 
lande an Frankreich verrathen, als wolle man ihm de 
ren Besitznahme nur erleichtern. — In Frankreich wer 
den auch Zündkapseln für Preußen fabrizirt, sowie es 
den Italienern Kriegsmaterial jeder Art liefert. 
Schweiz. Bei Au-Monstein soll eine hölzerne 
Rheinbrücke erbaut werden. Die Kosten trägt die 
Gemeinde Au, und erhebt dafür ein Brückengeld, wo 
gegen der Staat von der Erhebung der Ueberfahrtsgel 
der absieht. — Der Große Rath von St. Gallen hat 
200,000 Frs. zu Bauten in der Irrenanstalt St. 
Pirminsberg in Pfäffers verwilligt, ebenso ^ Mill. Frs. 
zum Bau der Toggenburger Eisenbahn. Weiter soll 
er 5/4 Mill. zum Bau der Bahn Romanshorn-Konstanz 
spendiren. — Aus Bern schreibt man: Ein Sizilianer 
habe einen Küraß erfunden, durch welchen weder Sä 
belhiebe noch Pistolenschüsse eindringen, und welcher nur 
3 Pfund wiegt. Wahrscheinlich hat Bismarck solche 
Hemden. 
Zur Zeit des amerikanischen Krieges gingen zahlreiche 
Gewehrkeferungen über das große Wasser. Jetzt wan 
dern sie wieder zurück 
Italien. Garibaldi wird durch einen Abgesandten 
des Königs zur Anführung der Freischaaren eingeladen 
und ist bereits in Como eingetroffen. Man darf also 
schließen, daß der Kampf bald entbrennen wird. — Die 
Militärpflichtigen der Jahre 1842, 43, 45, 46 werden 
nachrekrutirt, eS soll noch 200,000 Mann ergeben. — 
Neben dieser Aushebung lebendigen Kriegsmaterials ist 
die Aushebung von 500 Mill. Frs. aus den Taschen 
der ital. Bürger im^ Anzug, d. i. ein Zwangsanlehen 
von diesem Betrage. Dafür soll der Zwangskurs der 
Banknoten wieder aufgehoben werden. — Die Deputir- 
tenkammer (Landtag) hat die Aufhebung aller religiösen 
Körperschaften (Mönchs- und Frauenorden) beschlossen. 
Frankreich. Die Pariser Studenten erlassen einen 
Ausruf an ihre deutschen und italienischen Brüder, wo 
rin sie denselben die Lehre ans Herz legen, daß die be 
vorstehenden Kriege wieder zu nichts anderem als zur 
Unterdrückung der Völker führen werden. Sie fordern 
auf, daß sich die Völker einigen um die Welt zu säu 
bern von ihren eidbrüchigen Unterdrückern. Die Pariser 
haben einen Mann dieser Sorte ganz nahe. ES zeigt 
sich jetzt wieder, daß er der Haupthetzer und Verschwö 
rer ist. Also lasse man es diesem zunächst gelten» — 
Napoleon hatte eine Anzahl Spionen nach Deutsch 
land gesandt, sie kamen in kurzer Zeit zurück und be 
richteten: „Es ist nichts anzufangen mit diesen Leuten." 
Der Prinz Napoleon räth dem Kaiser zur Betheili 
gung am deutschen und italienischen Kriege. Der Kai 
ser will sich das aber noch etliche Wochen überlegen, 
denn das französische Volk ist einmal dem Krieg vollstän 
dig abgeneigt, weil man glaubt, ohne die Einmischung 
Frankreichs könne der Krieg nur eine kurze Dauer ha 
ben.— Napoleon schrieb einen Brief an den heil. Va 
ter,? in welchem er ihn seines Schutzes versichert und 
erklärt, daß der Kirchenstaat von den gegenwärtigen 
Wirren nichts zu fürchten hätte. — Auch eine neue Er 
findung hat der scharfsinnige Franzosenkaiser wieder ge 
macht: eine neue Kanone. 
— Um die Manöver des Pariser Taschenspielers we 
nigstens zur See zu überwachen, habe England mit Hol 
land und Belgien im Geheim ein Bündniß abgeschlossen. 
— Die Königin Victoria, läßt, wie englische Zeitungen 
melden, dem König Wilhelm jeden Morgen folgende 4 
Worte telegraphiren: „Möge Sie Gott erleuchten." 
— Seit einem Jahre waren die 20 Frs.-Stücke sel 
ten im Kleinverkehr hiesiger Gegend und wurde bis 8 
kr. Agio per Stück bezahlt. Jetzt stehen sie in Frankfurt 
weit unter dem Nennwerth von fl. 9. 20 R. W., man 
liest von fl. 9. 14-17. — Preußische Thalerfcheine 
stehen in Frankfurt zu fl. 1. 43—44. 
— Von den Sandwich-Inseln, zu Australien gehörig, 
berichtet man den AuSbrüch eines VulkaneS. In der' 
Höhe eines BergeS von 10,000 Fuß brach sich eine 
Oeffnung, aus welcher Lava hervorströmte. Später er 
schien an tieferen Stellen ein riesenhafter Springbrun 
nen von geschmolzenem Gestein. 1000 Fuß senkrecht in 
die Höhe trieb es die glühenden Massen und wohl an 
100 Fuß dick war der Strahl. Die geschmolzene Mas 
se floß in die Ebene und durchlief einen Weg von wohl 
35 engl. Meilen (k 2/2 Std.). Auf 200 engl. Meilen 
sah man bei Nacht den Schein und 40 Meilen weit 
ließ sich das Getöse und der Donner vernehmen. ES 
ist dieß der großartigste Auöbruch, der je erlebt wurde.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.