Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/59/
hat, in ein goldenes Medaillon als Angedenken mit zu 
rück." Lachend hörte dieö die Menge an, und ein Ruf 
ertönte: „Nein, den Bismarck müssen wir lebendig ha 
ben, der Kerl muß dann in das Affenhaus im zoologi 
schen Garten eingesperrt werden, daß wir unsere Freud' 
haben können, den Kerl zu sekiren." Die Berliner la 
chen und argern sich zugleich; denn dasselbe Regiment 
haben sie vor ein paar Jahren mit Butterbroden und 
Liebkosungen zugedeckt, als es von Schleswig durch Ber 
lin heimzog. 
— Ein Fabrikant in Wien hatte Zwillinge, einen 
Buben und ein Mädchen, drei Jahre alt, die einander 
glichen wie ein Ei dem andern. Ich wette, sagte er zu 
einem Freunde, Du bekommst nicht heraus, welcher der 
Knabe und welches das Mädchen ist. Top, es gilt! 
sagte der Freund. Wann darf ich mich einstellen? — 
Morgen! — der Freund kam, die Kinder waren als 
Mädchen gekleidet. Da legt er schweigend auf die eine 
Seite des Tisches eine wunderschöne Puppe und zierli^ 
ches Küchengeschirr, auf die andere Seite ein kleines 
Schießgewehr sammt Trommel — gleichsam zur Aus 
wahl. Im Nu hatte das Mädchen die Puppe ergriffen 
und der Knabe die Waffen. Die Wette war gewonnen. 
— Die preußischen Landwehrmänner sind theilweis 
ganz aus der Uniform gewachsen. Ihre Bäuchlein wa 
ren im tiefen Frieden, der ernährt, so rund geworden, 
daß sie in keine Uniform zu zwängen waren, es mußten 
in aller Eile neue gemacht werden, nämlich Uniformen. — 
In Breslau. eilt ein Landwehrmann vor's Thor, 
wo sich sein Regiment znm Ausmarsch sammelt. Seine 
kleine kugelrunde Frau ließ sich's nicht nehmen, ihm 
Mantel und Muskete zu tragen. Da sieht der Mann 
den Major in einer offenen Droschke anfahren, seine 
Bemühungen, der Gattin das Gewehr zu entreißen, sind 
fruchtlos; rasch stellt er sich in Positur und macht die 
Honneurs; neben ihm steht die kleine kugelrunde Frau 
und schultert reglementmäßig das Gewehr. Major und 
Zuschauer brachen in heiteres Lachen aus. 
— In Mannheim (Baden) gibts einen reitenden 
Lehrer — er hat bei der letzten Stuttgarter Pferdelot 
terie Roß und Sattel gewonnen. 
Schweiz. Auch im Veltlin haben die Maifröste 
nachtheilige Folgen zurückgelassen. — In der letzten 
Maiwoche siel um Kaltbrunn ein starker Hagel, der be 
deutenden Schaden anrichtete. Ueber den Eintritt der 
wärmeren Witterung schreibt das „Bündner Tagbl.": 
Endlich ist die große Kälte gebrochen, hoffentlich für 
längere Zeit, wenn überhaupt im Jahre 4866 etwas 
wachsen soll. Es ist übrigens erst Mai und noch zu 
vielem Zeit, wenn der Sommer seine Aufgabe gut erfüllt, 
Aber hohe Zeit ist es, daß er komme, denn in den Hoch 
gegenden ist die Lage der Bauern bereits bedenklich ge- 
^ worden. Kein Heu mehr im Stall und Eiszapfen statt 
des Grases an den Quellen und auf den Wiesen. Der 
durch die Fröste ergangene Schaden an Heuwachs und 
anderen Früchten im ganzen Kanton ist unberechenbar; 
derjenige an den Trauben in Ehur und in der Herrschaft 
kann dagegen nicht in Betracht fallen, wenn schon er 
für einzelne Privaten empfindlich genug ist.. Die Alpen 
haben bisher keinen Schaden gelitten, weil sie noch unter 
Schnee liegen. — St. Gallen beabsichtigt die Gründung 
eines Kantonalkrankenhauses, welches auf 300,000 Fr. 
zu stehen kommt. — Graubünden und St. Gallen müs 
sen ihre Truppen zur Bewachung der Italiener und Ti 
roler Grenze aufstellen und kommen dadurch in bedeu 
tende Unkosten. Die beiden Cantone beschwerten sich 
beim Bundesrath und wünschen daß auch andere Can 
tone verhältnißmäßig belastet werden. — Das schweize 
rische Bundesheer zählte am Anfange des Jahres 1866 
199,054 Mann; davon gehören zum Auszug 35,470, 
zur Reserve 47,944 und zur Landwehr 64,549, wozu 
noch der Stab nebst Gesundheitspersonal, — Im letzten 
Wahlgang wurde Hr. Fürsprech Suter in St. Gallen 
zum Nationalrath gewählt. — Am 28. Mai traf der 
Blitz die Schießstätte in St. Gallen. Mehrere Schützen, 
welche sich in der Schießhütte befanden, wurden zu Bo 
den geschleudert und waren längere Zeit wie gelähmt — 
erholten sich jedoch wieder. -- Oestreich und Italien 
haben dem Bundesrath die Versicherung gegeben daß sie 
im Kriegsfalle die Neutralität der Schweiz refpektiren 
würden. — 
Land «nd HauswirthfchaMches. 
Knochenmehl. 
Ich hatte eine Probe des von Hrn. Andr. Schatz« 
mann in Feldkirch fabrizirten Knochenmehls an die k. 
sächsische Versuchsstation Möckern bei Leipzig einge 
sandt und erhielt hierauf folgenden Bericht: 
„Das von Ihnen an die Versuchsstation M. einge 
sandte Knochenmehl ist von mir untersucht worden und 
ich beeile mich Ihnen untenfolgend das Resultat der 
Analyse mitzutheilen. — In 100 Theilen enthält die 
Probe (feingepulvert) 
12,6 Feuchtigkeit, 
^ ^ t 0,- Sand u. drgl. 
64,g Asche, wovon j 25^ Phosphor säure, 
23,4 organische Bestandtheile, davon 2,4 Stickstoff 
und 0,i Ammoniak (M3). 
Diese Zahlen ergeben mit Bestimmtheit, daß das Fa 
brikat ein „unverfälschtes" ist, jedoch bemerke ich 
Ihnen, daß bei derartigen Düngemitteln sehr viel auf 
die Feinpulverigkeit zu geben ist und daß gerade der 
eingesandten Probe diese Eigenschaft nur theilweise zu 
kommt 
Versuchsstation Möckern, 29. Mai 1866. 
Dr. Wolf." 
Ich finde es im Interesse der Landwirthe, dieses gün 
stige Urtheil über das erwähnte Fabrikat mitzutheilen, 
in der Hoffnung, es möge dazu beitragen, den Gebrauch 
des Knochenmehls immer mehr zu verbreiten. Was den 
höheren Grad von Feinheit anlangt, so ist zu wünschen, 
daß darauf möglichste Sorgfalt verwendet werde, selbst 
wenn es eine Preiserhöhung zur Folge hätte; der Mehr 
aufwand bezahlt sich schnell und sicher. 
Die Kälte im Mai. Es ist eine alte Erfahrung 
daß die erste Halste Mai noch Spätfröste bringt. Der 
Stern- und Witterungskundige Mädler hat geglaubt,
        

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