Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/43/
geht aber, wie man hört, die Ausführung dieser Bestim 
mung sehr langsam vor sich. Es ist das eine unver 
zeihliche Nachlässigkeit und ein arger Fehler, die 
schlimmsten Folgen erwachsen können. Wer bürgt denn, 
daß nicht heute oder morgen das Unglück seinen Einzug 
hält? Mancher läuft und rennt im Schweiße seines An 
gesichtes nach ein paar Groschen und denkt nicht daran, 
daß ihm in der nächsten Stunde seine ganze Habe ein 
geäschert werden könne. 
Wieder andere unterlassen es, die abgelaufene Ver 
sicherung zu erneuern; so soll eS z. B. mit denjenigen 
stehen, welche in der Mailänder - Gesellschaft versichert 
waren. Vorsichtige Leute lassen ihre Gebäude nicht über 
Nacht ohne Versicherung, schon wochenlang vor dem Ab 
laufe der alten haben sie die neue Assekuranz besorgt. 
Mögen sich das die Nachlässigen merken, damit sie 
nicht im Falle eines Unglücks einzig auf die milden Gaben 
ihrer Mitbürger sich verlassen müssen! 
Vorarlberg. Die Anklage gegen die Gemeinde 
Haard wegen Störung der öffentlichen Ruhe durch die 
Adresse an den Landtag wurde niedergeschlagen, wegen 
Mangels an Beweismitteln. 
— Wegen der in voriger Nummer mitgetheilten Fälle 
von Lungenseuche hat die k. k. Statthaltern Grenz 
sperre gegen die Schweiz angeordnet. 
In Wien macht sich bereits die Kriegsbereitschaft durch 
Bankerotte unter Geschäftsleuten fühlbar. Ein halbjäh 
riger Krieg müßte die halbe Geschäftswelt ruiniren. — 
Wenn es sich bestätigt, daß 120 Millionen neues Papier 
geld ausgegeben werden, so macht dies mit den 150 
Millionen des Novemberanlehens 270 Millionen Schulden 
in weniger als Jahresfrist. 
Frankfurt. Herr v. Rothschild macht auch mobil, 
die 5 Millionen Gulden nämlich, die er für den Bundes 
tag im feuerfesten Geldschrank liegen hat. Er fürchtet, 
der Bundestag könne sie bald brauchen. 
Die Frau des reichen Fabrikbesitzers v. Kramer-Klett 
in Nürnberg schenkte vor ihrem Tode der Stadt 
Nürnberg 100,000 fl. zur Gründung einer polytechnischen 
Schule, 10,000 fl. der dortigen Kunstschule, ferner meh 
rere 1000 Gulden an Waisenschulen, Kleinkinderbewahr- 
anstalten :c. 
Einem kranken Kinde in Berlin verschrieb der Arzt 
eine Arznei, in der sich Salmiak befinden sollte. Als 
daS Kind die Arznei einnahm, schrie es laut auf und 
erbrach sich; die Eltern glaubten, es müsse dies der Er 
folg der Arznei sein und gaben sie weiter ein, bis das 
Kind noch heftiger erkrankte. Der herbeigeholte Arzt 
untersuchte die Arznei und fand in ihr statt Salmiak — 
Salzsäure. Das Kind starb, Untersuchung ist eingeleitet. 
Bor dem Thore in Braunschweig brechen Arbeiter 
ein HauS ab und stoßen dabei auf ein zum nebenan 
belegenen Grundstück gehöriges fensterloses Gemach, in 
welchem sie eine menschliche Gestalt bemerken. Was ent 
decken sie? Einen anscheinend uralten Mann, der von 
Ungeziefer bedeckt auf verfaultem Lager liegt; Nägel und 
Bart sind ins Ungeheure gewachsen, ein Auge ausge 
laufen ; um ihn her liegen die Reste seines Mahles: 
ryhe Kartoffelschalen tt. Bereits ist ermittelt, daß der 
GreiK ein gewisser August N. und von seinem Brnder, 
dem reichen Partikulier K. N., gefangen gehalten ist. 
Letzterer behauptete im ersten Verhör, die Einsperrung 
sei auf seines Bruders eigenen Wunsch geschehen. Nä 
heres ist abzuwarten. 
Schweiz. Die schweizerische Zolleinnahme betrug 
in den ersten 3 Monaten des Jahres 1866 um 215,000 
Franken mehr, als im vorigen Jahre — zum Theil ein 
Beweis des lebhafteren Geschäftes seit dem Frieden in 
Amerika. Am 21. April Viehzählung in der' DNM 
Schweiz. — Die sämmtlichen Herren Bischöfe der 
Schweiz waren unlängst in Chur zu einer mehrtägigen 
Berathung versammelt. Die warmen Tage im An 
sang dieses Monats brachten im Engadin und Grau 
bünden viele Lawinen, welche sogar die Gewässer in 
ihrem Laufe hemmten. — Der Verwaltungsrath von 
Sargans verspricht 200 Fr. Lohn demjenigen, welcher 
den Thäter nennt, der auf Sarganser Gemeindsgrund 
eine Anzahl junger Birnbäume stahl. — Mit der Ra- 
gazer GeWerbeausstellung soll auch eine land- 
wirthfchaftliche verbunden sein. — In der Gemeinde 
Atzmoos, wo eine große Fabrik erstellt wurde, soll eine 
Telegraphenstation eingerichtet werden. Die Gemeinde 
will die Kosten bezahlen. — An'Stelle des ver 
storbenen Nationalraths Hilti in Buchs wurde Herr 
Fürsprech Suter in St. Gallen erwählt mit 1665 
Stimmend Am 29. d. M. wird das Werdenberg'sche 
Bezirkssänger fest in Oberfchaan gefeiert. — Aus 
dem Klönthalersee (Glarus) hat man im letzten Winter 
6500 Zentner Eisblöcke fortgeschafft. — In Neuenburg 
sind die Holz preise derart gestiegen, daß sich einige 
Landleute entschlossen haben, an Wegen und Straßen 
lebendige Zäune zu pflanzen, um dadurch Holz zu ge 
winnen. Man will zwei Sorten amerikanischer Dorn 
sträucher pflanzen, welche sehr schnell wachsen. 
— Bürghrsinn. Hr. Nationalrath I. R. Ra schl e 
in Wattwyl schenkt seiner Heimatsgemeinde den Gast 
hof „zum alten Löwen" zu einem Gemeinde- und Reat- 
schulhaus, spendet 10,000 Fr. zum Umbau desselben und 
6000 Fr. als ein unangreifbares Kapital, aus dessen 
Zinsen fähige junge Leute beiderlei Geschlechtes zur Er 
lernung eines Berufes unterstützt werden sollen. 
Frankreich. Wie Alles, was seit Jahren von Paris 
ausgeht, den Charakter der Uebertreibung an sich trägt, 
so ist eö auch mit der für das Jahr 1867 beabsichtigten 
Weltausstellung. Die äußere Zurüstung und Aus 
schmückung des Ausstellungsgebäudes soll als ein gewal 
tiger Prachtbau sich vor den Augen Frankreichs und der 
Welt entfalten; die Werke der Kunst und der Industrie, 
welche das Innere enthält, sollen wo möglich durch die 
großartigsten Verhältnisse und den Glanz deS Gebäudes 
noch übertroffen werden. Die ganze Welt soll zu dieser 
Selbstverherrlichung des Kaiserreiches beitragen. Damit 
aber die Sache auch ihre komische Seite habe, ist ein 
zehnjähriges Kind zum Präsidenten der Ausstellungs 
kommission ernannt. Da wird man unwillkürlich an 
die Worte des Schwindlers Jenkinson und des Pfarrers 
von Wakesield erinnert: „Die Welt befindet sich gegen 
wärtig in ihrem kindischen Zeitalter". NeuerdingS kommt 
noch zur Belästigung der Aussteller die Bedingung hinzu, 
daß eine jede Gruppe, um den nationalen Charakter
        

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