Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/38/
sollen in Ausübung ihrer Pflichten nicht jederzeit sehr 
eilfertig sich beweisen. Diejenigen, welche Versicherungen 
abschließen wollen, beklagen sich, daß ihre Versicherungs 
anträge oft 14 Tage bis 3 Wochen bei den Feuerkom 
missionen liegen, ehe diese ihr Gutachten geben. Welch 
ungeheure Schädigung Einzelner kann daraus erwachsen? 
In Versicherungösachen, wo man schon über die nächste 
Minute im Ungewißen ist, sollte die äußerste Pünktlichkeit 
geübt werden. Es wäre zu wünschen, daß diese Lang« 
samkeit von Seite der Oberbehörde in Betracht genommen 
würde. 
— Der Zollverein hatte trotz der Herabsetzung der 
Zölle im Jahre 1865 fast die gleichen Einnahmen, wie 
1864. Es ergab sich eine Einnahme von nahe an 37 
Millionen fl. ö. W. Die Kosten der Zollerhebung und des 
Zollschutzes betrugen circa >4^ Millionen Gulden. 
Der letzte deutsche Landgraf. Am 24. März 
starb der Landgraf Ferdinand von Hessen-Homburg. 
Derselbe war früher östr. General und wurde 1848 
Souverän des Landes Hessen-Homburg. Er lebte als 
Junggeselle und führte ein sehr eigenthümliches Leben. 
Seine Wohnung hatte er, nach einem Berichte der Allg. 
Ztg., in einem in dem großen Schloßpark zu Homburg 
versteckt gelegenen Gärtnerhause aufgeschlagen; sie bestand 
in zwei kleinen Zimmern, mit weißen Wänden ohne den 
geringsten Zierrath. In dem hintersten stand eine Art 
Feldbett, ein gewöhnlicher eichener Tisch, ein paar Schemel 
und ein Waschgefäß; in dem vorderen, dessen Wände 
mit Jagdgeräthen behängen waren, befand sich ein über 
aus einfacher Schreibtisch, einige ordinäre Stühle, ein 
Schrank für Kleider und Wäsche und ein mit Leder 
überzogenes Kanapee. Diese Räume waren Jahr aus 
Jahr ein der Aufenthalt des Landgrafen; um sich hatte 
er nur einen alten Burschen als Leibdiener. Sein ge 
wöhnlicher Anzug war ein schlichter grauer Jagdrock, 
eine Mütze oder ein Cylinderhut und ein Paar Stiefel. 
Den größten Theil seiner Zeit brachte der alte Herr auf 
der Jagd zu. Auch Spaziergänge in dem alten Schloß 
park liebte er, doch suchte er stets die Orte auf, welche 
nicht vom Publikum besucht waren. — Es muß ihm jetzt 
unter der Erde wohler sein, als ihm auf derselben war. 
Wiener Elend. Schwarz auf weiß wird vom sta 
tistischen Amt nachgewiesen, daß der Gewerbfleiß und 
mit ihm der Wohlstand in Wien sinkt, die Armuth steigt; 
Zwangsverkäufe Pfändungen zc. sind seit Jahren umS 
dreifache gestiegen; der Fleifchbedarf hat abgenommen, 
obwohl die Menschenzahl zugenommen hat. Kein Wunder, 
daß in kurzer Zeit 13 Schwindler sich selbst ums Leben 
brachten, und daß sich in Wien allein 15,000 Personen 
um Stellen in Meriko beworben haben sollen! — Ein 
Wiener schreibt in die „Allgem. Ztg.", daß ein Krieg 
vielleicht die gute Wirkung eines Donnerwetters haben 
könnte, er würde die durch Schwindler, Betrüger, Ver- 
schwender zc. verpestete Luft etwas reinigen. — Die Ver- 
giftungsgeschichte von Tuvora wird immer schrecklicher. 
Durch die Gerichtsärzte ist es erwiesen, daß Tuvora sei- 
)!e Frau und Kinder halb mit List, halb mit Gewalt 
auS der Welt geschafft hat. Seine ahnungslose Frau 
hatte er ein ganzes Seidel Bier, das mit Schwefeläther 
gemengt war, trinken lassen und als sie sich unwohl zu 
Bette legte, reichte er ihr als Arznei einen Kaffeelöffel ^ 
voll aufgelösten Cyaukali, an dem sie sofort starb. Sei 
nen Kindern verbarg er den schnellen Tod der Mutter 
nnd vergiftete sie ebenfalls mit Cyankali. Schulden und 
Furcht vor Schande brachten ihn zu dem entsetzlichen 
Frevel. DaS Zeugniß seiner Kinder, daß sie freiwillig 
gestorben, ist von ihm selbst geschrieben. Tuvora war 
einst ein geheimer Polizeispion; er fand ein Ende, wel 
ches seines Lebens würdig war. — Das sind Wiener 
Geschichten, die aber in fast allen Stadtungeheuern un 
serer Zeit ihres Gleichen finden. Obenan steht viel 
leicht Paris. 
— Tuchfabrikant S. aus Reichenberg in Böhmen 
wollte am 26. Februar mit der Nordostbahn abreisen, 
vermißte aber plötzlich seine Baarschaft von 16,000 fl. 
Als er bestürzt aus dem Bahnhofe eilte, trat ihm ein 
polnischer Jude entgegen und fragte: „Haben Sie 
verloren die Brieftasche mit viel Geld?" — Freudig um 
armte der Fabrikant den ehrlichen Juden und nöthigte 
ihm 1000 Gulden auf. 
Eine kleine Gesellschaft eines sächsischen Grenzstädt 
chens veranstaltete in dem vorigen Winter eine Schlitt- 
tenpartie nach einem nahen böhmischen Dorfe und 
hatte, die Kälte scheuend, sich mit Wärmflaschen versehen. 
Dort angekommen, mundete den Leutchen der feurige Un 
garwein vorzüglich und sie beschlossen, einige Flaschen 
davon mit nach Haufe zu nehmen. Um aber den hohen 
Eingangszoll nicht zu geben, wurde der Wein in die 
Wärmsiaschen gefüllt und gepascht. Auf dem Nachhau 
sewege wird aber noch ein sächsischer Gasthof besucht. 
Beim Wiedereinsteigen bricht ein Herr der Gesellschaft 
in die Worte aus: „Aber unsere Wärmflaschen sind ja 
heeß!" Die Andern erbleichen. Da tritt aus dem Hin 
tergrunde der Hausknecht stillvergnügt hervor und spricht: 
Die Flaschen waren ja su kalt geworrn, da hab ich Se 
ene heemliche Freede gemacht, 's kalte Wasser hinwegge- 
gusten und heeßes eingefüllt. 
Schweiz. Die früher erwähnte Geschichte von einem 
gewissen Notar in Laufen, der sein Töchterchen mißbraucht 
und später vergiftet habe, hat sich zu Gunsten des An 
geklagten entschieden. Derselbe wurde vom Gericht frei 
gesprochen und unter Entschädigung für die ausge 
standene Haft freigelassen. So berichtet der schweizerische 
„Handelskurier". —Mehrere Schweizer in Odessa machten 
den Bundesrath aufmerksam, daß häufig Schweizermädchen 
in ausländische Dienste verlockt und hinterher dem Laster 
überantwortet werden. Besonders eine Frau Emilie ReiSner 
in Wien soll in der Art ein förmliches Geschäft betreiben, 
indem sie junge Mädchen unter dem Vorgeben, sie als 
Erzieherinnen, Sprachlehrerinnen:c. unterzubringen, durch 
zweideutige Verträge an sich ziehe. — In Bärschwyl 
(Solothurn) mußten zwei Ochsen geschlachtet werden, 
weil der Bauer auS Unkenntniß die Zweige des Eiben 
baumes (kommt auch bei uns in manchen Gärten vor) 
unter das Futter gemischt und die Thiere also ver 
giftet hatte. — Die Gemeinde GrabS hat den Pfarr 
gehalt von 1900 auf 2400 FrcS. erhöht. — Aus Uri 
wird berichtet, daß sich trotz der vorjährigen Trockne kein 
Heumangel geltend mache, und die Pieh preise seien 
daher wieder fest. — In Graubünden sollen auf
        

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