Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/3/
^ Zwischen Nordamerika und Frankreich 
thürmen sich drohende Wolken auf; Napoleon mag bald 
für einen Blitzableiter sorgen. Die Nordamerikaner wol 
len keine Monarchie zum Nachbar haben und nötigen 
falls ihr Hausrecht brauchen. Man höre die Sprache 
der Senatoren des Kongresses! Sie erklären; „Da der 
Kaiser Napoleon gegen den Volkswillen die Monarchie 
in Meriko errichtete, den Usurpator militärisch unterstützte, 
Letzterer aber die Sklaverei staatsrechtlich einführte und 
Gesetze zivilisirter Kriegführung durch Aechtung der Re 
publikaner verletzte, so betrachtet der Senat die Lage 
Merikos mit tiefster Besorgniß. Die Gründung einer 
Monarchie in Amerika, welche einzig durch europäische 
Bajonnette gestützt ist, widerstreitet der Politik der Union, 
dem Volsgeiste und den Einrichtungen. Der PräKent 
wird aufgefordert, die Politik und die Interessen der 
Union zu wahren." — Der Gesandte Napoleons in 
Meriko muß noch mehr wissen; denn er hat seinen 
Sekretär Hals über Kopf nach Paris geschickt, um an 
zufragen, wie er sich verhalten solle. 
— Die Amerikaner machen bedeutende Anstrengungen 
um den Baumwollen bau wieder auf die Stufe zu 
erheben, welche er vor dem Kriege hatte. Schon im 
nächsten Jahre sollen wieder 5 Mill. Ballen erzeugt 
werden. 
Viehseuche in England. Diese Krankheit, auch 
Rinderpest genannt, wurde durch russische Schlachtthiere 
in England eingeschleppt. Bisher sind in England 
39,714 Thiere erkrankt, davon 19,936 (also die Hälfte) 
gestorben, 10,787 wurden getödtet 2909 wurden wie 
der gesund. Ueber die Entstehung dieser rätselhaften 
Krankheit zirkuliren die sonderbarsten Ansichten, welche 
beweisen, daß die wirkliche Ursache, die Natur und Hei 
lung noch ganz unbekannt sind. Im südlichen Rußland, 
wo die Krankheit zuerst und sehr heftig grassirte, hat 
das Volk den Glauben der Biß giftigen Spinnen sei 
Ursache. Diese schwarzen, giftiger Spinnen überziehen 
ganze Landstriche mit ihrem Gespinnste, der Biß ist sehr^ 
schmerzhaft und bewirkt auch unter den Hirten schwere 
Krankheiten. Bei großer Dürre sollen diese^ Spinnen 
besonders gefährlich sein, und es soll dann die Seuche 
immer wieder von Neuem entstehen. Auch Schafe Wur 
den angesteckt, Hunde, welche das Fleisch solcher Thiere 
verzehrten, wurden wüthig; auch dem Menschen bringt 
der Genuß dieses Fleisches den Tod. Seit 1746 war 
England nicht von einer solchen Viehseuche heimgesucht. 
Die Fleischpreise gehen dadurch sehr in die Höhe; die 
armen Leute werden dadurch am härtesten betroffen. Ein 
Londoner Fleischer machte leine Reise nach Wien, um 
das Fleisch der wohlseilen ungarischen Ochsen nach Lon 
don zu bringen. Die Thiere werden in Wien geschlach 
tet, das Fleisch kommt in Kisten mit doppelten Wänden, 
zwischen welchen Eis gelegt wird und so gelangte es per 
Eisenbahn in 3^-4 Tagen wohlbehalten in London an. 
— Auch in Belgien grasstrt die Rindviehseuche; in 
Rbeinpreußen wurde bereits eine militärische Absperrung 
durchgeführt, um das Eindringen der Seuche zu hindern. 
— In Cöln ist vor Kurzem ein Telegraphenbeamter 
für einen neuen telegraphischen Apparat patentirt wor 
den. Der Apparat arbeitet nicht wie bisher in Zeiche«, 
die für den Laien unleserlich sind, sondern in gewöhn 
lichen Buchstaben auf eine viel leichtere Weise als eS 
beim Hughes'schen Apparat der Fall ist. Die ankom? 
menden Depeschen werden im Original mit dem Druck- 
steifen direkt an die Empfänger der Telegramme erpedirt 
und das zeitraubende Abschreiben der'Depeschen vom 
Streifen ist vermieden. Der Erfinder, Tele^raphenin- 
spektor W. Ludewig, ist gegenwärtig noch mit der Re- 
gulirung seines Apparates beschäftigt, wird denselben je 
doch bald der Oeffentlichkeit übergeben können. 
— Ein ungarischer Volksvertreter, der zur Hostafel 
in der Burg Ofen geladen war, rief gerade, als der 
Kaiser Platz nahm: Majestät, ich wünsche Ihnen besten 
Appetit! — Der Hofmarschall aber erschrack zum Tode, 
der Kaiser aber'verneigte sich lächelnd und sagte: Ich 
wünsche Ihnen desgleichen! — und aus seinen Wink 
wurden dem höflichen Gaste alle Schüsseln zweimal ge 
reicht und jedes Glas bis zum Rande gefüllt. 
— Ein interessanter Rechtsstreit droht zwi 
schen den Familien Heitmann und Nagel in Teufelsbrück 
bei Hamburg auszubrechen. Das kinderlose Heitmann'- 
fche Ehepaar hatte einen Erbvertrag geschlossen, in wel 
chem der Längstlebende als alleiniger Besitzer des gemein 
samen Vermögens eingesetzt wurde. Nachdem Beider 
Leichen in ihrer Wobnung gefunden und angenommen 
wurde, Heitmann habe im Jähzorn erst seiner Frau und 
dann sich selbst eine TodeSwunde beigebracht, beschlossen 
die beiden Familien mündlich, sich den Nachlaß auf die 
Hälfte zu theilen. Später bekannte sich der Matrose 
Paulino Torio zu dem Doppelmorde, und der Zweifel, 
wer von den Eheleuten Heitmann den letzten Athemzug 
gethan, wurde wenigstens erschüttert durch seine gericht 
lich protokollirte Aussage, daß er Heitmann zuerst ^ge 
stochen, dann die Frau mit einem Stoß getödtet und 
erst nach seiner Rückkehr in das Haus dem noch immer 
lebenden Heitmann den Garaus gemacht habe. Dieser 
war also der Ueberlebende, und darauf gestützt, ist seine 
Familie der Ansicht, daß -sie die ganze Erbschaft zu be 
anspruchen habe. 
— Die Berliner erzählen, ihr Magistrat habe sich für 
das neue prächtige Rathhaus einen Tisch bauen lassen, 
der 1000 Thlr. koste. Es sei dabei auf die Einführung 
von Berlinischen Lordmajors-Essen abgesehen. 
Gegen Hagel versichert. 
Ein Bauer hörte viel von der HagelversicherungSge- 
sellschast und ließ sich endlich auch darin aufnehmen. 
Zwei Tage darnach schlägt ihm der Hagel alle seine 
Felder zusammen. Voll Zorn geht er in die Stadt und 
sagt Sem Agenten: Ihr müßt mich nicht eingetragen 
haben, daS ist eine saubere Versicherung, wenn may 
gleich darauf in die Patsche kommt. Endlich erklärt der 
Agent, daß das nicht so gemeint sei, er sei gegen den 
Schaden versichert, der werde ihm ersetzt werden. Gegen 
den Hagelschlag kann Niemand versichern als Gott. 
Endlich leuchtete es dem Bauer ein und er steckte da? 
Geld getröstet in den Sack.
        

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