Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/29/
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Liechtenstein er -Lan^eszeitung. 
Vierter ^akrKanS^ 
Vaduz, Samstag 
Nro. 8. 
31. März 1866. 
Dieses Blatt erscheint in der Regel monatlich 3mal und kostet ganzjährig 1. fl. 50 kr. Einrückungsgebühr für die gespab 
tene Zeile 4 Nkr. Man bestellt die Zeitung in Vaduz bei der Redaktion — in Feldkirch bei der löbl. Wagner'schen Buch, 
Handlung oder bei der k. k. Post. Die Redaktion besorgt auch Bestellungen auf das liechtenst. Landesgesetzblatt.' 
Rundschau. 
Deutschland ist wieder um einen Bundesstaat ärmer 
geworden. Der Landgraf von Hessen-Homburg ist ge 
storben, sein Land fallt an den Großherzog von Hessen- 
Darmstadt. Nach dem Willen des Entschlafenen soll das 
Land dennoch selbstständig verbleiben und nicht in dem 
Großherzogthum aufgehen. 
Es heißt, der heil. Vater beabsichtige Rom zu ver 
lassen, um allenfalls nach Belgien, Spanien oder Frank 
reich überzusiedeln. Er hat eben kein Vertrauen in die 
bekannte Ehrlichkeit der Diplomaten und in die Dauer 
und Giltigkeit von Vertragen und Konventionen. 
Die Italiener wurden von dem Kriegsrumor zwi 
schen Oestreich und Preußen in eine äußerst entzündliche 
Stimmung versetzt. Sie glauben, es gelte jetzt ohne 
Weiteres, Venetien den Oestreichern zu entreißen. Ja 
man versichert, die Gelder, welche zur Abzahlung der 
Nationalschuld gezeichnet würden, sollten nicht zu diesem 
Zwecke, sondern zu einem Kriege gegen Oestreich ver 
wendet werden. Das wird nun alles nicht so schnell 
gethan, als es planirt ist, aber den Kriegsfanatismus 
bringt man den heißblütigen Italienern nicht so schnell 
aus den Köpfen. 
Die Kriegsgefahr ist wieder beschworen. Oestreich 
und Preußen geben sich gegenseitige Versicherungen der 
aufrichtigsten Freundschaft und erklären ihre vielleicht 
ebenso aufrichtig gemeinten Kriegsrüstungen als einem 
Mißverständniß entsprungen. Die Wiener Geldleute 
waren indeß von einer gräulichen Furcht befallen, das 
Agio ging in fieberhasten Sprüngen auf und ab, und 
die Wechsler konnten nicht so viel Silber aufbringen, 
um den Anforderungen des Publikums zu entsprechen. 
Die deutschen Obstreicher haben mit den Ungarn 
selten auf gutem Fuße gestanden, wünschen ihnen aber 
jetzt dennoch den Sieg. Sie sehen es als ein unschätz 
bares Glück an, wenn die Ungarn ihr altes und neues 
Verfassungsrecht gegen die Regierung durchsetzen; denn 
sie sptzkuliren darauf, daß man ihnen dann auch ihr 
Recht nicht länger vorenthalten könne. Ein alter Wiener 
Bürger drückte das in öffentlicher Wahlversammlung so 
aus: „Uns Oestreichern hat man drei Verfassungen ver 
liehen und bald wieder genommen; unsere vierte Kon 
stitution, die Februarverfassung, ist zwar nur sistirt, aber 
auch so gut wie todt. Uns Deutschen in Oestreich ergeht 
es wie den sanften, stillen Kindern, denen man wenig 
oder gar nichts gibt, weil man alle Gaben und Geschenke 
dazu verwendet, um den lärmenden und schreienden Kin 
dern das Maul zu stopfen". „Wir Deutschen, setzte er 
mit unwiderstehlicher Logik, die rauschenden Beifall fand, 
hinzu, wir sollten das Beispiel der anderen Völker nach 
ahmen." — Von der hohen Geistlichkeit Vorarlbergs 
wurde eine Adresse an den hochw. Hrn. Bischof Amberg 
in Feldkirch gerichtet und zwar in Rücksicht auf die 
jüngsten Verhandlungen des Vorarlberger Landtags. 
In Böhmen haben die Unruhen einen bedeutenden 
Umfang gewonnen — eine große Zahl kleinerer Städte 
und Dörfer erhielt Militärbesatzung. Der Pöbel hielt 
förmliche Jagden auf Juden und Deutsche und nament 
lich die wohlhabenderen derselben. Das sind die bedauer 
lichen Folgen der zerfahrenen Politik, welche in Oestreich 
seit mehreren Jahren unter allen Wandlungen der Form 
dennoch immer an der Tagesordnung war: Begünstigung 
des Nationalitätenschwindels; Niederhalten der Ansprüche 
einer Nationalität durch Hervorrufen von Gegenforderungen 
anderer Stämme. Wer Wind säet, erntet Sturm! 
Die arge Politik des preußischen Ministers Biömark 
wird von auswärtigen Zeitungen wenig rühmlich gefunden. 
Der französische „Temps" sagt: Der preußische Minister 
treibt ein Spiel, das in keinem Lande von langer Dauer 
sein kann; er hat die Krone in eine sehr gefährliche Lage 
gebracht. Eine englische Zeitung meint, der preußischen 
Regierung sei Vernunft und Rechtssinn völlig abhanden 
gekommen, man (das ist die europäischen Staaten) müsse 
sich ins Mittet legen und diesem peinlichen und gefahr 
vollen Zustande ein Ende machen. 
Allerhand Neuigkeiten. 
Vaduz, 27. März. Auf Antrag der hochf. Regie 
rung haben Se. Durchlaucht mit höchster Entschließung 
vom 15. d. Mts., Z. 3133, den jeweiligen Lehrern an 
der hiesigen Landesrealschule die Führung des Titels 
„Professor" zu genehmigen geruht. 
Die Montafoner Rekrutirung läßt manche Sonder 
barkeiten des Volksaberglaubeus hervortreten. Häufig 
betrachtet der Montafoner seine Abstellung zum Militär 
als das größte Unglück, das ihn in dieser Welt treffen 
könnte. Um eine hohe Losnummer zu ziehen wendet er, 
nach einem Berichte der „Feldk.-Ztg ", die sonderbarsten 
Mittel an. Der eine glaubt dies zu erreichen wenn er 
das Herz einer Fledermaus bei sich trägt, eingewickelt 
in eine rothe Schnur, welche eine Braut am Traualtar 
zierte. Ein anderer bindet einen Faden, den ein evan»
        

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