Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/26/
sagt: Unter den verschiedenen Fragen der Gegenwart 
ist es unstreitig die Geld- und Kapitalfrage die, vermöge 
ihrer Wichtigkett für alle Klassen der Bevölkerung, die 
weitgrößte Beachtung verdient. Es bedarf nur eines 
Vergleichs der Kursblätter von heute mit jenen der 
früheren Jahre, um sofort die Ursache der uns augen 
blicklich drohenden Kalamität zu erkennen. Wahrend das 
Kapital bis vor wenigen Jahren noch vornehmlich dem 
Handel, der Industrie, dem Grundbesitz dienstbar gemacht, 
und so der Förderung des Nationalwohlstands eine nicht 
zu unterschätzende Stütze verliehen wurde, bieten die mit 
jedem Tag neu entstehenden Anleihen auswärtiger Staa 
ten und Aktiengesellschaften eine zu verlockende Rentabi 
lität, als daß es zu verhindern wäre das Kapital dem 
Inland zu entziehen. Nicht genug, daß bisher die eu 
ropäischen Staaten, in Folge der dem bewaffneten Frie 
den entspringenden großen finanziellen Bedürfnisse für 
die stehenden Heere, die auswärtigen Geldmärkte in An 
spruch zu nehmen gezwungen waren, es mußte auch noch 
der Krieg, der in der andern Hemisphäre wüthet, seinen 
tiefgehenden Einfluß in die finanzwirthschastlichen Ver 
hältnisse unserer Staaten geltend machen, und hierin 
hauptsächlich ist die Ursache für die in dieser Hinsicht 
bei uns eingetretenen Abnormitäten zu suchen. Man 
berechnet den Betrag der augenblicklich in Deutschland 
befindlichen amerikanischen Papiere auf etwa 400 Mil 
lionen Dollars, wovon, wie man wohl annehmen darf, 
die größere Hälfte in Süddeutschland untergebracht ist. 
Insbesondere hat sich dieses Spekulationspapier in Bay 
ern so allgemein Eingang verschafft!, daß man fast in 
allen Kreisen' der Bevölkerung Besitzern von amerika 
nischen Bonds begegnet, und noch fortwährend finden 
disponible Kapitalien in dieser Effektengattung ihre An 
lage, da die, wenn auch nur langsam fortschreitende, 
politische und finanzielle Rekonstruktion Amerika's das 
Vertrauen in dessen Papiere immer mehr befestigt, und 
solche selbst bei dem dermaligen Kurs noch immer eine 
Rentabilität von über 8 Prozent bieten. Daß aber, 
was speziell Bayern betrifft, durch die Entziehung so be 
trächtlicher Kapitalmassen der Handel- und Gewerbestand 
schwer leidet, ist eine leider nicht zu verkennende That 
sache. Während es früher ein leichtes war zu den lan 
desüblichen Zinsen von 5 Prozent, ja häusig sogar zu 
einem noch weit niedrigern Zinsfuß Darleihen zu erhal 
ten, sind heute oft vergeblich, selbst gegen beste hypothe 
karische Sicherheiten, Kapitalien zu suchen, wenn nicht 
die empfindlichsten Opfer hinsichtlich der Zinsen gebracht 
werden wollen. Unter solchen Verhältnissen erscheint es 
einleuchtend, daß dem Grunderwerb augenblicklich schwere 
Fesseln angelegt sind, und daß dies nothwendigerweise 
ein schnelles Sinken der Güterwerthe nach sich ziehen 
muß. Ob und wie die uns dadurch drohende Krisis 
abzuwenden seyn wird — das zu erörtern wird die Auf 
gabe meines nächstfolgenden Schreibens sein." 
Wir sind gespannt auf diese Vorschläge und werden 
sie unsern Lesern mittheilen. 
Vaduz, 22. März. In Bezug auf die Sache der 
Einsetzung eines kathol. Vicars in Ragaz geht uns 
von hier eine Berichtigung zu, worin die Verhältnisse zu 
Gunsten des hochw. Bischofs jvon ^St. Gallen und des 
hochw. Hrn. Klaus dargestellt sind. Obw,ohl wir in 
Nr. 6 nur ein rein objectives Referat dessen gaben, waS 
sich aus Blättern der Nachbarschaft entnehmen ließ, so 
würden wir doch dieser Einsendung gerne Aufnahme ge 
wahrt haben, wenn sie in Ausdrücken gehalten wäre, 
welche wir zu vertreten im Stande wären. — Auch im 
Anschluß an die weitere Mittheilung über Intoleranz zu 
Basel und Zürich werden wir um eine Berichtigung an 
gegangen, wonach jene Mißstände in der Neuzeit nicht 
mehr bestünden. 
Vorarlberg. Herr Landeshauptmann v. Fro 
sch au er hat in einem Briefe an den Bankdirektor der 
deutsch-schweizerischen Kreditanstalt in St. Gallen, Herrn 
Kusenberg. die Annahme der Pensionsergänzung abge 
lehnt. — Wegen der Haarder Vertrauensadresse ist ein 
Prozeß anhängig gemacht. — Der Mann, welcher der 
östr. Kreditanstalt 450,000 fl. entwendet hat, bekam 4 
Jahre schweren Kerker. Das veruntreute Geld verlor er 
durch Lotteriespielen! Und doch denkt man nicht 
daran, diese Pest eines gesunden wirthschaftlichen Lebens 
aufzuheben. — Vor einigen Tagen schoß auf Dünser 
be rg ein Bauer von seinem Fenster aus einen prächtigen 
Steinadler von 6 Fuß in der Flugweite. 
Die Besoldungen der Lehrer in Baden werden 
durch ein besonderes Gesetz geregelt. Jene Gemeinden, 
welche keine Unterstützung aus Staatsmitteln verlangen, 
haben das Recht, auf die Wahl ihrer Lehrer Einfluß 
zu nehmen. 
In München haben schwindelhaste Spekulationen 
furchtbar um sich gegriffen und in ihren Folgen auch 
den Kredit solider Häuser und Familien erschüttert. Um 
weiterem unverschuldeten Unglück vorzubeugen, hat sich 
König Ludwig mit seinem jungen, warmen Herzen 
entschlossen, mit seinem eigenen Vermögen und Kredit 
helfend einzuschreiten. Seine Kabinetsrätbe unterhandeln 
mit dem Bürgermeister Münchens, auf welche Weise er 
am besten helfen kann. 
Bei einem Saujagen in der NäHe von Landstuhl 
(Rheinvfalz) wurde ein Wolf erlegt; die Wölfin konnte 
man nicht auftreiben. — In Spielfeld bei Graz deckte 
ein Bauer sein Dach von Stroh ab und verkaufte daS 
Stroh, um sich Geld zum Trinken zu verschaffen. 
Bei Elbing (Nassau) schlug ein Maurergeselle eine 
70jährige Frau mit dem Knittel todt, weil sie seinem 
Kinde, wie er glaubte, eine Krankheit angehert hatte. 
Die Nachbarn im Dorfe theilten seinen Aberglauben. Er 
bekam t0 Jahre Zuchthaus. 
Auf dem Markte in Nordhausen kam am 23. Februar 
ein Artikel zum Verkauf, der seither auf keinem Preis- 
courant oder Marktbericht zu finden war: Eis. Eine 
ganze Fuhre voll war angefahren und ging reißend ab. 
Unweit Ratibor drangen zwei Spitzbuben in den 
Stall eines Bauers und entführten eine fette Kuh. 
Die Kuh setzte sich zur Wehre und erst nach langem 
Ringen waren sie mit ihr auf den nahen Fußweg ge 
langt; — jetzt konnten sie nicht weiter. Was war zu 
thun? Sie geriethen auf die originelle Idee, den Ei 
genthümer der Kuh selbst als Mittel zu ihrem Diebstahl 
zu benutzen. Es war finstere Nacht, und da in der 
Nacht alle Kühe schwarz sind, so werde — argumentir-
        

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