Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/16/
ver und Tauben stark gebraten oder gekocht werden. Ei 
ner Hitze von 50 Grad erliegt jedes Thier, also auch 
die Trichine. Gegen die bereits auSgebrochene Trichinen 
krankheit ist die heutige Medizin noch macht- und rath 
los. Das einzige Mittel, Unglück zu verhüten, liegt im 
Mikroskop (Vergrößerungsglas)^ Es bietet aber die Vi 
sitation dem gewandten Mikroskopiker keine besonderen 
Schwierigkeiten, er kann in 10—15 Minuten konstati- 
ren, daß ein Schwein sicher nicht auf irgend gefährliche 
Weise von j Trichinen bewohnt ist. Bei einem guten 
Mikroskop genügt schon die Vergrößerung von 75 Linear. 
Ein solches Instrument ist mit 18—20 Thlr. zu er 
werben. 
Wir gehen nunmehr zu unseren Fütterungsversuchen 
über. Wir hatten aus Hadersleben ein Stück trichinösen 
Fleisches erhalten, dessen Geruch eine ziemlich weit vor 
geschrittene Fäulniß verkündete. Das Fleisch wurde 
nun 'der Eiskalte ausgesetzt, in der eS gefror. Dann 
wurden drei Kaninchen je mit einem Stück von Hasel 
nußgröße einmal gefüttert, im Uebrigen sorgsam gepflegt 
und gehalten. Nach einigen Tagen stellte sich eine Er 
weichung der Fäces ein, .die sich jedoch nicht bis zum 
Durchfall steigerte. Da sich in denselben keine Spur 
von Trichinen fand, so besorgten wir das Mißlingen 
des Versuchs. Nach einer Woche fing das eine Thier 
— ein Kakerlak — an zu kränkeln und verendete am 
10. Tage. Die Sektion ergab itt dem übrigens lungen 
kranken Thiere eine Entzündung des Dünndarms. Im 
Mastdarm fanden sich außer Askariden vereinzelte Tri 
chinen, der Schleim des Dünndarms aber wimmelte von 
gewaltigen Muttertrichinen, die von Eiern und Jungen 
strohig angefüllt waren. Geboren hatten sie noch nicht; 
im Darme fanden sich keine Jungen, noch weniger in 
den Muskeln. Die Muttertrichinen gebaren aber unter 
dem Mikroskop ein? Anzahl lebendiger Jungen, die sich 
im Verhältniß zum phlegmatischen Charakter dieser En- 
tozoen ziemlich lebhaft bewegten. Das zweite Kanin 
chen, das am 13. Tage verendete, zeigte dieselben Er 
scheinungen. Beiläufig sei bemerkt, daß wir bei ihm 
wie später beim dritten, an dem Mastdarm und an der 
Blase außen angeheftet eine Anzahl Finnen fanden, et 
wa in Form und Größe einer Berberitzenbeere; das In 
nere barg einen Bandwurmkopf mit dem prächtigsten 
Doppelhakenkranz, wahrscheinlich die Stammmutter des 
Bandwurms der Füchse. Nach 3 Wochen verstarb auch 
das dritte Versuchsthier. Die Zahl der mit vielen Eiern 
und Jungen erfüllten Mutterthiere im Dünndarm hatte 
abgenommen; der Dünndarm selbst zeigte stellenweise ei 
ne starke Entzündung. Das Muökelfleisch des Vorder 
körpers — Augenmuskeln, Mund- und Halsmuskeln u. 
s. w. — waren mit Trichinen jämmerlich gespickt. Viel 
seltener fanden sie sich am Hintertheile deS Leibes. 
Die Resultate, die sich aus diesen Versuchen ergeben, 
sind hauptsächlich folgende: 1) die Zählebigkeit der Tri 
chinen, die sie großer Wärme gegenüber zeige», bewährt 
sich auch gegen Fäulniß und Frost. 2) Die Dünn 
darmentzündung tritt ein, bevor die Jungen geboren, 
bevor also die Darmwände durchbohrt sind; jedenfalls 
. , : Druck der Graff'schen Erden 
erzeugen schsn die Muttertrichinen durch einen Reiz auf 
die Darmwände diesen Entzündungszustand. 3) Schon 
ein Fleischstückchen von Haselnußgröße, das etwa 30 bis 
40000 Trichinen enthält, war für jedes der drei Thiere 
tödtlich. Auch die Zeitmaße für Erkrankung und Ver- 
endung sind von Interesse. 
Der Zweck dieser Zeilen ist zu belehren und zu be 
ruhigen, aber auch zu warnen vor der bornirt frechen 
Leichtfertigkeit, die aus Eigennutz die Trichinenkrankheit 
als einen Schwindel oder gar als eine Erfindung der 
Aerzte verschreien möchte. 
Anzeigen. 
Oeffentliche Danksagung. 
Bet dem am 29. v. M. im Stüttli zu Buchs statt 
gehabten Brande waren es namentlich die Bewohner der 
Gemeinden Schaan und Vaduz, welche sich unverweilt 
auf der Unglücksstätte einfanden und durch ihre aus 
dauernde Thätigkeit dazu beitrugen, dem Umsichgreifen 
des Feuers Einhalt zu thun. 
Der Gemeinderath fühlt sich daher verpflichtet, den 
Bewohnern der Gemeinden Schaan und Vaduz für diese 
freundnachbarliche Hülfeleistung den verbindlichsten Dank 
auszusprechen. 
Buchs, den 10. Hornung 1866. 
Der Gemeindammann: 
M. Schwendn er. 
Im Namen des Gemeinderathes, 
der Gemeinderathsschreiber: 
Rothenberger. 
Unterzeichneter, mit einem Theile der f. liechtensteini 
schen Landesvermessung betraut, sände bei dieser Be 
schäftigung noch genügend Zeit, um auf Nebenarbeiten 
sich zu verlegen, empfiehlt sich daher unter der Zusiche- 
rung, gegebene Arbeiten auf'ö genaueste und billigste 
auszuführen, allen resp. Behörden und Privaten zur 
Ausarbeitung vvn Bauplänen und Kostenberechnungen 
des Hoch-, Straßen-, Wasser- und Kunstbauwesens. 
Wäre auch geneigt, Bauhandwerkern und jüngeren Leu 
ten, die dem Baufache sich widmen wollen, unter billi 
gen Bedingungen die nöthigen Schulfächer zu ertheilen. 
Allfällige Austräge werden jeden Dienstag und Sonn 
tag im Schäfte in Feldkirch entgegengenommen. 
Schellenberg, den 24. Jänner 1866. 
32 I. Kutter, Jngeniuer. 
Curs. 
Für 100 fl. Silber wurden in Wien bezählt: 
Samstag, den 10. Februar . . fl. 1025— Banknoten. 
Mittwoch, den iu. » . . fl. 102.10 » 
Herausgeber: Gregor Fischer. 
Verantwortlicher Redaktor : vr. Schädler. 
(Heinrich Graff) in Feldkirch. "
        

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