Herausgeber:
Liechtensteiner Landeszeitung 1863-1867
Bandzählung:
1866
Erscheinungsjahr:
1866
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000081309_1866/130/
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läßt sich kaum voraussagen. — Italien ist seit 1400 
Jahren zum ersten Male in der Gewalt der Italiener. 
Möge es ihnen zum Segen gereichen! 
— In Norddeutfchland sind die Gemüther eifrig be 
schäftigt mit der bevorstehenden Parlamentswahl. Die 
nichtpreußischen Zeitungen stellen als erste Aufgabe des 
Parlaments hin, Vereinigung Gesammtdeutschlands. Ob 
das auch im Plane der preußischen Staatslenker vor 
gesehen ist, kann man noch nicht wissen. Es scheint, 
daß diesen ein Großpreußen näher liegt. 
Will sich die östreichische Regierung schon wieder 
aufs Pferd setzen? Sie macht große Pferdekäufe in 
Ungarn. 
Feldkirch, 14. Dezember. Letzten Dienstag Abend 
fand in der Behausung des Herrn Tischlers Kalb da- 
hier bei dem dort wohnenden Herrn Beamten ein über 
aus frecher Einschleichdiebstahl statt. Den oder die Diebe 
schreckte nicht einmal der Umstand vom Verbrechen ab, 
daß in jenem Hause der hiesige k. k. Gensdarmerieposten 
einquartirt ist. Feldk. Ztg. 
Dem Landtage in Sachsen ist eine Vorlage über die 
allgemeine Wehrpflicht gemacht worden. Diese Pflicht 
wird bald überall als deutsches Menschenrecht verkündigt 
werden, zunächst im norddeutschen Bund und dann in 
Süddeutschland. Und nähme ein gesunder und gerader 
Deutscher Flügel der Morgenröthe, so wird er ihr nicht 
entfliehen können; hie und da stutzt man schon den 
Halbflüggen die Flügel, damit sie ihres künftigen Men 
schenrechtes nicht verlustig gehen. 
- Die preußischen Heerführer brauchen nicht mehr 
spartanische Suppe zu essen oder können sie doch wacker 
schmelzen, seit sie von dem Lande so schöne Geschenke er 
halten haben. Ob es ihnen wohl den Appetit verdirbt, 
daß Manche behaupten, eS dürfe streng genommen Nie 
mand Austern essen, so lange es Leute gibt, die nicht 
satt Brod zu essen haben? Die Abgeordneten waren an 
derer Meinung und dachten dabei an Blücher, Gneise- 
nau, Bülow und andere Generale der Befreiungskriege 
die im Frieden große Güter geschenkt bekommen haben. 
Das englische Parlament schenkte dem Herzog Welling 
ton, der Englands Kriege gegen Napoleon führte, zu 
erst 100,000 Pf. Sterling und spater 400,000 Pf. 
Sterling. 
Ein junger 26jähriger Mann, seines Zeichens Kauf 
mann in Berlin, lebte in Saus und Braus und dachte 
nicht ans Arbeiten. Ich babe einen einzigen Vater, sagte 
er, und der ist reich und alt; wozu arbeiten! Er lebte 
aus des Vaters Tasche- Der Alte ließ den Notar kom 
men und machte sein Testament. Mein leichtfertiger, 
arbeitsscheuer Sohn soll mein Universalerbe sein, diktirte 
er aber nur unter einer Bedingung; ehe er das Ver 
mögen überkommt, muß er drei Jahre ^ zuvor durch ei 
gene Thätigkeit jährlich wenigstens 600 Thaler verdient 
haben; wenn nicht, so behält er nur seinen Pflichttheil 
und das Andere erhalten die und die Seitenverwandten. 
Die bedenkliche Clausel blieb nicht geheim und scheint 
auS dem Müssiggänger einen fleißigen Mann zu machen; 
denn Noth bricht Eisen, sagt er. 
Di< „Kemptner Ztg." erfährt aus Hiknstadt eine 
artige Geschichte, wie Baiern seine im Kampfe gefalle 
nen Söhne ehrt. Der Soldat R. aus Hörnstadt wurde 
im Gefecht bei Kaltennordheim verwundet und starb 
bald darauf daselbst in einem Nothspitale. Vor vier 
Wochen sandte die Gemeinde, wo der Soldat R. be 
graben wurde, an dessen armen Vater in Hörnstadt die 
Aufforderung, den Sarg des Sohnes zu bezahlen. Am 
13. November erhielt der Vater vom Kommando des 
4. Infanterieregiments, in dem der Sohn gedient hatte, 
die weitere Aufforderung, für die Montur seines Soh 
nes den Betrag von 10 fl. zu bezahlen oder aber durch 
ein Armuthszeugniß seine Zahlungsunfähigkeit nachzu 
weisen. 
Schweiz. Bern, 3. Dezember. Bei der Wahl 
des Bundesraths wurden gewählt: DubS, Schenk, Knü- 
sel, Fornerod, Welti (neu), Naeff und Challet-Venel. 
Als Bundespräsident für 1367 wurde Fornerod, als 
Vizepräsident Dubs gewählt. 
Da viele Engländer Schweizer Milch nicht nur in 
der Schweiz, sondern auch daheim trinken wollen, so 
sollen ein paar spekulative Leute in Chur eine Fabrik 
errichtet haben, in welcher sie die Milch durch Verdam 
pfung von ihrem Wassergehalte befreien und den festen 
Rückstand versenden. In England wird dann die ent 
sprechende Menge Wasser wieder zugesetzt. 
— Am 18. November passirte die erste direkte Depe 
sche von New-Aork nach Bucharest durch lyas Basler 
Telegraphenbureau. Die Zeit zwischen der Absendung 
und dem Eintreffen der Depesche betrug 6 Stunden 30 
Minuten. Die gerade Entfernung New-Aorks von Bu 
charest beträgt 1500 geogr. Meilen. 
Sargans. Der Dezember-Viehmarkt wird Mon 
tag den 31. Dezember abgehalten und nicht, wie einige 
Zeitungen meldeten, am 20. ds. 
St. Gallen. Ueber die Diebsfamilie Bauer- von 
Hagenwyl, die jüngst abgefaßt wurde, bringt das „N. 
Tgbl." interessante Details, denen wir Folgendes ent 
nehmen: die Familie, seit einigen Monaten am Bach, 
hinter St. Georgen wohnhaft, besieht nebst den Eltern 
aus zwei Töchtern von 18 und 12 Jahren, welche mit 
dem Vater in der nahen Spinnerei arbeiteten, und ei 
nem Knaben von 3 Jahren, welchen die Mutter zu 
Hause bei sich halte. An den Sonntagen, da die Ver 
kaufsläden nur spärlich geöffnet und beleuchtet sind und 
gewöhnlich nur eine Person den Ladendienst versieht, 
machte die Mutter mit den beiden Mädchen ihre Gänge 
in die Magazine, um Beute zu erHaschen. Die Mutter 
führte das Wort, bedupste mit den Händen die Gegen 
stände, welche mitzulaufen hatten; das jüngere Mädchen 
stahl die so bezeichneten Sachen mit vieler Gewandtheit 
hinweg und lieferte sie ihrer ältern Schwester in die 
Hände oder unter den Mantel. Sie betraten die glei 
chen Magazine unter allen möglichen Vorwänden 3, 4 
und 5 mal und rupften jedesmal die arglosen Geschäfts 
leute. Ihren Heimweg nahmen sie auf Umwegen, um 
ja keine Spuren zu hinterlassen. Bis zur Stunde ist 
genau ermittelt, daß fix an 44 Orten der Stadt Ge 
genstände entwendeten und zwar an einzelnen bis zum 
Werthe von 6—700 Fr. Sie verstanden die Kunst,
        

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